Gefahr für Stadtbäume: Steigende Temperatur lässt Schädlinge gedeihen

Schildläuse (P. quercifex) auf einem Baum: Größere Verbreitung bei höheren Temperaturen Zur Großansicht
DPA/ NC Stace UC/ Becky Kirkland

Schildläuse (P. quercifex) auf einem Baum: Größere Verbreitung bei höheren Temperaturen

Bäume in Innenstädten müssen mit Autoabgasen, trockener Luft und wenig Erdreich auskommen - und mit Schädlingen. Der Klimawandel verstärkt einige der Probleme. Denn manches für Bäume gefährliche Ungeziefer profitiert von milderem Klima, wie Forscher nun nachgewiesen haben.

Wenn es durch den Klimawandel langfristig wärmer wird, kann das Bäumen in den Städten zu schaffen machen. Denn steigende Temperaturen können den Schädlingsbefall erhöhen, wie US-Forscher nachgewiesen haben. Das Team um Emily Meineke von der North Carolina State University in Raleigh untersuchte die Verbreitung einer Schildlaus-Art in der Stadt.

Dazu wählten sie bewusst Stadtteile mit unterschiedlichen Durchschnittstemperaturen aus. Die Zahl der Schildläuse der Art Parthenolecanium quercifex in den Weideneichen der wärmsten Bezirke sei bis zu 13-mal höher gewesen als in den kühleren Stadtregionen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Plos one". Die Forscher berücksichtigten in ihrer Untersuchung auch andere Faktoren wie natürliche Feinde der Insekten und den Zustand der betroffenen Pflanzen. Die Durchschnittstemperatur in Raleigh liegt nach Angaben der Forscher im Winter bei 5,8 Grad Celsius, im Sommer bei 25,6 Grad.

Schildläuse ernähren sich vom Saft der befallenen Bäume, zum Beispiel Eichen. Dabei können sie Viren übertragen, die die Bäume schwächen.

Schildläuse in Gewächshäusern beobachtet

In einem weiteren Experiment setzten die Forscher in der Stadt gesammelte Schildläuse in unterschiedlich warmen Gewächshäusern aus. Hier zeigte sich: Die Insekten aus wärmeren Stadtteilen verbreiteten sich stärker als die aus kälteren - unabhängig von der Temperatur im Gewächshaus. Am besten gediehen die Schildläuse aus warmen Stadtteilen allerdings auch in den wärmeren Gewächshäusern.

"Städtische Erwärmung kann zu einem höheren Aufkommen von Ungeziefer führen", sagt die Wissenschaftlerin Emily Meineke. Dies liege an der Anpassung der Schädlinge an höhere Temperaturen.

Auch in Deutschland haben Bäume in Innenstädten mit Schädlingen zu kämpfen. Miniermotten zum Beispiel fressen sich durch die Blätter von weißblühenden Kastanienbäumen. Der Eichenprozessionsspinner ernährt sich mit Vorliebe von Eichenblättern und macht die Bäume dadurch anfälliger für Trockenheit oder andere Schädlinge. Die giftigen Härchen der Tiere können sogar für den Menschen gefährlich sein.

Der Klimawandel kommt dabei zumindest einigen dieser Insekten zugute. "Es wird sicherlich Arten geben, die davon erheblich profitieren werden", sagte Magnus Wessel von der Umweltschutzorganisation BUND. Eine Bedrohung für ganze Baumarten sieht Wessel allerdings nicht.

Zudem gibt es Projekte wie das bayerische Stadtgrün 2021, in denen Forscher untersuchen, welche Baumarten in künftig etwas wärmeren Städten gut zurechtkommen.

wbr/dpa

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