Fossilienfund in Braunschweig Forscher jubeln über neue Saurierart

Er war drei Meter lang und hatte eine Reihe spitzer Zähne. Forscher haben die fossilen Überreste eines Fischsauriers entdeckt und analysiert. Nun sind sie sich sicher: Es handelt sich um eine bisher unbekannte Art - die eine beliebte Theorie ins Wanken bringt.

dapd

Braunschweig - Zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren haben Forscher aus Braunschweig eine neue Saurierart identifiziert. Die fossilen Überreste des Fischsauriers verraten, wie das Tier einst ausgesehen haben mag - es erinnert etwas an einen Delfin: Drei Meter lang war der Fischsaurier, mit einem schmalen langen Kiefer voller spitzer Zähne.

"Es ist ein spektakulärer Fund. Damit wird eine ganze Aussterbetheorie infrage gestellt", sagte Ulrich Joger, Direktor des Naturhistorischen Museums in Braunschweig, am Mittwoch. Dort war das Skelett untersucht worden.

Der Saurier war 2005 bei Bauarbeiten an einer Autobahn bei Cremlingen im Landkreis Wolfenbüttel entdeckt worden. Ein Amateur-Forscher hatte dem Museum einen Wirbel gebracht, daraufhin wurde an der Baustelle eine Notgrabung vorgenommen. Nach vier Tagen waren die gesamten fossilen Überreste des Sauriers ausgegraben - die Knochen sind 130 Millionen Jahre alt.

Die Fossilien wurden präpariert und wissenschaftlich bearbeitet. Spezialisten aus mehreren Ländern erforschten das Exemplar, bis sie es mit zwei Skeletten aus Speeton in Großbritannien als eine der Wissenschaft bisher unbekannte Art beschreiben konnten, wie nun im Fachjournal "PLoS One" nachzulesen ist. Die Art erhielt den wissenschaftlichen Namen Acamptonectes densus, zu deutsch: starrer Schwimmer.

Da das Verfahren um die Bekanntgabe neu entdeckter Arten international strengstens geregelt ist, durfte das Museum erst am Mittwoch, zeitgleich mit der Veröffentlichung des Fachartikels über den neuen Saurier informieren.

Lange sei die Wissenschaft davon ausgegangen, dass die Ichthyosaurier, so werden Fischsaurier genannt, am Ende der Jurazeit vor etwa 140 Millionen Jahren ausstarben, erläuterte Joger. Demnach führte ein klimatisches Ereignis dazu, dass die Weltmeere unterhalb der Oberflächenschicht an Sauerstoff verarmten, was ein Aussterben einiger mariner Lebewesen bewirkte - die Nahrungsquelle der Ichtyosaurier verschwand.

Jüngste Entdeckungen aber zeigten, so Joger, dass die Fischsaurier noch in der Kreidezeit in den Meeren lebten, die vor etwa 65 Millionen Jahren endete. "Eine Katastrophe, die bisher angenommen wurde, kann so nicht stattgefunden haben", sagt Joger.

Starrer Schwimmer

Ichthyosaurier sind Reptilien aus dem Erdmittelalter, die dem Leben im Meer angepasst waren. Ihre Gliedmaßen waren in Paddel umgestaltet und ihre Körperform ähnelte der eines heutigen Delfins, mit dem sie allerdings nicht verwandt sind. In den schnabelartigen Schnauzen der Fischsaurier saßen kleine, spitze Zähne, die für die Jagd auf Fische und Tintenfische geeignet waren.

Der Fischsaurier verdankt seinen Namen dicht ineinander liegenden Wirbeln. "Er konnte den Hals nicht bewegen, muss aber wie ein Pfeil durchs Wasser geschossen sein", sagt Joger. Die Forscher gruben das Skelett zu 90 Prozent aus, nur Flossenteile fehlen. Im Bereich des Nackens fanden sie einen Haizahn. Möglicherweise tötete der Raubfisch den Saurier.

Bei dem Fund handelt es sich um die dritte von den Braunschweiger Forschern identifizierte Saurierart. Ein Team des Museums war zuvor im afrikanischen Niger auf zwei Dinosaurierarten gestoßen. Joger hofft auf weitere spektakuläre Funde. "Da spielt der Zufall eine große Rolle. Wir haben erst vor ein paar Wochen wieder einen Fischsaurier ausgegraben. Ob er zu einer neuen Art gehört, wird die Forschung zeigen."

Funde von Ichthyosauriern sind in Norddeutschland nicht unüblich. Erst im September 2011 entdeckten die Forscher des Naturhistorischen Museums in Braunschweig ein gut erhaltenes Skelett im Stadtteil Hondelage. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ichthyosaurierfunden aber stammt das in Cremlingen gefundene Skelett nicht aus dem Zeitalter Unterjura, das vor 140 Millionen Jahren endete, sondern aus der darauf folgenden Kreidezeit. Zu dieser Zeit, also vor etwa 65 Millionen Jahren, gab es laut Joger nur noch wenige Ichthyosaurier in den Meeren, was den Fund besonders interessant mache.

cib/dpa/dapd



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Seite 1
schmunda 04.01.2012
1.
---Zitat von Zitat aus dem Artikel--- Im Gegensatz zu den meisten anderen Ichthyosaurierfunden aber stammt das in Cremlingen gefundene Skelett nicht aus dem Zeitalter Unterjura, das vor 140 Millionen Jahren endete, sondern aus der darauf folgenden Kreidezeit. Zu dieser Zeit, also vor etwa 65 Millionen Jahren, gab es laut Joger nur noch wenige Ichthyosaurier in den Meeren, was den Fund besonders interessant mache. Fossilienfund in Braunschweig: Forscher jubeln über neue Saurierart - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,807168,00.html) ---Zitatende--- Schade. Im Orginal eine nette Geschichte. Leider total verhunzt durch schlechte Recherche. Das Viech stammt aus dem Hauterivian also obere Unterkreide. Das war vor 135 Millionen Jahren, also fast direkt aus dem fraglichen Zeitraum. Bis zur höchsten Oberkreide vor 65 Millionen Jahren ist es also noch ein Weilchen hin. Auf Unterjura (endete vor ca. 175 Ma!) folgt allenfalls nicht die Kreide, sondern erst mal Mittel- und Oberjura. Bei solch einer Berichterstattung muss der Laie ja den Eindruck gewinnen, Wissenschaftler saugen sich das alles aus den Fingern.
Tom Joad 04.01.2012
2. Hmmm ....
Der Saurier auf dem Foto sieht aber erstaunlich gut erhalten aus. Und ich Blödel dachte immer, von denen wären höchstens Knochen übrig.
Konrad_L 05.01.2012
3. Wie alt denn nun?
Im dritten Absatz sind die Knochen 130 Mio Jahre alt. Im weiteren Text wird viel Aufhebens davon gemacht, dass sie so alt eben gerade nicht sind. Also was jetzt?
schmunda 05.01.2012
4.
Zitat von Konrad_LIm dritten Absatz sind die Knochen 130 Mio Jahre alt. Im weiteren Text wird viel Aufhebens davon gemacht, dass sie so alt eben gerade nicht sind. Also was jetzt?
Hauterivian = 130.0–136.4 Millionen Jahre alt. Der Gag an der Studie ist, dass mit diesen Funden gezeigt werden konnte, dass Vertreter einer etwas ursprünglichere Gruppe von Ichthyosaurieren auch noch im Jura zu finden waren. Bisher ist man davon ausgegangen, dass die meisten Arten an der Jura-Kreide-Grenze ausgestorben sind. Die Aussterberate an dieser Grenze ist für Ichthyosaurier nicht ungewöhnlich hoch.
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