Fruchtfliegen Sexentzug lässt Männchen mehr Alkohol trinken

Es klingt nur allzu menschlich: Von den Frauen enttäuschte Männer greifen zur Flasche. Doch beobachtet haben Forscher das Verhalten bei Fruchtfliegen. Sie konnten sogar den Hirnbotenstoff bestimmen, der die Insektenmännchen antreibt.

Fruchtfliege: Mit ein paar Drinks erträgt sich eine sexuelle Zurückweisung besser
DPA

Fruchtfliege: Mit ein paar Drinks erträgt sich eine sexuelle Zurückweisung besser


Hamburg - Wenn männliche Fruchtfliegen keinen Sex bekommen, trinken sie deutlich mehr Alkohol, als sexuell zufriedene Männchen, berichten US-Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science" . Sex aktiviere genau wie Alkohol das Belohnungszentrum im Gehirn.

Die Forscher um Galit Shohat-Ophir von der University of California in San Francisco fanden auch eine Erklärung für das Verhalten: Sex und Alkohol veränderten den Gehalt eines kleinen Moleküls im Gehirn der Fliegen. Nach Sex werde mehr vom sogenannten Neuropeptid F gebildet. Bei zurückgewiesenen Fliegen-Männchen hingegen sei der Neuropeptid F-Spiegel sehr niedrig. Durch den Verzehr von Alkohol steigt er wieder. "Sexentzug erzeugt einen Mangel dieses Botenstoffs, der die Fliegen nach anderen Möglichkeiten der Befriedigung suchen lässt", schreiben die Wissenschaftler.

In ihrem Experiment hatten die Forscher männliche Fruchtfliegen durch Duftstoffe zunächst in Paarungsstimmung gebracht. Ein Teil der Tiere durfte anschließend beliebig oft mit paarungsbereiten Weibchen kopulieren. Der andere Teil wurde über vier Tage hinweg mehrfach mit einem bereits befruchteten und daher paarungsunwilligen Weibchen zusammengesetzt. Alle Fliegenmännchen hatten anschließend die Wahl, entweder normales Futter oder aber mit 15 Prozent Alkohol versetztes Futter zu fressen.

Die Männchen, die sexuell nicht zum Zuge gekommen waren, zogen das mit Alkohol getränkte Futter deutlich vor, wie die Forscher berichten. Weitere Versuche belegten zudem, dass der Sexentzug selbst dafür ausschlaggebend war und nicht etwa die soziale Erfahrung, zurückgewiesen zu werden. Auch durch Senken des Neuropeptid-F-Pegels konnten die Wissenschaftler den Alkoholkonsum der Fruchtfliegen steigern.

Übertragung auf den Menschen verlockend

Bei Säugetieren gibt es einen eng verwandten Hirnbotenstoff, das Neuropeptid Y. Es ist bereits bekannt, dass dieses eine Rolle bei der Alkoholsucht spiele, aber auch für das sexuelle Begehren, den Schlaf und die Stressverarbeitung relevant sei, schreiben die Forscher.

"Es ist verlockend, die Ergebnisse bei den Fruchtfliegen auf den Menschen zu übertragen und auch dort auf eine Verbindung zwischen sexueller Zurückweisung und Alkoholkonsum zu schließen", kommentiert Troy Zars von der University of Missouri die Ergebnisse in einem Begleitartikel. Diese Schlussfolgerung sei allerdings verfrüht, da dieser Zusammenhang erst noch untersucht werden müsse.

Erst kürzlich hatten Forscher die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, der zufolge mit tödlichen Parasiten belastete Fruchtfliegen-Larven gezielt alkoholische Nahrung fressen, um ihre inneren Schmarotzer zu bekämpfen. Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) ernähren sich unter anderem von reifem Obst, das vielfach in Gärung übergeht und daher Alkohol enthält. Erst bei einem Gehalt von mehr als vier Volumenprozent schadet der berauschende Stoff den Insekten, die sich im Laufe ihrer Evolution eine gewisse Alkohol-Toleranz zugelegt haben.

wbr/dpa/dapd



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