Klimaschutz-Bemühungen Bericht kritisiert G20-Staaten

Beim Klimaschutz Druck auf Trump ausüben - das hat sich Merkel für den G20-Gipfel vorgenommen. Dabei tut gerade Deutschland zu wenig gegen die Erderwärmung, wie eine aktuelle Analyse zeigt.

Umweltaktivisten demonstrieren in Hamburg
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Umweltaktivisten demonstrieren in Hamburg


Die Top-Wirtschaftsmächte unternehmen viel zu wenig, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen. Trotz höherer Investitionen in grüne Technologien drohten die Industrieländer und aufstrebenden Wirtschaftsnationen (G20), das Ziel einer Erderwärmung von deutlich unter zwei Grad weit zu verfehlen.

Zu diesem Ergebnis kommt der "Brown to Green"-Bericht der Umweltorganisation Climate Transparency. Das internationale Netzwerk bemängelt eine viel zu zögerliche Abkehr von der Kohle und eine unzureichende Klimapolitik in den einzelnen Ländern. Wie die USA bekommt auch Deutschland schlechte Noten.

Die G20-Länder sind für 75 Prozent der weltweiten Emissionen an Treibhausgasen verantwortlich. Bei dem gegenwärtigen Trend würde die Erderwärmung auf drei bis vier Grad steigen. "Die Konsequenzen wären dramatisch", warnen die Forscher. Die derzeitigen Bemühungen seien weder hinreichend schnell noch tiefgehend, um die Erderwärmung in den Grenzen zu halten, die das Pariser Abkommen vorgibt. Die Emissionen müssten dafür ihren Höhepunkt schon bis 2020 erreichen und danach schnell sinken.

Zwar verringerten die großen Wirtschaftsnationen ihre Abhängigkeit von fossilen Energien, aber das Tempo müsste "stark erhöht" werden, fordern die Experten. "Deutschland schneidet aufgrund des seit 2010 nahezu gleichbleibend hohen Kohleverbrauchs in der Kategorie Pro-Kopf-Emissionen relativ schlecht ab", sagte Jan Burck von Germanwatch, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Kohle wird zum Problem

Anders als beispielsweise Großbritannien habe Deutschland auch noch keinen Kohleausstiegsplan vorgelegt. Die Treibhausgasemissionen pro Energieeinheit lägen trotz eines überdurchschnittlichen Anteils erneuerbarer Energien in Deutschland nur knapp unter dem G20-Durchschnitt.

Die Kritik dürfte auch Kanzlerin Angela Merkel treffen. Dabei will sie beim G20-Gipfel möglichst viele Staaten dazu bringen, sich zum Pariser Klimavertrag zu bekennen. Dadurch will sie Druck auf den US-Präsidenten Donald Trump ausüben.

Im Vergleich der G20-Staaten rutschen die USA als zweitgrößter Treibhausgasproduzent durch den Ausstieg Trumps aus dem Pariser Abkommen und der Abkehr von klimapolitischen Maßnahmen deutlich ab. Da viele US-Bundesstaaten, Städte und Unternehmen das Klimaabkommen weiterhin unterstützen, gebe es Hoffnung, dass die USA dennoch ihren Teil zum Klimaschutz beitragen werden, sagte Klimaexperte Burck.

Der größte Klimasünder China bekommt wegen des Ausbaus erneuerbarer Energien vergleichsweise bessere Noten. Auch dürfte der Höhepunkt der chinesischen Emissionen schon vor 2030 erreicht werden.

Kein G20-Land auf dem richtigen Weg

Insgesamt seien erneuerbare Energien auf dem Vormarsch. Aber Kohle und andere fossile Stoffe dominierten weiter den Energiemix. "Die Dekarbonisierung der Wirtschaft in den G20-Staaten hat begonnen", sagte Niklas Höhne vom NewClimate Institute. "Während die Energie- und die CO2-Intensität sinkt, wachsen jedoch Wirtschaft und Energieverbrauch." Deswegen sei zwar erstmals kaum noch ein Anstieg der Emissionen festzustellen, aber eben auch keine Verminderung der Treibhausgase.

Zwar seien die G20-Länder in der internationalen Klimapolitik aktiv, hinkten aber bei der Umsetzung daheim weit hinterher. Pläne in der Mehrheit der G20-Staaten seien "nicht ehrgeizig genug", um die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu bekommen, geschweige denn auf 1,5 Grad zu begrenzen, warnt das Netzwerk.

Kein G20-Staat sei auf dem richtigen Weg, damit diese Ziele erreicht werden könnten. Trotz wiederholter Ankündigungen, aus den Subventionen für fossile Energien aussteigen zu wollen, seien 2014 noch über 230 Milliarden-US-Dollar an Unterstützung in Kohle, Öl und Gas geflossen.

koe/dpa



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