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Versteinerungen: Pollenkörner verraten älteste Blütepflanzen

Versteinerte Polle unter dem Mikroskop:  Blühende Urzeit  Zur Großansicht
DPA/ Peter Hochuli

Versteinerte Polle unter dem Mikroskop: Blühende Urzeit

Im Norden der Schweiz haben Forscher die bislang ältesten Pollen gefunden: Die versteinerten Körner dokumentieren, dass bereits vor 240 Millionen Jahren Pflanzen auf der Erde blühten.

Als Abdrücke im Gestein können Pollenkörner Jahrmillionen überdauern. Schweizer Forscher fanden in Bohrkernen Exemplare, die 240 Millionen Jahre alt sind. Sie belegen, dass es Blütenpflanzen bereits mindestens hundert Millionen Jahre früher gab als bisher angenommen.

Peter Hochuli und Susanne Feist-Burkhardt von der Universität Zürich fanden in Bohrkernen im Norden der Schweiz versteinerte Pollen, deren Alter sie mit etwa 240 Millionen Jahre angeben. Sie stellen ihre Untersuchung im Fachblatt "Frontiers in Plant Science" vor.

Blütenpflanzen entwickelten sich aus heute ausgestorbenen Pflanzen, die mit Koniferen, Farnkraut oder Palmenfarnen verwandt waren. Wann genau die Blütenpflanzen entstanden, ist nicht bekannt. Die ältesten Funde fossiler Pollen stammten bislang aus der frühen Kreidezeit vor etwa 140 Millionen Jahren. Ob es bereits zuvor Blütenpflanzen gab, war unter Fachleuten umstritten.

Bestäuber waren vermutlich Käfer

Unter pflanzlichen fossilen Funden sind Pollenkörner häufig, weil sie klein und robust sind und deswegen einfacher versteinern als etwa Blätter oder Blüten. Die Schweizer Forscher berichten nun von Pollenfunden in Bohrkernen aus der Nordschweiz, die aus der Trias stammen und etwa 240 Millionen Jahre alt sind.

Sie scheinen frühere umstrittene Funde zu bestätigen: Bereits 2004 hatten die Wissenschaftler ähnlich alte fossile Pollen in Bohrkernen aus der Barentssee 3000 Kilometer weiter nördlich gefunden. Die Wissenschaftler hoffen, mit ihren neuen Funden nun auch sehr zurückhaltende Experten davon überzeugen zu können, dass sich Blütenpflanzen schon lange vor Beginn der Kreidezeit entwickelt haben.

In der Mittleren Trias lagen sowohl die Barentssee als auch die Schweiz in den Subtropen. Der Schweizer Raum war allerdings sehr viel trockener als die Region um die heutige Barentssee. Dies lege nahe, dass die Blütenpflanzen bereits unterschiedliche ökologische Landschaften besiedelt hätten, schreiben die Forscher. Die Pollenstruktur deute darauf hin, dass die Pflanzen von Insekten befruchtet wurden, vermutlich von Käfern.

boj/dpa

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Evolution
Die Veränderung des Erbguts und damit des Phänotyps von Individuen von Generation zu Generation.
Population
Eine Gruppe von Organismen einer Art oder auch verschiedener Arten (Mischpopulation) an einer bestimmten Örtlichkeit.
Phänotyp
Das Erscheinungsbild eines Individuums ist die Gesamtheit der durch die Erbanlagen (Genotyp) und die Einflüsse der Umwelt sich ausprägenden Merkmale eines Lebewesens.
genetische Variabilität
Die einzelnen Individuen einer Art besitzen genetische Unterschiede.
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Das Erbgut von Individuen einer Art wird nicht mit gleicher Wahrscheinlichkeit weiter gegeben. Manche Individuen einer Population vermehren sich stärker als andere - je nachdem wie überlebenstüchtig sie in einer bestimmten Umwelt sind. Selektionsfaktoren der Umwelt üben eine natürliche Selektion aus.
sexuelle Selektion
Ein Individuum bevorzugt bei seiner Partnerwahl bestimmte Merkmale. Dadurch haben nicht alle potentiellen Sexualpartner die gleichen Chancen zur Fortpflanzung, es findet somit eine Selektion statt. Die Erbanlagen, die die Merkmale hervorbringen, die fr die Partnerwahl entscheidend waren, werden dadurch weiter gegeben.
künstliche Selektion
Vom Mensch gewünschte Eigenschaften werden durch Selektion und Zucht einzelner Individuen gezielt vermehrt.
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Auch Gendrift genannt. Vorgang bei der Evolution, der zu einer Veränderung im Genbestand kleiner Teilpopulationen gegenüber der Ausgangspopulation führt. Je kleiner eine Population ist, umso leichter kann der Zufall eine vom allgemeinen Durchschnitt abweichende Kombination von Genen zusammenführen. Gelangen beispielsweise nur wenige Individuen einer Art in ein isoliertes Gebiet (Insel, abgeschnittenes Gebirgstal), so können sich nun von ihrem Selektionswert unabhängige Mutationen aufgrund des Zufalls durchsetzen oder verlorengehen. Dies kann zu Formen führen, die in einzelnen Merkmalen nicht angepasst sind (beispielsweise auffällige Färbung, die sie als Beutetiere mehr gefährdet). Der Wirkungsgrad der Gendrift kann durch die mathematische Statistik erfasst werden.

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