Gefährdete Regenwälder Illegale Abholzung geht deutlich zurück

Gute Nachrichten für das Klima: Das illegale Abholzen der tropischen Regenwälder ist deutlich zurückgegangen. Doch noch immer werden riesige Flächen unerlaubt entwaldet. Ein Grund: Europa kauft noch immer Holz aus dubiosen Quellen. Bald soll auch das aufhören.

Großflächige Rodung in Indonesien (im Oktober 2008): Illegale Abholzung sinkt
AFP / Greenpeace

Großflächige Rodung in Indonesien (im Oktober 2008): Illegale Abholzung sinkt


London - Die Regenwälder gelten als Lunge der Erde - weil sie riesige Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aufnehmen. Wer den Regenwald vor Abholzung bewahrt, schützt deswegen effektiv das Klima. Trotzdem werden noch immer große Flächen gerodet, in vielen Fällen illegal. Eine neue Studie des politischen Forschungsinstituts Chatham House in London bringt nun zumindest eingeschränkt positive Nachrichten. Denn offenbar geht die illegale Abholzung weltweit zurück: Laut der Untersuchung - sie soll nach Angaben der Organisatoren die größte ihrer Art sein - sank die Menge des geschlagenen Holzes seit dem Jahr 2002 um fast ein Viertel.

Hauptgrund für den Rückgang sind demnach neue, strengere Regeln für den Holzeinschlag - und eine striktere Durchsetzung von existierenden Verboten. In dem afrikanischen Land Kamerun habe der Rückgang 50 Prozent betragen, im brasilianischen Amazonasgebiet zwischen 50 und 75 Prozent und in Indonesien 75 Prozent.

Das härtere Durchgreifen gegen den Handel mit illegalen Hölzern hat der Studie zufolge geholfen, in den vergangenen Jahren bis zu 170.000 Quadratkilometer Wald zu schützen - das ist eine Fläche, die fast halb so groß ist wie Deutschland. Dennoch bleibt das Ausmaß des Problems riesig. So wurden laut Chatham House im Jahr 2008 rund 100 Millionen Kubikmeter Holz in den Wäldern Brasiliens, Indonesiens, Kameruns, Ghanas und Malaysias illegal geschlagen. In eine Reihe gelegt würden die Stämme reichen, den Äquator mehr als zehnmal zu umrunden.

Großteil des illegalen Holzes wird in China verarbeitet - und dann exportiert

2008 kauften Unternehmen aus den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden den Angaben zufolge 17 Millionen Kubikmeter illegales Holz und Holzprodukte - oft habe es sich dabei um Möbel aus China gehandelt.

Für die Studie wurden auf Seiten der Holzlieferanten Brasilien, Kamerun, Malaysia sowie Indonesien und Ghana untersucht. Als Importländer analysierten die Experten Daten aus den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Vietnam und China standen vor allem als Verarbeiter im Fokus der Wissenschaftler. Ein Großteil des illegal gefällten Holzes wird in China verarbeitet, von wo aus es in Form von Möbeln und Sperrholz seinen Weg in den Westen finden.

Europa war bisher ein williger Abnehmer, doch das soll sich in Zukunft ändern: Das EU-Parlament hat in der vergangenen Woche beschlossen, den Import von illegalem Tropenholz und den daraus hergestellten Produkten ab dem Jahr 2012 in Europa zu verbieten. Importeure und Händler sollen verpflichtet werden, entlang der gesamten Lieferkette nur legal geschlagenes Holz zu verwenden und zu verkaufen. In den USA gibt es ebenfalls ein spezielles Gesetz, den sogenannten Lacey Act.

Seit längerer Zeit arbeitet die internationale Gemeinschaft im Rahmen der Klimaverhandlungen auch daran, Staaten einen finanziellen Anreiz für den Schutz der Regenwälder zu bieten. "Reduzierte Emissionen aus Waldzerstörung und Waldabbau" (Redd) heißt der Prozess, bei dem Industrieländer dafür zahlen, dass in Entwicklungs- und Schwellenländern große Waldgebiete erhalten bleiben. Einzelne Projekte dazu gibt es zwar schon, eine umfassende Regelung fehlt aber weiterhin.

chs/dpa/apn



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