Futter-Trick: Wal lockt Möwen in die Falle

Ein Schwertwal fängt Möwen, indem er die Vögel in eine raffinierte Falle lockt. Die Artgenossen des listigen Jägers, der in einem kanadischen Aquarium lebt, haben die Taktik mittlerweile kopiert - ein Vorgang, der in der Natur äußerst selten ist.

Schwertwal: Möwen fangen mit dem Fisch-Trick
AP

Schwertwal: Möwen fangen mit dem Fisch-Trick

Die Tierpfleger müssen nicht schlecht gestaunt haben, als sie bemerkten, wie ihr Schützling neuerdings an Zwischenmahlzeiten kommt. Der vier Jahre alte Schwertwal, Bewohner eines Freiluftbeckens im kanadischen Niagara Falls, spuckte zerkauten Fisch auf die Wasseroberfläche. Dann tauchte er wieder ab und wartete geduldig, bis Möwen kamen und sich über die vermeintlich leichte Beute hermachten. In diesem Moment schnappte der Orca zu.

Einige Monate später habe der jüngere Halbbruder des Orcas die Taktik kopiert und ebenfalls begonnen, Möwen in die Falle zu locken, berichteten Forscher um Michael Noonan vom Canisius College in Buffalo jetzt bei einer Konferenz in New York. Später seien weitere Tiere aus der Gruppe gefolgt. Die Orcas hätten an manchen Tagen drei oder vier der gefiederten Snacks gefangen, sagte Noonan einem Bericht des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" zufolge.

Es ist einer der seltenen dokumentierten Fälle kulturellen Lernens im Tierreich. Erst im Juni hatten Forscher wilde Delphine vor Australien dabei beobachtet, wie sie sich gegenseitig beibrachten, ihre Schnauzen beim Graben nach Nahrung auf dem Meeresboden mit Schwämmen zu schützen. Anfang August berichteten US-Wissenschaftler über zwei Gruppen von Schimpansen, die sich zeigten, wie man mit Stöcken Nahrung aus einem Futterautomaten holt.

Janet Mann von der Georgetown University in Washington, die die Schwämme benutzenden Delphine entdeckt hatte, hält das Verhalten der Wale in Niagara Falls ebenfalls für einen Fall kulturellen Lernens. Der Wal müsse seinem Bruder die neue Jagdstrategie beigebracht haben, da das Anlocken von Möwen eine sehr außergewöhnliche Taktik sei. Es sei unwahrscheinlich, dass mehrere Tiere sie unabhängig voneinander entwickelt hätten.

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