Fossilienfund: Briten hoffen auf Rekordperle

Eine Perle so groß wie ein Golfball - das könnte sich im Inneren einer riesigen versteinerten Auster verbergen, die britische Fischer aus ihrem Netz geklaubt haben. Oder auch nicht. Die entscheidenden Untersuchungen stehen nämlich noch aus - doch der Hype ist schon da.

Riesiges Austerfossil von Portsmouth: Fundstück könnte hundert Millionen Jahre alt sein. Zur Großansicht
HGM-PRESS

Riesiges Austerfossil von Portsmouth: Fundstück könnte hundert Millionen Jahre alt sein.

Das alte Ding sah nicht aus wie das andere Zeug auf dem Fischmarkt der britischen Hafenstadt Portsmouth. Aus den flachen Wassern des Solent, der Meerenge zwischen dem englischen Festland und der Isle of Wight, hatten Fischer ein urtümliches Etwas mit einer rauen Oberfläche gefischt. Von Dreck und Schlamm gesäubert, fand sich eine Auster - nur um einiges größer als die durchschnittlichen Exemplare: 18 Zentimeter breit und acht Zentimeter dick.

Nun lag sie an einem Verkaufsstand zum Bestaunen aus, bis Lindsay Holloway vor etwa zwei Wochen Wind von der Sache bekam. Der Manager der Blue Reef Aquarium in Portsmouth war fasziniert von der riesigen Muschel. "Erst dachten die Fischer, dass es sich um eine echte Auster handelt", erinnert sich Holloway im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Doch schnell zeigte sich: Das wuchtige Fundstück ist ein Fossil - und zwar eines, das die Phantasie anregt.

Eine mächtige Auster muss schließlich auch eine mächtige Perle enthalten. Nach dem ersten Bericht einer Lokalzeitung spekulierte die britische "Daily Mail" munter über ein Schmuckstück in der Größe eines Golfballs; die "Huffington Post" legte wenig später nach.

Der Paläontologe meldet sich. Irgendwann. Vielleicht.

Eine Perle dieser Größe, das wäre freilich eine Sensation! Doch im Gespräch drückt Lindsay Holloway auf die Euphoriebremse. Man wisse derzeit noch gar nicht, ob sich überhaupt etwas im Inneren der versteinerten Auster befinde. Für weitere Informationen müsse man das Ding erst einmal gründlich untersuchen.

Weil in der Region gerade Schulferien seien, laufe der Betrieb im Aquarium aber derzeit auf Sparflamme. Für weitere Analysen habe man bisher kaum Zeit gehabt. Immerhin: Er habe einen Paläontologen der Portsmouth University kontaktiert, sagt Holloway. Der Wissenschaftler habe aber viel zu tun und werde sich wohl erst in den kommenden Tagen melden.

Doch erst nachdem die Auster im Labor durchleuchtet wurde, lässt sich sagen, ob sie überhaupt etwas enthält - geschweige denn die riesige Perle, auf die man bei der britischen Presse hofft. Ein paar Dinge lassen sich aber in der Tat schon sagen: Austern gibt es seit etwa 250 Millionen Jahren. Und Aquariumsmanager Holloway schätzt das Alter des Fossils von Portsmouth auf bis zu hundert Millionen Jahre. Auf diesen Wert komme man durch andere bekannte Fossilienfunde aus dem Solent, sagt er.

Die Auster muss einst ein wahrer Methusalem gewesen sein. Man habe 200 Jahresringe gezählt, sagte Holloway der "Daily Mail". Und im Inneren von solch versteinerten Muscheln können sich durchaus Perlen verbergen - insofern ist die Hoffnung auf ein ansehnliches Exemplar in der Auster von Portsmouth nicht völlig aus der Luft gegriffen. Das vor allem aus Kalkverbindungen bestehende Perlmutt kann die Zeiten überdauern. Ob es das in dem Fundstück aus dem Solent tatsächlich getan hat, muss sich allerdings noch zeigen.

Und auch mit der vermeintlich einmaligen Größe der Muschel von Portsmouth ist es so eine Sache. Austern der Art Pinctada maxima, sie sind vor allem vor Australien und in der Südsee zu finden, werden ebenfalls sehr groß. Bis heute. Und bei ihnen kann man viel einfacher nachsehen, was sich im Inneren befindet.

chs

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