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G-8-Verhandlungen zum Klimaschutz: Geheimpapier belegt Blockadehaltung der USA

Die USA wollen den G-8-Ländern die Initiative beim Klimaschutz entziehen. Stattdessen soll sich das von Washington favorisierte "Treffen der größten Volkswirtschaften" darum kümmern. Hier sind die Einigungschancen allerdings noch geringer.

Washington - Viel Bewegung dürfte aus der US-Delegation kaum zu erwarten sein, wenn sich Diplomaten der größten Wirtschaftsnationen der Welt im Juli im japanischen Toyako zu Klimaverhandlungen treffen - ganz im Gegenteil. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert am Montag aus einem internen Papier, das eine Quasi-Blockadehaltung Washingtons nahelegt.

"Wir würden mittelfristige Ziele im Rahmen der G8 nur dann diskutieren, wenn dies die 'Major Economies' nicht tun - und auch dann nur auf eine Art und Weise, die den Weg bereitet für Verpflichtungen der großen aufstrebenden Wirtschaftsnationen", heißt es in dem Statement der US-Diplomaten.

Obwohl das einigermaßen verklausuliert ist, bedeutet das, dass Washington kaum an einer Einigung interessiert sein dürfte. Bei Vorbereitungstreffen hatten die G-8-Diplomaten es vergangene Woche bereits nicht geschafft, sich auf Klimaziele für das Jahr 2020 zu einigen - immerhin wurde für das Jahr 2050 das Ziel von 50 Prozent Emissionsreduktion vereinbart.

Man kann leicht den Überblick verlieren: G8, "Major Economies", also das "Treffen der größten Volkswirtschaften" - was ist eigentlich der Unterschied? Zu den G8, dem Club der größten Industrienationen gehören Japan, Russland, die USA, Großbritannien, Italien, Frankreich, Kanada und Deutschland. In der Gruppe der "Major Economies", der großen Wirtschaftsnationen, sind auch Staaten vertreten, die nicht bei der G8 dabei sind: Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Südkorea und Südafrika.

Die "Major Economies" sind eine Kreation der USA. Washington will mit Hilfe der Gruppe verhindern, dass die großen Industriestaaten unverhältnismäßig belastet werden - und auch die aufstrebenden Schwellenländer in die Pflicht nehmen. Die jedoch haben auf Klimaverpflichtungen nur wenig Lust und wollen sich stattdessen lieber um ihr Wirtschaftswachstum kümmern.

Um die Konfusion zu verstärken, werden beide Gruppen, G8 und die "Major Economies" demnächst parallel tagen. Während des G-8-Treffens vom 7. bis 9. Juli in Japan will Washington auch die größere Gruppe zusammentrommeln. Eine Einigung hier dürfte allerdings einigermaßen unwahrscheinlich sein. Das wird durch Washingtons einseitige Präferenz für die "Major Economies" auf Kosten der G8 umso mehr zum Problem, als dass die USA auch Klimaziele für einzelne Industriezweige am liebsten nur dort diskutieren wollen. Auch hier wären die G8 als Verhandlungsforum außen vor.

chs/Reuters/ddp

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