Gefährdete Wildtiere Das Abflussrohr als Lebensretter

Um gefährliche Straßen zu meiden, nutzen viele Wildtiere unterirdische Kanalsysteme für die Passage. US-Forscher aus Maryland haben 57 Spezies mit Infrarotkameras in den Rohren beobachtet.

AFP/ University of Maryland Center for Environmental Science

Autos sind gefürchtete Feinde: Für Tiere ist es jedes Mal lebensgefährlich, eine Straße zu überqueren. Doch Waschbären, Gänse und Weißwedelhirsche suchen nach alternativen Wegen - und werden fündig: In großen Rohren, die unter den Straßen des US-Bundesstaates Maryland verlaufen, haben Wissenschaftler von der University of Maryland 57 verschiedene Spezies gefunden, die die Rohrsysteme für die Passage oder sogar zum Nisten nutzen.

So treibt die Kanadagans ihre Küken durch die Tunnel, Rauchschwalben nisten dort, Rehe führen ihre Jungen durch das Kanalsystem und Skinks suchen in den Rohren nach Nahrung. Auch Waschbären haben die Forscher dort gefunden, Murmeltiere, Füchse und Opossums. Für ihre Untersuchung hatten die Wissenschaftler Infrarot-Kameras installiert, die die Tiere aufnahmen. Ihre Ergebnisse, hoffen die Forscher, könnten weiteren Einfluss darauf nehmen, wie die unterirdischen Rohre, die für Wasserströme an Straßen konzipiert sind, in Zukunft gebaut würden.

"Die Zersplitterung des Lebensraumes durch Straßen ist eine der tiefgreifendsten Zerstörungen der Tierhabitate", erklärt Studienautor Ed Gates vom Appalachian Labor der Universität. In dem kleinen Staat an der Ostküste der USA gibt es nach Angaben der Forscher 3,85 Millionen Meilen gepflasterte Straßen und 265 Kanäle, die Wasser darunter ableiten. Diese haben unterschiedliche Formen und werden daher von den Tieren auch unterschiedlich genutzt: So blieben Rehe Tunneln mit Kopfsteinpflaster fern, während Eichhörnchen in keinem der bogenförmigen zu finden waren.

"Wenn wir Systeme entwerfen können, die Tiere dazu bringen, sie an einer Straße für den Seitenwechsel zu nutzen, könnten wir die Mortalität von Tieren minimieren und die Sicherheit auf der Straße für Menschen vergrößern", so Gates. Die Erkenntnis, dass Tiere das Kanalsystem nutzen, ist indes nicht neu. Schon heute geht in die Planung mit ein, wie Tiere ältere Rohre nutzen, wenn diese ausgetauscht oder restauriert werden müssen. Doch die Untersuchung unterstreicht, wie wichtig die Tunnel für Wildtiere sind. In anderen Ländern waren bereits Grizzlybären, Elche und Panther in dem Kanalsystem entdeckt worden.

hei



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