Spektakulärer Fossilien-Fund Forscher entdecken Meeresreptil mit Embryo im Bauch

Heute lebende Reptilien legen Eier, also haben sich auch ihre Vorfahren so fortgepflanzt: Bisher hatten Paläontologen keinen Grund, an dieser Annahme zu zweifeln. Doch nun stellt ein Fund diese These auf den Kopf.

Grafische Rekonstruktion eines Dinocephalosaurus
DPA

Grafische Rekonstruktion eines Dinocephalosaurus


Einige frühe Verwandte heutiger Vögel und Krokodile gebaren ihre Jungen offenbar lebend. Das zeigt ein etwa 245 Millionen Jahre altes Fossil eines schwangeren Meeresreptils. Bislang hatten Experten angenommen, dass alle Vertreter der sogenannten Archosauromorpha Eier legten, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Nature Communications".

Das Fossil hatten Wissenschaftler bereits 2008 im Süden Chinas freigelegt. Doch lange konnte der Fund nicht richtig interpretiert werden: "Wir waren so aufgeregt, als wir das embryonale Exemplar vor einigen Jahren erstmals sahen, aber wir waren nicht sicher, ob es sich dabei um die letzte Mahlzeit der Mutter oder um ihr ungeborenes Baby handelte", sagt Jun Liu von der Hefei University of Technology in China.

Dinocephalosaurus-Reste: Der pinke Bereich zeigt das Junge
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Dinocephalosaurus-Reste: Der pinke Bereich zeigt das Junge

Nach genaueren Untersuchungen sind die Forscher jetzt überzeugt, dass es sich tatsächlich um ein Junges handelt, das im Leib eines weiblichen Dinocephalosaurus heranwuchs. Vertreter dieser Gruppe schwammen im Mittleren Trias durch die Meere des heutigen, südlichen China. Ihren außergewöhnlich langen Hals mit 25 Wirbeln schwenkten sie wohl auf der Jagd nach Fischen von Seite zu Seite. Sie gehören zur Gruppe der Archosauromorpha, von denen bis heute die Krokodile und Vögel überdauert haben. Die Dinosaurier, die auch dazu gehören, sind hingegen ausgestorben.

Für die Annahme, dass es sich bei dem Fossil um ein Muttertier mit Embryo handelt, spreche die Tatsache, dass der kleine Körper vollständig vom großen umschlossen ist, argumentieren die Forscher. Eine Überlagerung durch ein anderes Tier sei somit ausgeschlossen. Zudem weise der Kopf des Embryos nach vorne. Beute werde bei diesen wasserlebenden Tieren normalerweise mit dem Kopf voran verschlungen und auch so verdaut. Schließlich liege der Embryo in einer klassischen Embryonalhaltung im Körper der Mutter - mit dem Kopf in Richtung Brustkorb gebeugt.

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Dass die Jungen lebend zur Welt kamen, schließen die Forscher unter anderem daraus, dass sie keine Hinweise auf eine kalkhaltige Eischale fanden. Es wäre auch sehr ungewöhnlich, wenn die Tiere Eier mit derart weit entwickelten Jungtieren gelegt hätten, schreiben die Forscher. Weitere Analysen legen nahe, dass das Geschlecht der Nachkommen wohl genetisch festgelegt war - und nicht wie etwa bei heutigen Krokodilen durch die Umgebungstemperatur im Nest bestimmt wurde.

"Diese Kombination von Lebendgeburt und genetischer Geschlechtsbestimmung war anscheinend nötig für Tiere wie Dinocephalosaurus, um im Wasser leben zu können", erläutert Mitautor Michael Benton von der University of Bristol.

An Land hätten die Tiere mit ihren paddelförmigen Gliedmaßen und dem extrem verlängerten Hals keine Nester bauen können - wie zum Beispiel heutige Meeresschildkröten. Im Wasser aber könnten Reptilieneier nicht ausgebrütet werden. Auch das dehnbare Becken des Muttertieres spreche für eine Lebendgeburt.

joe/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Nonvaio01 15.02.2017
1. interessant
bin mal gespannt was noch so alles herrausfindet in den naechsten 100 Jahren. Ich bin mir fast sucher das wir unser Bild ueber das Leben auf dem Planeten Erde komplett umschreiben muessen.
saschb 15.02.2017
2.
Der Teaser-Text kann so nicht stimmen. Von Ichthyosauriern war doch schon seit Längerem bekannt, dass sie lebendgebärend waren. Im Text wird von Archosauromorpha anstatt Reptilien allgemein gesprochen. Das passt dann wieder.
kumi-ori 15.02.2017
3.
Es gibt durchaus lebendgebärende Reptilien in der heutigen Zeit. Der Feuersalamander lebt ovovivipar, das heißt, er brütet die Eier im Mutterleib aus. Allerdings hat er nicht wie die modernen Säugetiere eine Plazenta, sondern das Ei wird als eigene Stoffwechseleinheit im Mutterleib ausgebrütet. Die Mutter stellt also nach der Befruchtung nur den Platz zur Verfügung, nicht den gemeinsamen Blutkreislauf.
cassandros 15.02.2017
4. Ohjevivipar
Zitat von kumi-oriEs gibt durchaus lebendgebärende Reptilien in der heutigen Zeit. Der Feuersalamander lebt ovovivipar, das heißt, er brütet die Eier im Mutterleib aus. Allerdings hat er nicht wie die modernen Säugetiere eine Plazenta, sondern das Ei wird als eigene Stoffwechseleinheit im Mutterleib ausgebrütet. Die Mutter stellt also nach der Befruchtung nur den Platz zur Verfügung, nicht den gemeinsamen Blutkreislauf.
Und morgen, wenn wir ausgeschlafen haben, erkunden wir, was Reptilien und was Amphibien sind. Dann stellen wir überrascht fest, daß der feurige Salamander ......
reuanmuc 16.02.2017
5.
Zitat von Nonvaio01bin mal gespannt was noch so alles herrausfindet in den naechsten 100 Jahren. Ich bin mir fast sucher das wir unser Bild ueber das Leben auf dem Planeten Erde komplett umschreiben muessen.
Da haben Sie recht. In hundert Jahren wird man feststellen, dass der intelligente Mensch das dümmste Tier ist, indem er systematisch die eigenen Lebensgrundlagen vernichtet.
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