Gedächtnisleistung Rollentausch verjüngt Bienen-Gehirne

Wer rastet, der rostet - diese alte Weisheit gilt auch für Bienen. So lernen alte Bienen plötzlich besser, wenn sie die Aufgaben von jüngeren Genossinnen übernehmen müssen, wie Wissenschaftler aus Berlin herausgefunden haben.


Bei Bienen ist es nicht so sehr das Alter, sondern die soziale Rolle im Bienenstock, die das Gedächtnis beeinflusst: Wenn Bienen ihre Rollen tauschen, verändert sich auch ihre Lernfähigkeit. So werden alte Bienen wieder lernfähiger, wenn sie die Aufgaben von jüngeren Genossinnen übernehmen müssen. Das berichteten Ricarda Scheiner und ihre Kollegen von der Technischen Universität in Berlin auf dem Meeting der Gesellschaft für Experimentelle Biologie im schottischen Glasgow.

Biene: Gedächtnisleistung unabhängig vom biologischen Alter
DDP

Biene: Gedächtnisleistung unabhängig vom biologischen Alter

Im Laufe ihres Lebens übernehmen Bienen verschiedene Aufgaben im Bienenstock: Als junge Bienen verrichten sie zuerst Arbeiten im Inneren, später werden sie dann zu Nektar- oder Pollensammlerinnen. Ausgerechnet also die Futtersuche, die am meisten Energie verbraucht, wird von den ältesten Bienen übernommen. Je länger die Bienen auf Futtersuche sind, desto weniger lernfähig sind sie, und desto schlechter können sie neue Verknüpfungen herstellen, haben Studien gezeigt. Diese Abnahme der Leistung wurde allerdings nicht bei Bienen beobachtet, die im Inneren des Stocks arbeiten.

Die Forscher um Scheiner wollten nun wissen, ob es das biologische Alter der futtersuchenden Bienen ist, welches sie weniger lernfähig macht, oder ob es an der Aufgabe liegt, die sie zu erfüllen haben. Für ihre Tests verwendeten die Wissenschaftler künstlich gebildete Kolonien von etwa 2000 Tieren gleichen Alters, die aber dennoch eine Arbeitsteilung zeigen. Mit Hilfe eines einfachen Versuchs testeten sie dann das Lernvermögen der Bienen: Eine Biene musste auf einen bestimmten Reiz hin ihren Rüssel ausstrecken und wurde mit einem Tropfen Zuckerwasser belohnt. Tatsächlich brauchten die futtersuchenden Tiere länger, um dieses Prinzip zu verstehen, als ihre Artgenossinnen, die sich im Stock um die Brut kümmerten.

Wurden die Sammlerbienen allerdings gezwungen, wieder im Inneren des Stocks zu arbeiten, verbesserten sich auch ihre Ergebnisse im Rüsseltest wieder. Es scheint also wirklich die soziale Rolle zu sein, die das Lernen beeinflusst, und nicht das biologische Alter, so die Schlussfolgerung der Forscher.

Laut Scheiner bieten Bienen eine einzigartige Möglichkeit, die soziale Rolle vom biologischen Alter getrennt zu untersuchen. Von ihnen könne man zudem viel über soziale Gesellschaften lernen. Die Wissenschaftler wollen ihr Bienenmodell in Zukunft auch benutzen, um allgemeine Alterungsprozesse im Gehirn zu untersuchen und so eventuell Mechanismen zu finden, mit denen einige davon verlangsamt oder sogar unterdrückt werden können. Ob sich irgendwann nicht nur das Hirn von Bienen, sondern auch das von Menschen verjüngen lässt, lassen die Ergebnisse allerdings völlig offen.

lub/ddp



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