Knochensplitter

Pigment-Studie Bunte Saurier waren anders als die anderen

Li et al.

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Viele Saurier waren gefiedert und wohl auch bunt. Am interessantesten daran, zeigt eine neue Studie, ist aber, was die "Explosion der Farben" bei den Dinos bedeutete: Sie war ein Zeichen für ganz grundlegende physiologische Veränderungen bei den Tieren.

In aller Regel dient die Farbe eines Tieres der Tarnung. Man kann davon ausgehen, dass dies auch für Dinosaurier galt. Entweder, sie waren "langweilig" gefärbt und wenig auffällig, oder so gemustert, wie es in ihrem Habitat für sie günstig war. So wie heutige Tiere.

Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Wenn Tiere auffällige Farben und Formen zeigen, dann meist, weil es ihnen in bestimmten Kontexten Vorteile sichert - oft kommunikative und meist sexuelle. Wer jetzt an Pfauen, Truthähne oder prächtige Singvögel denkt, liegt richtig. Farbe, Lebensweise und Verhalten stehen da offensichtlich in einem Zusammenhang.

Es ist möglich, dass dies auch für viele Dinosaurierarten galt, argumentiert eine aktuelle, im Fachblatt "Nature" erschienene Studie amerikanischer und chinesischer Forscher. Das Team untersuchte Form, Gestalt und Vielfalt von Melanosomen - auf UV-Licht reagierende Farbpigment-Partikel - in 181 lebenden und 13 fossilen Spezies.

Sie entdeckten dabei einige Korrelationen:

  • Tiere lassen sich auch nach der Art und Vielfalt der Melanosome in ihrer Haut gruppieren. Dabei bleiben Vertreter der verschiedenen Klassen der Wirbeltiere weitgehend unter sich: Vergleichbare Physis und Stoffwechsel, Lebens- und Verhaltensweisen korrelieren mit der spezifischen Art ihrer Melanosome.
  • Die Melanosome der Pterosaurier und der meisten Dinosaurier ähnelten denen heutiger Reptilien.
  • Die Melanosome der Maniraptora aber - landläufig gern "Raptoren" genannte Dinosaurier mittlerer und kleiner Größe - "mischten" ihre Farben offenbar unter anderem aus Melanosomen, die denen der späteren Vögel entsprachen.

Julia Clarke, eine der Autorinnen der Studie, spricht in einem begleitenden Text zur Studie von einer "Explosion der Melanosom-Vielfalt, gerade zu dem Zeitpunkt, bevor mit der Entstehung der Federn das Fliegen seinen Ursprung erlebte".

Im Klartext: Maniraptoren wurden quietschbunt, bevor sie vom Boden abhoben.

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Röntgenanalyse: Federkleid vor 120 Millionen Jahren war dunkel
Dass Maniraptoren da ähnlich wie Vögel ausgerüstet waren, andere Dinosaurier aber nicht, deute darauf hin, dass sie sich auch in Physis, Lebens- und Verhaltensweisen von anderen Dinosauriern unterschieden, argumentieren die Autoren der Studie. Sie waren wohl schon vor Entstehung des gefiederten Fluges und bevor sich aus ihnen die Vögel entwickelten, ziemlich "vogelartig".

Aber was soll das bedeuten? Dass ein Tier beispielsweise über die nur bei Vögeln, Säugetieren und nun eben Maniraptoren gefundenen "langen" Melanosome verfügt, heißt noch nicht zwangsläufig, dass es auch besonders "bunt" (gewesen) sein muss. Melanosome allein prägen nur die Farben Schwarz, Braun und Grau aus. Was das Tier aber braucht, um diese Melanosome überhaupt bilden zu können, ist offenbar ein hohe Stoffwechselrate.

"Nur in lebenden, warmblütigen Wirbeltieren, die unabhängig voneinander eine hohe Stoffwechselrate entwickelt haben, sehen wir diese Art Melanosom-Vielfalt", schreibt dazu Studien-Co-Autor Matthew Shawkey. Viele der Gene, die an der Bildung der Melanosome beteiligt sind, beeinflussen aber auch Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Fortpflanzungsverhalten. Und damit dann wahrscheinlich auch wieder die Färbung.

Es deute darauf hin, meint Clarke, dass "Signalisieren und sexuelle Auswahl eine verstärkte evolutionär wirkende Rolle" gespielt hätten, die "einen Effekt auf die Physiologie" hatte, oder zumindest "dass eine Veränderung der Physiologie kurz vor Veränderungen der Farbgebung erfolgte".

Was, wie Clarke zugibt, aber spekulativ sei: "Wir sind noch weit davon entfernt, zu verstehen, wie genau die Veränderung aussah, die da geschah."

Es geht hier also längst nicht nur um Farbe. Die Art und Vielfalt der gefundenen Melanosome sind aber ein Indiz für weit mehr: Sie lassen offenbar Rückschlüsse auf Physiologie, Lebens- und Verhaltensweisen des ausgestorbenen Lebewesens zu. Zum Beispiel diesen: Was so bunt daherkam wie ein Maniraptor, war wohl wirklich so warmblütig wie ein Vogel. Es bestätigt einmal mehr die begründete Vermutung der Warmblütigkeit zumindest bestimmter Saurier.

Und es weist ganz nebenbei auf einen maßgeblichen physiologischen Unterschied zwischen verschiedenen Dinosauriern hin: und zwar zwischen denen, die vor 65 Millionen Jahren ausstarben, und denen, die überlebten. Ein Zufall?

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6 Leserkommentare
stanislaus3 13.02.2014
dunnhaupt 13.02.2014
mideal 13.02.2014
cindy2009 13.02.2014
Miere 14.02.2014
ipo 03.12.2015

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