Kurz nach Sonnenfinsternis Frankreich erwartet gigantische Springflut

Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut wird höher sein als ein vierstöckiges Gebäude: Am Samstag erreicht eine Rekord-Springflut Frankreich. Ursache ist eine besondere Himmelskonstellation.

REUTERS

Es wird als "Jahrhundertereignis" angekündigt, auch wenn sich das Phänomen alle 18 Jahre wiederholt. Doch spektakulär wird die Flut am nächsten Samstag an der Nordwestküste Frankreichs und anderen Orten der Welt allemal: Ein Tidenhub von 14,5 Metern wird beispielsweise an der Klosterinsel Mont-Saint-Michel in der Normandie erwartet. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut rund um diese Weltkulturerbe-Insel wird somit höher sein als ein vierstöckiges Gebäude.

Auch in Großbritannien, Kanada und Australien wird eine besonders hohe Springflut erwartet. Der stärkste Tidenhub weltweit mit bis zu 16 Metern wird in der Bucht von Fundy an der kanadischen Atlantikküste zu bestaunen sein. In Großbritannien soll das Wasser vor allem im Kanal von Bristol um mehr als 14 Meter steigen.

Sonne, Mond und Erde stehen auf einer Geraden

Ursache der Springflut ist eine besondere Himmelskonstellation, die auch zur Sonnenfinsternis in Mitteleuropa am Freitag führt: Sonne, Mond und Erde stehen in einer Linie, dadurch sind die Gezeitenkräfte auf der Erde, die Ebbe und Flut verursachen, besonders stark.

Laut Gravitationsgesetz ziehen sich zwei Körper gegenseitig an. Das führt dazu, dass der Mond abhängig von seinem Abstand zur Erde das Wasser in seine Richtung zieht. Es fließt auf der Erde dann in Richtung der Mond zugewandten Seite. Gleichzeitig wirken Fliehkräfte, die das Wasser auf der Erde in Richtung der Mondabgewandten Seite drücken. Vorstellen kann man es sich wie bei zwei Kindern, die sich an den Händen gefasst im Kreis drehen. Durch die Fliehkraft fliegen ihre Haare nach hinten.

Die gleichen Kräfte wirken auch zwischen Sonne und Erde, allerdings schwächer, weil sie weiter voneinander entfernt sind. Steht der Mond, so wie am Samstag, in einer Linie mit Sonne und Erde, werden die Gravitationskräfte verstärkt. Ebbe und Flut sind dann besonders ausgeprägt.

Ein Tidenzyklus hat 18 Jahre

Weil der Mond die Erde monatlich umrundet, kommt es etwa alle 14 Tage zur Springflut, allerdings fällt sie in der Regel deutlich geringer aus als am Samstag. Die "Jahrhundertflut" kehrt nur alle 18 Jahre wieder. Der Zeitraum ergibt sich aus der sich periodisch verändernden Nähe von Sonne und Mond zur Erde. Nur alle 18 Jahre stehen alle drei Himmelskörper so zueinander, dass die Gezeitenkräfte besonders extrem ausfallen.

In Frankreich wird am Samstag ein Flut-Koeffizient von 119 erwartet und damit der höchste je gemessene, wie die Meeresbehörde SHOM errechnet hat. Der Wert wird aus der Höhe der aufeinanderfolgenden Fluten und Ebben an einem Ort errechnet. Schon ein Koeffizient von über 110 gilt als selten und kommt nur an zwei Prozent aller Tage vor.

Katastrophenübung als Vorsichtsmaßnahme

Am Klosterberg Mont-Saint-Michel lautet eine Redensart, dass die Flut "mit der Geschwindigkeit eines Pferdes im Galopp" daherkommt. Die Menschen an den Küsten sind daher zur Vorsicht aufgerufen, im Vorfeld fanden sogar Katastrophenübungen für den Fall von Überflutungen statt. Auch Flutexperte Nicolas Weber vom SHOM warnt, es sei "gefährlich - man soll sich nicht zu weit vorwagen". Nach seinen Worten steigt das Wasser immerhin "schneller als ein Mann rennt".

Bereits am 21. Februar hatte es eine besonders hohe Flut gegeben, eine weitere wird am 29. September erwartet. Beide kommen aber nicht an jene vom kommenden Wochenende heran. Auch deshalb werden am Samstag zahlreiche Touristen an die Küsten strömen, um sich das Ereignis nicht entgehen zu lassen. Die nächste "Jahrhundertflut" ist schließlich erst wieder in 18 Jahren zu bestaunen, am 3. März 2033.

jme/AFP



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insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
j.vantast 19.03.2015
1. Aha
Und Deutschlands Nordseeküste bleibt von der Katastrophe verschont? Ist da Ebbe und Flut vorsorglich abgeschafft worden? Und praktischerweise in den Niederlanden auch gleich mit? Nach dieser Meldung müsste Holland doch regelrecht untergehen. Aber vor nicht langer Zeit wollte man uns hier ja auch weiss machen das bei der Sonnenfinsternis das deutsche Stromnetz zusammenbrechen würde weil die Solarzellen keinen Strom mehr liefern. Leute, so langsam wird´s lächerlich.
Labs-Kautz 19.03.2015
2. Wir werden alle sterben!
Und zwar an Hysteritis. Die Bienen werden dem sich nach Norden ausbreitendem Schatten folgen und südlich des Äquators eine leere Welt hinterlassen. Die Möven werden das picken sein lassen. Hunde und Katzen werden anfangen gemeinsam zu leben. Das Polar Eis wird in kürzester Zeit schmelzen und die Meereshöhe um 3 Meter anheben. Und mit dem Magnetfeld der Erde passiert auch irgendwas, aber das weiss ich grade nicht oO
Khaled 19.03.2015
3. @#1: Wenn man keine Ahnung hat
am besten einfach die Klappe halten. Werfen Sie mal einen Blick in einen Gezeitenatlas (falls Sie wissen sollten was das ist) oder lassen Sie sich von einem revierkundigen Segler die Besonderheiten der Gezeitenströme an der bretonischen Kanalküste erklären.
vonlipwig 19.03.2015
4.
@vantast, der Atlantik enthält nun mal mehr Wasser als die Nordsee und der Ärmelkanal, der Bristolkanal ... sind Meerengen / Buchten, in denen sich das Wasser aufstaut. Schon unter normalen Umständen ist dort der Tidenhub sehr hoch.
brux 19.03.2015
5. ++++
Ich habe nie verstanden, wie ein Magazin, das in Hamburg erscheint, so bar jeder maritimen Kenntnis sein kann. In Bild 4 läuft ein Trawler gegen eine hohe auflandige Welle aus einem Hafen aus. Mehr nicht. Mit den Gezeiten hat das rein gar nichts zu tun.
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