Zufallsfund Fotos zeigen erstmals Korallenriff vor Grönland

Glück muss man haben: Durch Zufall haben Wissenschaftler erstmals ein Korallenriff vor Grönland gefunden. Eigentlich wollten sie nur Wasserproben nehmen, doch dann klebten Lebewesen aus finsteren Tiefen an ihren Geräten. Jetzt gibt es die ersten Fotos des Ökosystems.

Bedford Institute of Oceanography

Forschung ist in der Regel ein langwieriges und mühsames Geschäft; plötzliche Durchbrüche und sonstige Heureka-Momente kommen meist nur in schlechten Filmen vor. Manchmal aber gibt es Entdeckungen, die nicht geplant waren - etwa die eines Korallenriffs vor Grönland.

Im Herbst 2012 war ein kanadisches Forschungsschiff vor der Südwestküste der Insel unterwegs. Die Wissenschaftler wollten Wasserproben nehmen - doch als ihre Instrumente aus einer Tiefe von 900 Metern wieder auftauchten, waren sie komplett zerstört. Der Grund war leicht erkennbar: An den Geräten hingen noch die Äste von Korallen.

"Zuerst haben die Forscher geflucht und wollten die Korallen ins Meer zurückwerfen", sagt Helle Jørgensbye, Doktorandin an der Technischen Universität Dänemark. "Dann haben sie zum Glück erkannt, was sie da in Händen hielten." Denn das sei nicht weniger als der erste Beweis für ein grönländisches Korallenriff gewesen. Zwar habe man zuvor schon Korallenarten aus Grönland gekannt, aber noch nie zuvor ein ganzes Riff entdeckt.

Beutefang in kalter Finsternis

Mit den farbenprächtigen Riffs der Tropen hat es allerdings wenig gemein, es entstand nach Angaben der Forscher aus den harten Kalkskeletten von Kaltwasserkorallen. In den Tiefen, in denen sie leben, gibt es so gut wie kein Licht. Um dennoch zu überleben, fangen und fressen die Korallen kleine Meerestiere. Immerhin: Da der Golfstrom die Südwestküste Grönlands erreicht, beträgt die Wassertemperatur bis zu vier Grad, was warm genug für Korallen ist.

Auf die ersten Fotos des Lebensraums in der Tiefe mussten die Wissenschaftler allerdings lange warten. Ende 2013 besuchte dann ein weiteres kanadisches Forschungsschiff die Region und ließ eine Kamera hinab. Dabei hatten die Wissenschaftler erneut Glück: "Wir haben unsere Fotos fast verloren, als die Kamera in der Tiefe hängen blieb", sagt Jørgensbye. Am Ende gelang es jedoch, das Gerät wieder freizubekommen.

Die Bilder seien für Meeresbiologen von großem Interesse. Denn während Korallenriffe etwa in Norwegen bereits gut erforscht seien, sei über grönländische Riffe kaum etwas bekannt. "Die norwegischen Riffe werden bis zu 30 Meter hoch, mehrere Kilometer lang und sind mehr als 8000 Jahre alt", erklärt Jørgensbye. Das grönländische Riff sei wahrscheinlich kleiner. "Wie alt es ist, wissen wir aber immer noch nicht."

Fotostrecke

9  Bilder
Sensible Meeresbewohner: Vergängliche Schönheit

mbe

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.