Strahlung Fukushima brachte kaum Radioaktivität nach Deutschland

Atombombenversuche und Reaktorkatastrophen: Immer wieder gelangten größere Mengen Radioaktivität in die Umwelt. Zuletzt war die Strahlenbelastung in Deutschland aber gering - trotz Fukushima.

Plakat gegen Atomkraft (Archivbild): Nach Fukushima begann die Energiewende in Deutschland
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Plakat gegen Atomkraft (Archivbild): Nach Fukushima begann die Energiewende in Deutschland


Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat kaum radioaktive Belastung bis nach Deutschland gebracht. Es sei zwar nach dem Unglück in Japan 2011 hierzulande Radioaktivität im Regenwasser gemessen worden, aber sie sei tausendmal geringer gewesen als die Werte nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1986, sagte Thomas Steinkopff, Leiter der Radioaktivitätsüberwachung beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

An 48 gleichmäßig über das Land verteilten Stationen untersucht der DWD kontinuierlich Luft und Regen auf radioaktive Stoffe. Die Messdaten werden an Behörden wie das Bundesamt für Strahlenschutz weitergegeben.

Die radioaktiven Partikel aus Fukushima haben demnach zwei Wochen gebraucht, bis sie in Deutschland messbar waren, berichtet der DWD. Die Strahlenwerte im deutschen Regenwasser hätten aber kaum über der Nachweisgrenze gelegen.

Proben für den Ernstfall

Der DWD berechnet die Ausbreitungswege und -geschwindigkeiten radioaktiver Wolken. Bei Unfällen wie dem in Japan trete umgehend ein Notfallplan in Kraft, die Messungen und Berechnungen werden intensiviert. Aufgabe des DWD sei es, die Daten zu erheben, nicht aber die Bewertung der radiologischen Wirkung, sagte DWD-Präsident Gerhard Adrian.

In der 60-jährigen Geschichte der Radioaktivitätsüberwachung beim DWD gab es zuletzt nach Tschernobyl einen heftigen Ausschlag der Messgeräte. Er lag aber noch unter der Marke, die die oberirdischen Atombombenversuche 1962 und 1963 erreicht hatten. Derzeit werde keine Radioaktivitätsbelastung aus künstlichen Quellen in Deutschland gemessen.

Passiert ein Unglück in einem europäischen Kernkraftwerk, gibt es laut DWD praktisch keine Zeit für Vorbereitungen: Bei einem Störfall könne dann innerhalb von fünf Minuten eine Ausbreitungsberechnung fertig sein und nach 15 Minuten eine Vorhersage für Warnungen. "Weil so etwas extrem selten ist, müssen wir ständig üben", sagte Hans-Joachim Koppert, Leiter der DWD-Wettervorhersage. Jeder Meteorologe müsse die Technik der Ausbreitungsberechnungen jederzeit beherrschen.

Erster Krebsfall durch Fukushima bestätigt

Während die Auswirkungen der Atomkatastrophe von Japan in Deutschland vergleichsweise gering ausfielen, machen sie sich in Japan weiter bemerkbar. Im Oktober wurde der erste Krebsfall im Zusammenhang mit dem Unglück offiziell bestätigt. Der betroffene Mann leidet an Leukämie und hatte nach dem Unglück geholfen, die beschädigten Reaktoren zu schließen.

Zudem streiten Wissenschaftler, ob das Unglück auch zu mehr Fällen von Schilddrüsenkrebs bei Minderjährigen geführt hat. Bei vom Staat angeordneten Ultraschalluntersuchungen wurden vermehrt Veränderungen an der Drüse der zum Zeitpunkt des Unglücks unter 18-Jährigen entdeckt. Unklar ist allerdings, ob die Strahlung dafür verantwortlich ist oder mehr Veränderungen gefunden wurden, weil auch mehr untersucht wurde.

jme/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 69 Beiträge
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Hoss_Cartwright 12.11.2015
1. Die Radioaktivität kommt auf anderem Wege
zum Beispiel mit dem Fisch "aus dem Nord-Ost-Pazifik" erhältlich bei uns in einigen großen Supermärkten und Discountern.
Rubyconacer 12.11.2015
2. Quatsch
Die stillgelegten AKW sind ein genauso hohes Risiko, als wenn sie in Betrieb wären. Reine Augenwischerei und Steuergeldverschwendung.
Das Pferd 12.11.2015
3.
Zitat von RubyconacerDie stillgelegten AKW sind ein genauso hohes Risiko, als wenn sie in Betrieb wären. Reine Augenwischerei und Steuergeldverschwendung.
wie kommen Sie auf das dünne Brett? Also, ich bin ja keinesfalls der Ansicht "abschalten sofort", sondern für einen geordneten Übergang. Trotzdem gehen von AKW im Betrieb (und in der Stillegung selbst, nicht zu unterschätzen) mehr Gefahren aus. Ein ordentlich stillgelegtes AKW heißt in Deutschland Rückbau bis zur Wiese. Und dann ist die Gefahr wirklich gering. Nicht mit Abschaltung verwechseln.
josefinebutzenmacher 12.11.2015
4. @ Pferd: richtig.
Und selbst ein heruntergefahrener Reaktor ist weniger gefährlich als ein aktiver.
slartibartfass2 12.11.2015
5. Beschwichtigung...
Es lässt mich der Verdacht nicht los, dass dieser Artikel zur allgemeinen Beschwichtigung des Problems beitragen soll. Es mag sein, dass nicht sehr viel Radioaktivität über dem Luftweg nach Deutschland "gereist" ist. Davon war aber auch nie auszugehen. Viel mehr Sorgen bereitet mir die starke radioaktive Verseuchung des Pazifischen Ozeans durch Fukushima. Denn: Wer kontrolliert die radioaktiven Werte von Fischen bei der weltweit operierenden Fischereiflotte? Jetzt kommt mir bitte keiner mit der Lebensmittelaufsicht in Deutschland... die werden doch jedes Jahr weniger im Personalbestand. Und dann gibt es ja noch die Importe aus Japan - nicht viele aber es gibt sie. Dank EU-Fukushima-Verordnung, die schon drei Wochen nach dem GAU veröffentlicht wurde (da sind die Eurokraten schnell), überwachen beim IMPORT von Waren IN die EU die Grenzwerte für radioaktive Isotope die Japaner(!), die vorab nochmals für solche Importe die Grenzwerte auf bis zum zwanzigfachen erhöht(!) wurden - sicher ist sicher. Das macht natürlich Sinn, wenn derjenige der kontrolliert werden soll, das selbst macht. Das "Blattern" kommt ja irgendwie überall immer mehr in Mode. Da interessierte es dehalb kaum noch einen, dass diese Verordnung aufgrund einer Richtlinie für Störfälle INNERHALB der EU erlassen wurde. Ja, logisch! Fukushima liegt ja auch in der EU. Wer's nicht glaubt kann ja auf den Internetseiten des EUR-Lex selbst nachstöbern.
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