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Fossile Weichteile: Kollagen in Tyrannosaurus-Knochen gefunden

Forscher haben Kollagen aus dem fast 70 Millionen Jahre alten Weichgewebe eines Tyrannosaurus rex gewonnen. Das Eiweiß lässt Rückschlüsse auf die Verwandtschaftsverhältnisse des Ur-Raubtiers zu - und könnte sogar bei der Erforschung menschlicher Krankheiten helfen.

Es war eine kleine Sensation, als US-Forscher vor zwei Jahren meldeten, sie hätten Weichgewebe und Blutgefäße eines Tyrannosaurus rex entdeckt. Es ist schon selten genug, in Fossilien überhaupt auf Gewebe zu stoßen. Doch ein solcher Fund in den 68 Millionen Jahre alten Knochen des Urzeit-Raubtiers hatten Wissenschaftler zuvor für schlicht unmöglich gehalten. Spätestens nach einer Million Jahren, so hatte man bis dahin angenommen, sei derartiges organisches Material komplett zerstört.

Der Fund von Mary Schweitzer von der North Carolina State University belehrte die Fachwelt eines Besseren, ließ aber auch eine wichtige Frage offen: Erlauben die Proteine in dem Gewebe Rückschlüsse auf die Verwandtschaft der Dinosaurier mit heute lebenden Tieren?

Schweitzer und ihre Kollegen machten sich deshalb auf die Suche nach Kollagen. Das Eiweiß ist neben den Mineralien ein Grundbaustein der Knochen und verleiht ihnen ihre Stabilität und Elastizität. Bei der Versteinerung von Knochen wird es aber normalerweise vollständig durch Mineralien ersetzt. Doch Schweitzers Team war in der Lage, Kollagen aus den Tyrannosaurus-Resten zu isolieren, wie die Forscher im Fachblatt "Science" schreiben.

Sie gehen davon aus, dass sich die Proteine durch aggressive freie Radikale an andere Moleküle gebunden haben und so vom Versteinerungsprozess ausgeschlossen wurden. Um den letzten Beweis dafür zu erhalten, dass sie tatsächlich die Proteine eines Tyrannosaurus rex vor sich haben, bestimmten die Wissenschaftler mit Hilfe eines neuen Massenspektrometrie-Verfahrens einige Ketten der Aminosäuren, aus denen Kollagen besteht.

Die Analysen untermauerten auch die Theorie, dass die heutigen Vögel von den Dinosauriern abstammen, erklärte Schweitzer. Die Reihenfolge der Aminosäuren im Tyrannosaurus-Kollagen ähnele besonders denen von Huhn, Frosch und Molch. "Die Ähnlichkeit zum Huhn ist definitiv das, was wir angesichts einer Verwandtschaft zwischen modernen Vögeln und Dinosauriern erwarten würden", sagte die Paläontologin.

Die neuen Erkenntnisse ermöglichten auch neue Erkenntnisse über die Evolution der Dinosaurier und ihre Beziehungen zu modernen Arten. Zudem erhoffen sich die Forscher ein genaues Verständnis von Zellwachstum und -abbau, um so die Behandlung von Krankheiten wie Krebs verbessern zu können.

mbe/ddp

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