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G7-Beschluss in Elmau: Umweltschützer feiern historisches Klimaversprechen

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DPA

Die G7-Staaten haben in Elmau ihre Klimaziele beschlossen - Umweltverbände zeigen sich begeistert. Auf der Agenda steht nun der komplette Abschied von Kohle, Öl und Erdgas.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Was für eine Wende: Vor dem G7-Gipfel in Elmau protestierten noch Tausende gegen die Verhandlungen der sieben großen Wirtschaftsnationen. Nach dem Gipfel gibt es nun Lob der Umweltorganisationen: "Angela Merkel sichert historisches Klimaversprechen", jubelt Avaaz. "Der G7-Beschluss ist ein wichtiger Meilenstein", findet die European Climate Foundation. "Die Richtung stimmt", erklärt der WWF.

Was ist geschehen?

Die Staats- und Regierungschefs haben in Elmau entscheidende Schritte bei den zwei schwierigsten Themen der Klimaverhandlungen angekündigt: der Eindämmung des Ausstoßes von Treibhausgasen und der Bereitstellung von Klimaschutzzahlungen an arme Länder.

Die G7-Länder wollen in diesem Jahrhundert den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen auf null senken. "Wir wissen, dass wir im Laufe des Jahrhunderts eine Dekarbonisierung brauchen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag zum Abschluss des G7-Gipfels auf Schloss Elmau in Oberbayern. Sie meint also eine vollständige Abkehr von Kohle, Öl und Erdgas.

Exporte als Hebel

Bereits bis Mitte 2050 wollen die G7 ihre Energieversorgung weitgehend auf erneuerbare Energien umgestellt haben. Bis dahin sollen die globalen CO-Emissionen bereits auf ein Drittel der Menge von 2010 gedrückt werden.

Außerdem haben die Staats- und Regierungschefs in Elmau unterstrichen, ab 2020 die 2009 versprochenen Klimaschutzzahlungen von jährlich 100 Milliarden Dollar an arme Staaten überweisen zu wollen, wobei Privatfirmen mit Investitionen kräftig helfen sollen.

Zwei besondere Maßnahmen nennt das G7-Abschlussdokument: Es solle beraten werden, wie Exportkredite die Umstellung der Energieversorgung verbessern können. Weil die Kredite bislang in großem Stil den Handel mit Kohlekraftwerktechnologie gerade aus Deutschland förderten, sehen Experten hier einen Hebel zur Senkung der Treibhausgase.

Zudem sollen Klimaversicherungen arme Länder gegen Schäden von Wetterkatastrophen absichern. Auf kleineren Treffen warben Initiatoren, darunter die Münchener Rückversicherung, in den vergangenen Wochen mit ersten Erfolgen: In Afrika seien vergangenes Jahr in vier versicherten Staaten bereits drei Schadensfälle im Gesamtwert von 26 Millionen Euro ausgezahlt worden. Mehr als einer Million Menschen habe deshalb nach Dürren mit Nahrung geholfen werden können; eine halbe Million Nutztiere seien vor dem Tode bewahrt worden, weil rasch Futter gekauft werden konnte.

Den Kongress umgehen

Die Formulierungen im G7-Beschlusses klingen unverbindlich: Kein Wort davon, dass Absichten zur Senkung der Treibhausgase rechtlich bindend sein sollen. Weiterhin ist lediglich von Zielen die Rede, nicht aber von Verpflichtungen. Doch dahinter steckt Strategie.

Vergangene Woche erst hatte Frankreichs Außenminister Laurant Fabius, der die Weltklimakonferenz in Paris im Dezember leiten soll, auf solchen Formulierungen bestanden, um eine gefürchtete Bremse für einen Weltklimavertrag zu umgehen: den Kongress der USA, der internationalen Verträgen zustimmten müsste. "Klimazielen", also Absichtserklärungen, könnte die US-Delegation in Paris hingegen risikolos zustimmen. Die G7 scheinen diese Strategie zu bevorzugen.

Ob der gefeierte Klimabeschluss von Elmau tatsächlich Folgen zeitigt, ist allerdings ungewiss. Vor der letzten entscheidenden Weltklimakonferenz von Kopenhagen vor sechs Jahren hatten die G8 (damals noch mit Russland) ähnlich ambitionierte Klimaziele verabschiedet. Damals hieß es, die Industrieländer sollten bis 2050 ihre CO2-Emissionen um 80 Prozent senken. In Kopenhagen aber konnte sich die Weltgemeinschaft dann doch nicht einigen.

Zusammengefasst: Auf ihrem Gipfel in Elmau haben die sieben großen Industriestaaten G7 Ziele zum Klimaschutz beschlossen. Bis Ende des Jahrhunderts soll die Energieversorgung ohne Kohle, Öl und Erdgas auskommen. Exporte und Versicherungen sollen auf Klimaschutz eingestellt werden.

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insgesamt 268 Beiträge
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1. Versprechen sind Versprechen ...
pekaef 08.06.2015
... und werden in der Politik selten gehalten. Ich denke daher, die Vereinbarungen zum Klimaschutz kann man getrost als Lippenbekenntnisse abhaken. Kommen werden dagegen neue Sanktionen gegen Russland, TTIP und CETA.
2. Wer glaubt
tennislehrer 08.06.2015
denn ernsthaft, dass das auch umgesetzt wird? Versprochen haben die schon sehr viel!
3. Das ist doch super.
ratxi 08.06.2015
Das ist doch super. Planungen und Versprechen für eine Zeit, die man nicht mehr erlebt, sind vollkommen risikolos. Da kann man gut punkten und sich weit aus dem Fenster lehnen...
4. Versprochen....
shardan 08.06.2015
Versprochen - oder besser: nett dahergelogen - wurde in Sachen Klima schon viel zu viel. Geht es der Autoindustrie, die in Deutschland jahrelang tief geschlafen hat, auch nur leicht ans Leder, nölen Bayern und Niedersachsen, schon sind europaweit die Normen aufgeweicht. CO2-Zertifikate und Emissionsgrenzen sind ebenfalls beliebige Handelsware der Lobbyisten. Mein Vorschlag: Hört auf, sinnlose Versprechen zu machen, hört auf, die bereits beschlossenen Ziele weg zu beschönigen und einzudampfen, haltet sie statt dessen ehrlich ein. Das ist zwar nicht so fotogen und gibt keine so nette Story für die Jubelperser vom Presseamt ab, aber es wäre wesentlich besser für die Umwelt.
5. Strategisch Klug
KJB 08.06.2015
Von Klimazielen zu sprechen ist ein wahrlich genialer Schachzug. Der US Kongress würde in der kurzen Frist niemals rechtlich bindende Verpflichtungen bezüglich Klimaschutzzielen eingehen. Nicht nur die Republikaner blocken da sondern es geht ja auch um die US Vormachtstellung auf der Welt. Mit Klimazielen drängt man die USA aber langfristig zu rechtlichen Verpflichtungen.
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