Atomkraftwerk: Grundwasser in Fukushima stark radioaktiv belastet

Radioaktive Baustelle: Tanks am AKW Fukushima sollen belastetes Grundwasser sicher speichern Zur Großansicht
AP/ Kyodo News

Radioaktive Baustelle: Tanks am AKW Fukushima sollen belastetes Grundwasser sicher speichern

Am zerstörten Atomkraftwerk Fukushima ist die Konzentration radioaktiver Stoffe im Grundwasser deutlich gestiegen. Schuld soll ein Leck an einem Turbinengebäude sein. Der Kampf um die Abdichtung der Atomruine geht damit in die nächste Runde.

Im Grundwasser am beschädigten Atomkraftwerk Fukushima ist ein stark erhöhtes Niveau der radioaktiven Stoffe Strontium und Tritium gefunden worden. Das teilte der Kraftwerksbetreiber Tepco am Mittwoch mit. Vor allem das Isotop Strontium 90 gilt als gefährlich: Gelangt es in den menschlichen Körper, reichert es sich vor allem in den Knochen an. Tumoren und Leukämie können die Folge sein.

Gemessen wurden die erhöhten Werte im Grundwasser nahe des Turbinengebäudes von Reaktor 2. Tests des Betreibers im Mai ergaben eine stark erhöhte Konzentration von Strontium 90: etwa 1000 Becquerel pro Liter, mehr als hundertmal so viel wie noch im Dezember 2012.

Im Körper verhält sich Strontium ähnlich wie Kalzium und wird mit in die Knochensubstanz eingebaut. Wissenschaftler sprechen bei dem radioaktiven Stoff auch von einem "Knochenkiller". Es schädige das Knochenmark und könne Leukämie (Blutkrebs) auslösen.

Auch vom weniger schädlichen Tritium wurden deutlich mehr Teilchen gefunden als noch im Dezember. Von 29.000 auf 500.000 Becquerel sei die Konzentration je Liter Grundwasser nach Angaben von Tepco seitdem gewachsen.

Nach Einschätzung von Experten gehen diese Werte noch nicht mit einer bedeutenden Gesundheitsgefahr einher. Sowohl für Strontium 90 als auch für Tritium bewegten sich die Ergebnisse in einem radiologisch unbedenklichen Bereich.

Der Kampf mit dem Wasser

Verantwortlich für die Strahlenbelastung des Grundwassers sei vermutlich ein Leck im Turbinengebäude von Reaktor 2, sagte Tepco-Manager Toshihiko Fukada. Dass ununterbrochen Wasser in die zerstörten Reaktoren sickert, ist bekannt. Etwa 280 Liter Grundwasser sind es pro Minute, also rund 400 Tonnen pro Tag. Um das dadurch kontaminierte Wasser zu speichern, wurden Tanks auf dem Gelände des havarierten AKW aufgebaut. Wie die "New York Times" im April berichtete, waren diese Tanks schon damals bereits zu 80 Prozent gefüllt.

Tepco plant zudem eine Art Bypass im Boden: Das Grundwasser soll in neu gegrabene Brunnen umgeleitet werden. Allerdings ließe sich die Menge des in die Reaktoren strömenden Wassers so höchstens halbieren. Kritiker werfen dem Betreiber vor, die Grundwasser-Problematik unterschätzt zu haben.

Noch vor wenigen Wochen veröffentlichten die Vereinten Nationen eine Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Atomunfalls. Demnach seien gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung kaum zu befürchten. Weder seien wegen der Katastrophe Menschen gestorben, noch sei ein Anstieg der Krebsfälle zu befürchten. Grund dafür sei die schnelle Evakuierung der Region durch die Behörden, so das Komitee für die Folgen von Strahlung (Unscear).

che/Reuters

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insgesamt 68 Beiträge
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1. Alles
Zuversicht7 19.06.2013
Zitat von sysopAm zerstörten Atomkraftwerk Fukushima ist die Konzentration radioaktiver Stoffe im Grundwasser deutlich gestiegen. Schuld soll ein Leck an einem Turbinengebäude sein. Der Kampf um die Abdichtung der Atomruine geht damit in die nächste Runde. Fukushima Grundwasser stark radioaktiv belastet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fukushima-grundwasser-stark-radioaktiv-belastet-a-906572.html)
Alles nur Fantasien der Ökojünger oder alles nur "German Angst"?
2. Die Natur hat keine German-Angst
Palmstroem 19.06.2013
Zitat von sysopAm zerstörten Atomkraftwerk Fukushima ist die Konzentration radioaktiver Stoffe im Grundwasser deutlich gestiegen. Schuld soll ein Leck an einem Turbinengebäude sein. Der Kampf um die Abdichtung der Atomruine geht damit in die nächste Runde. Fukushima Grundwasser stark radioaktiv belastet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fukushima-grundwasser-stark-radioaktiv-belastet-a-906572.html)
Na, endlich wieder mal eine Katastrophenmeldung aus Fukushima, auch wenn die Schlagzeile dann doch im Text relativiert wird. "Nach Einschätzung von Experten gehen diese Werte noch nicht mit einer bedeutenden Gesundheitsgefahr einher. Sowohl für Strontium 90 als auch für Tritium bewegten sich die Ergebnisse in einem radiologisch unbedenklichen Bereich." Wer würde aber schon seine Radieschen im Reaktorgelände anbauen! Dabei wäre das für die Radieschen sogar positiv. "Seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl ist die verbotene Zone um den ukrainischen Unglücksreaktor sich selbst überlassen. Entstanden ist eines der größten Wildnisgebiete Europas. 27 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat sich das Sperrgebiet rund um den Unglücksreaktor in ein Tierparadies verwandelt. Das berichtete der Ökologe Michael Brombacher in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS."
3. Das ist ja besonders doof
Bono Beau 19.06.2013
für die notorischen Fans, wenn man den Kopf nicht mehr ungefährdet in den Sand stecken darf.... Man sollte ihnen Bescheid sagen, wenn der Kopf da noch drin steckt!
4. Ja was denn nu?
unnglaublich 19.06.2013
"Grundwasser in Fukushima stark radioaktiv belastet" oder "radiologisch unbedenklicher Bereich"?
5. Aha!
Hannovergenuss 19.06.2013
Typisch Spiegel! "Grundwasser in Fukushima stark radioaktiv belastet" Katastrophe! "Nach Einschätzung von Experten gehen diese Werte noch nicht mit einer bedeutenden Gesundheitsgefahr einher. Sowohl für Strontium 90 als auch für Tritium bewegten sich die Ergebnisse in einem radiologisch unbedenklichen Bereich." Oder doch nicht? "Noch vor wenigen Wochen veröffentlichten die Vereinten Nationen eine Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Atomunfalls. Demnach seien gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung kaum zu befürchten. Weder seien wegen der Katastrophe Menschen gestorben, noch sei ein Anstieg der Krebsfälle zu befürchten......" Hatte ich auch mal gesagt früher und was gab es da für ein Tara.... Industrieunfall statt Apokalypse!
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Fukushima: Die Krux mit dem Wasser
Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
DPA
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.

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Zwei Jahre nach der Katastrophe: Street-View-Fotos aus Fukushima