Geburtenkontrolle Hollywoods Tauben kriegen die Pille

In Hollywood gibt es nicht nur außergewöhnlich viele Reiche und Schöne pro Quadratkilometer - sondern auch jede Menge Tauben. Da aber Jagdszenen an Luxusvillen undenkbar sind, greifen die Bewohner Hollywoods zu subtileren Mitteln: Die Tauben sollen die Pille nehmen.


Den Tauben geht es in Hollywood gut. So gut offenbar, dass ihre Zahl außer Kontrolle geraten ist. Nur: Wie der Plage Herr werden? Konventionelle Mittel kommen kaum in Frage. Man stelle sich nur vor, Jäger pirschten durch Luxusvillen-Gärten und Pool-Landschaften: Schüsse würden durch die beschaulichen Viertel peitschen, blutüberströmte Tauben vom Himmel fallen.

Taube: Verhütungsmittel sollen die Plage in Hollywood lindern
REUTERS

Taube: Verhütungsmittel sollen die Plage in Hollywood lindern

Mit solchen schauderhaften Szenarien konnten sich Hollywoods Bewohner offenbar nicht abfinden. Sie gaben nun einer humaneren Methode den Vorzug: Das lästige Federvieh soll die Pille kriegen, und zwar gründlich. In den kommenden Monaten soll das Projekt mit dem treffenden Titel "Ovocontrol P" die Zahl der Eier und damit der Tauben drastisch senken. Dazu sollen eigens Futterstellen auf Dächern angebracht werden, in denen wiederum die Verhütungsmittel versteckt sind.

"Wir glauben, dass wir eine gute Lösung für eine üble Situation haben", sagte Laura Dodson, Präsidentin der Argyle Civic Association, die das neue Verhütungsmittel am fliegenden Subjekt testen will. Schließlich sei es "nicht mehr zu bewältigen", ständig den Tauben hinterher zu putzen. "OvoControl P" soll nun das erste Projekt seiner Art in den USA werden - "und es könnte die richtige Antwort sein", meint Dodson.

Die Idee für die Tauben-Pille stammt von einer Tierschutzgruppe namens "People for the Ethical Treatment of Animals". Auch andere Tierschutzverbände äußerten sich positiv über das Projekt, als sie davon Wind bekamen. Die Pille sei in jedem Fall besser als andere, robustere Maßnahmen - wie etwa Gift, elektrisch geladene Drähte oder scharfe Stacheln auf Hausdächern.

Schätzungen sind in Los Angeles' Stadtteil Hollywood rund 5000 Tauben zuhause - eine stattliche Zahl angesichts von nur knapp 170.000 menschlichen Bewohnern. Letztere haben die Misere zum Teil selbst zu verantworten, denn sie gelten als besonders taubenfreundlich - und haben die gefiederten Gesellen deshalb in der Vergangenheit stets bereitwillig gefüttert. Eine Frau, die inzwischen als "Bird Lady" bekannt ist, hat sogar große Säcke mit Saatgut an 29 Stellen in Hollywood aufgestellt. Die Tauben reagierten auf ihre Art: mit Vermehrung.

"OvoControl P" soll nun auf sanfte Art Abhilfe schaffen. Der Wirkstoff Nicarbazin soll verhindern, dass die Taubeneier eine stabile Schale entwickeln. Und ohne Schale keine Küken, so das Kalkül der Herstellerfirma Innolytics.

Die zuständigen Behörden haben dem Projekt bereits grünes Licht gegeben. Allerdings müssen sich die Bewohner Hollywoods noch ein wenig gedulden, ehe die Medizin Wirkung zeigt. Erste Ergebnisse werden in einem Jahr erwartet, bis 2012 soll sich die Taubenpopulation zumindest halbiert haben. Vorausgesetzt, es kommen keine Artgenossen aus den schmuddligeren Stadtteilen von Los Angeles auf die Idee, sich bei den freundlichen Menschen in Hollywood und ihrer "Bird Lady" einzurichten.

mbe/AP



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