Fossilfund 300 Millionen Jahre altes Fischgehirn entdeckt

Sensationeller Fund im Stein: In einem 300 Millionen Jahre alten Fischfossil fanden Forscher mit Hilfe ausgeklügelter Durchleuchtungstechnik das versteinerte Gehirn eines frühen Hai-Verwandten. Es war so gut erhalten, dass sie einzelne Hirnstrukturen sichtbar machen konnten.


Vor 300 Millionen Jahren steuerte es einen Fisch - und nun verzückt es französische und US-amerikanische Wissenschaftler: In einem Fischfossil wurde ein vollständig mineralisiertes Gehirn entdeckt.

Solche Funde seien selten, und bei dem Exemplar handele es sich um das bei weitem älteste bekannte, sagte John Maisey vom American Museum of Natural History in New York. Zusammen mit Alan Pradel und weiteren Wissenschaftlern berichtet er im Magazin " Proceedings of the National Academy of Science" von dem erstaunlichen Fund.

Die Forscher hatten das Gehirn bei der Untersuchung von Fossilien des sogenannten Iniopterygian aus Oklahoma und Kansas an der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble entdeckt. Iniopterygian war ein Knorpelfisch und damit ein Verwandter der Haie und der Seedrachen. Er wurde nur etwa 50 Zentimeter groß. Da die meisten Fossilfunde dieser Fische platt sind, wollte das Team einen dreidimensional erhaltenen Schädel am ESRF mit Hilfe der Röntgen-Mikrotomographie untersuchen.

Dabei fanden sie im Inneren des Schädels Gewebe, das dichter war als das umgebende. Um noch mehr Details zu klären, durchleuchteten die Forscher den Schädel noch mit Röntgen-Holotomographie. Sie fanden ein längliches und symmetrisches Objekt, das genau so angeordnet war wie ein Gehirn. Die 3D-Rekonstruktion dann enthüllte sogar verschiedene Bereiche: Kleinhirn, Rückenmark, optische Loben. Nur das Vorderhirn war anscheinend nicht mehr erhalten (siehe Video).

Den Fund verdanken die Forscher womöglich mehreren glücklichen Umständen: Bakterien, die eine Mineralisierung des Gehirns durch Kalziumphosphat eingeleitet hatten, bevor Verfallsprozesse einsetzen konnten - und Umweltbedingungen wie dem geringen Sauerstoffgehalt in der Schädelkapsel.

Wissenschaftler wussten zwar, dass Iniopterygian ein Gehirn besessen haben muss, aber der Fund mache es erstmals möglich, die genaueren Hirnstrukturen und die evolutionären Veränderungen zu studieren. Nach Ansicht der Forscher weisen Schädel- und Hirnstrukturen der Iniopterygian-Fische Ähnlichkeiten zu den noch heute lebenden Seedrachen auf. Daraus schließen sie, dass die grundlegenden Hirnstrukturen dieser Tiere bereits vor 300 Millionen Jahren existierten.

lub/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.