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Alternative Fortpflanzung: Frosch gebiert Kaulquappen, statt Eier zu legen

Kaulquappen statt Eier: Lebendgeburt bei Frosch Fotos
Jim McGuire

Das gibt es nur ein einziges Mal: Frösche auf der indonesischen Insel Sulawesi bringen Kaulquappen zur Welt, statt Eier zu legen. Ein Beispiel in einer ganzen Reihe ungewöhnlicher Fortpflanzungsstrategien.

Als er das schlabberige Etwas endlich in der Hand hielt, war Jim McGuire zufrieden. Der Amphibienexperte von der University of California in Berkeley hatte einen Frosch gefunden, der gerade lebendige Kaulquappen zur Welt brachte.

Entdeckt hatten indonesische Forscher die Art mit dem wissenschaftlichen Namen Limnonectes larvaepartus auf der indonesischen Insel Sulawesi. Schon lange vermuteten sie, dass die Frösche Kaulquappen zur Welt bringen. Doch beobachtet hatte eine solche Geburt zuvor niemand.

Laut McGuire ist die Spezies eine von insgesamt nur etwa zwölf Froscharten, die überhaupt die Fähigkeit einer internen Befruchtung entwickelt haben. Zudem seien die Frösche die bislang einzigen bekannten, die direkt Kaulquappen statt kleiner Frösche oder befruchteter Eier zur Welt bringen, berichtet der Forscher gemeinsam mit Kollegen im Fachmagazin "PLOS ONE".

"Fast alle Frösche - mehr als 6000 Spezies - nutzen externe Befruchtung", erklärt McGuire. "Dabei umklammert das Männchen das Weibchen und befruchtet die Eier, sobald sie das Weibchen verlassen haben." Allerdings gebe es jede Menge bizarre Modifikationen dieser Standardvariante.

Brut im Magen

Wie genau interne Befruchtung bei den Fröschen funktioniert, ist bislang wenig verstanden. Eine Art der nordamerikanischen Schwanzfrösche hat eine Art Penis entwickelt, mit dem er das Sperma in das Weibchen bringt und die Eier befruchtet. Später legt das Weibchen die Eier unter Steinen im Flussbett ab. Andere, länger bekannte Froscharten, gebären winzige Frösche, die das Kaulquappenstadium gerade abgeschlossen haben.

Aber auch unter den Eierlegern gibt es einige skurrile Abweichler. So tragen manche Frösche ihre Eier in kleinen Beuteln oder Gruben auf ihrem Rücken oder bebrüten sie in ihrer Schallblase oder im Maul. Auch gab es zwei inzwischen ausgestorbene Arten, die befruchtete Eier schluckten, in ihrem Magen ausbrüteten und schließlich aus ihrem Mund winzige Frösche freiließen.

Froschmännchen als Babysitter

Die nun erstmals von McGuire und Kollegen beschriebene Art setzt ihre Kaulquappen in kleinen Tümpeln oder Bereichen mit wenig Strömung aus - wahrscheinlich, um sie vor kräftigeren, erwachsenen Fröschen zu schützen, die sich vor allem am Fließwasser aufhalten. Es gibt sogar Hinweise, dass die Männchen ihren Nachwuchs beschützen.

Den Fröschen wachsen zwei kleine spitze Zähne aus dem Unterkiefer, die Reißzähnen ähneln. Im Englischen ist deshalb auch von "fanged frogs" die Rede. Die Amphibien benutzen die Zähne in Kämpfen. 25 Spezies mit solchen Zähnen gibt es auf Sulawesi, allerdings ist L. larvaepartus erst die vierte, die offiziell beschrieben wurde. Die Arten wiegen zwischen zwei Gramm und einem knappen Kilo. L. larvaepartus erreicht ein Gewicht von fünf bis sechs Gramm.

Unterschiedliche Anpassung an die gleiche Umgebung

Sulawesi hat eine einzigartige Tierwelt. Das liegt auch daran, dass die Insel vor acht bis zehn Millionen Jahren aus mehreren kleinen Inseln entstanden ist, die miteinander verschmolzen sind. "Wir versuchen zu verstehen, ob die Artenvielfalt der Insel bereits auf den Vorgängerinseln entstanden ist, oder ob ein Großteil oder vielleicht auch alle Anpassungen nach dem Zusammenschluss stattgefunden haben", erklärt McGuire.

An den meisten Orten auf der Insel leben mindestens fünf Froschspezies mit Zähnen unmittelbar nebeneinander. Jede Art hat sich auf andere Weise an den jeweiligen Lebensraum angepasst, um Konkurrenz - etwa um Nahrung - zu vermeiden. Deshalb sei die Erforschung der Frösche besonders spannend, erklärt McGuire. Ihre Verbreitung und Vielfältigkeit sei nicht nur durch die Bewegungen der Inselplatten beeinflusst worden, sondern zusätzlich durch die exakte Anpassung an ganz bestimmte Lebensbedingungen.

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