Amphibiensterben Tödliche Pilzkrankheit erstmals eingedämmt

Mehr als 700 Amphibienarten sind weltweit von einer aggressiven Pilzinfektion betroffen, zahlreiche bereits ausgestorben. Nun melden Forscher einen Erfolg im Kampf gegen die Epidemie: Sie haben mehrere Tümpel vom Pilz befreit.

Mallorca-Geburtshelferkröte: Die Tiere atmen auch über die Haut
Jaime Bosch MNCN-CSIC/ ZSL

Mallorca-Geburtshelferkröte: Die Tiere atmen auch über die Haut


Der Pilz greift die Schutzschicht der Haut an, verstopft die Poren und lässt Amphibien wie Frösche, Kröten und Molche ersticken, denn die Tiere atmen auch über die Haut. Batrachochytrium dendrobatidis, auch Chytridpilz genannt, hat weltweit bereits zahlreiche Amphibienarten ausgerottet - allein in Panama mindestens 40 Prozent aller Froschspezies. Mehr als 700 Arten sind weltweit von der Epidemie betroffen. Doch nun gibt es Hoffnung.

Erstmals seit dem Ausbruch vor über zwei Jahrzehnten wollen Forscher den Chytridpilz erfolgreich in der Natur bekämpft haben. Auf Mallorca fingen Jaime Bosch vom Museo Nacional de Ciencias Naturales in Spanien und Kollegen die Kaulquappen der Mallorca-Geburtshelferkröte aus den fünf Tümpeln, die auf der Insel vom Pilz befallen waren.

Im Labor behandelten die Forscher die Kaulquappen über mehrere Tage hinweg mit einem Antimykotikum, das die Pilzzellen abtöten sollte. Außerdem legten sie die Tümpel, in denen die Tiere gelebt hatten, vorübergehend trocken und befreiten sie mit einem Desinfektionsmittel von dem gefährlichen Pilz. Regenwasser füllte die Tümpel anschließend wieder auf.

Infizierte Kröte: Der Pilz verstopft die Hautporen und lässt Amphibien ersticken
Jaime Bosch MNCN-CSIC/ ZSL

Infizierte Kröte: Der Pilz verstopft die Hautporen und lässt Amphibien ersticken

Die Doppel-Therapie schlug an, wie die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters" berichten. 2009 hatten die Forscher den ersten Tümpel behandelt. 2014 waren vier der fünf Lebensräume mindestens seit zwei Jahren pilzfrei. Weder die Kaulquappen, noch die ausgewachsenen Frösche, die die Forscher in Stichproben untersucht hatten, waren noch infiziert, wobei erstere eine besonders wichtige Rolle spielen.

Kaulquappen dienen dem Chytridpilz als Reservoir. Sie sind vergleichsweise unempfindlich gegen die Infektion, sodass sich der Pilz fortpflanzen kann, ohne seinen Wirt dadurch zu töten. Von den Kaulquappen aus geht der Pilz dann auf weiter entwickelte Tiere - Kröten, Frösche und Molche - über. Fehlt das Reservoir, tötet der Pilz mit seinem Wirt auch sich selbst.

Die Forscher bezeichnen ihre Arbeit als Durchbruch, stehen aber schon vor der nächsten Wand: Der Chytridpilz sei ein ernstes Problem für den Arterhalt. Deshalb brauche man eine einfache, fortschrittliche und auf andere Orte übertragbare Lösung, berichten die Wissenschaftler. Noch ist ihre Methode recht aufwendig. "Wir müssen die Erkenntnisse nutzen, um die Behandlung weiterzuentwickeln", sagt Bosch. Die Pilzepidemie bleibt eine Gefahr für Amphibien weltweit.

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insgesamt 10 Beiträge
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Thomas Schnitzer 18.11.2015
1.
"aus den fünf Tempeln, die auf der Insel vom Pilz befallen waren" Könnte es sein, dass hier von 5 Tümpeln die Rede sein soll? Tempel wären mir auf Malle sonst unbekannt.
sysop 18.11.2015
2. #1
Sie haben natürlich Recht, "Tümpel" sollen es sein! Wir haben den Fehler sogleich korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.
augu1941 18.11.2015
3. Die beschriebene Methode,
Tümpel trockenlegen und desinfizieren, ist wohl nicht geeignet die Pilzkrankheit in der freien Natur auszurotten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Teiche in meiner Umgebung mit flachen Randzonen, in denen Kröten und Frösche laichen, alle leergepumpt werden, denn einfaches Wasser Ablassen ist oftmals nicht möglich. Kann man nicht künstlich die Abwehrreaktionen gegen die Pilze befördern und Exemplare züchten, die immun sind. Ausgesetzt würden sie bald die Oberhand unter ihren Artgenossen gewinnen.
cindy2009 18.11.2015
4. @augu1941
Steht doch im Artikel, dass das viel zu aufwändig ist und man nach Alternativen sucht. Das gute an der Meldung ist, dass geforscht wird und man prinzipiell nicht machtlos ist.
suelzer 18.11.2015
5.
Kann man diesen Pilz nicht nach Australien bringen? Dort leidet man doch unter diesem Viehzeug, ich denke da an den Bullfrog, der eine Plage ist und den quasi jedermann abknallen darf.
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