Freilandhaltung Glückliche Hühner sind häufiger krank

Bakterien, Milben, Verletzungen: Die Abschaffung der Geflügel-Käfighaltung hatte in Schweden überraschend negative Folgen für die Tiere. Inzwischen sind viele Probleme gelöst - doch andere Länder stehen erst am Beginn der Entwicklung.


Sie haben mehr Platz und werden artgerechter gehalten - aber Hühner aus Boden- und Freilandhaltung sind deswegen nicht gesünder als ihre Artgenossen aus Käfighaltung, wie schwedische Wissenschaftler bei Untersuchungen von knapp tausend Hühnern gezeigt haben. Tiere aus Betrieben mit Boden- oder Freilandhaltung waren demnach deutlich häufiger von Bakterien oder Parasiten wie Milben befallen.

Legebatterie (Archivbild von 1999): Mehr Krankheiten und Verletzungen bei Bodenhaltung
AP

Legebatterie (Archivbild von 1999): Mehr Krankheiten und Verletzungen bei Bodenhaltung

In Schweden wurde bereits 1988 das erste Gesetz zum Verbot der Käfighaltung von Hühnern auf den Weg gebracht. Die praktische Umsetzung erfolgte jedoch nur sehr zögerlich. Erst von 2001 bis 2004 kam es zu einem starken Anstieg artgerechterer Haltungsformen wie der Boden- und Freilandhaltung. Inzwischen gehört Schweden zu den EU-Ländern mit dem höchsten Anteil von Hühnern in diesen alternativen Haltungsformen.

Die Daten der Forscher um Oddvar Fossum vom Nationalen Veterinärinstitut in Uppsala stammen aus den Jahren 2001 bis 2004, als in Schweden viele Züchter noch über wenig Erfahrung in der Boden- und Freilandhaltung verfügten. Die Wissenschaftler werteten insgesamt 914 Todesfälle von Hühnern aus und setzten Todesursache und Haltungsart in Beziehung. Das Ergebnis: Tiere aus alternativen Haltungsformen waren nicht nur häufiger von Krankheiten betroffen, sondern auch überdurchschnittlich häufig Opfer von Verletzungen durch andere Tiere. Aktuellere, bisher nur vorläufige Zahlen deuteten jedoch darauf hin, dass die Züchter die Problematik inzwischen sehr viel besser im Griff hätten, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Acta Veterinaria Scandinavica" (Online-Vorabveröffentlichung).

Auch in Deutschland erfolgt derzeit in einigen Betrieben eine Umstellung von Käfig- auf Boden- und Freilandhaltung. Seit dem 1. Januar 2009 ist die Haltung von Hühnern in Einzelkäfigen verboten. Viele Züchter ersetzen Legebatterien jedoch durch die weiterhin erlaubten Kleingruppenkäfige. Die bieten den Tieren allerdings nicht wesentlich mehr Bewegungsfreiheit als zuvor und werden von Tierschützern stark kritisiert. Mehrere große Lebensmittelketten und sogar Billig-Discounter in Deutschland haben auf diese Kritik reagiert und verkaufen inzwischen überhaupt keine Eier aus Käfighaltung mehr.

Die Forscher sehen ihre Studie keineswegs als Plädoyer für eine Rückkehr zur Käfighaltung, sondern weisen darauf hin, dass mit zunehmender Erfahrung der Züchter in guter Haltung die Zahl erkrankter Tiere inzwischen wieder gesunken sei.

lub/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.