Gefiederte Vielflieger In 46 Tagen um die Welt

Albatrosse sind wahre Meilenfresser: Wenn sie nicht gerade brüten, legen die Tiere gewaltige Distanzen zurück. Jetzt konnten Wissenschaftler erstmals die Fluginformationen der stark bedrohten Seevögel aufzeichnen - nun keimt neue Hoffnung auf einen besseren Schutz der Tiere.


Albatrosse: Auf der Spur der Vielflieger
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Albatrosse: Auf der Spur der Vielflieger

Sie gehören zu den bedrohtesten Vogelarten der Welt. Und zu den am schwersten zu erforschenden: Albatrosse, elegante Seevögel mit bis zu zwei Metern Flügelspannweite, können oft mehrere Monate über und auf dem Meer verbringen. Nur zum Brüten kommen sie an Land. Ein sehr zurückgezogenes Leben, und folglich wussten Wissenschaftler bislang nur wenig über die Aufenthaltsorte der seltenen Vögel.

Doch einem Forscherteam um John Croxall vom British Antarctic Survey ist es nun gelungen, den Flugplan der Albatrosse zu entschlüsseln. Geholfen haben dabei, wie die Biologen im Fachmagazin "Science" berichten, kleine Fußfesseln. Die Sensoren an den Beinen der Tiere gaben den Forschern bis zu eineinhalb Jahren lang Auskunft über die zurückgelegten Strecken.

Demnach blieben einige Vögel auch außerhalb der Brutzeiten in der Nähe ihrer Brutplätze vor der Küste der Atlantik-Insel South Georgia. Die meisten Albatrosse setzen sich jedoch in Richtung des südwestlichen Indischen Ozeans in Bewegung.

Gleich zweimal um die Erde

Die Vögel erwiesen sich dabei als echte Langstreckenflieger. Mehr als die Hälfte der untersuchten Albatrosse drehte im Quartier vor der indischen Küste nicht um, sondern flog gleich weiter und umrundete dabei die Erde. Der schnellste Albatros brauchte für eine Strecke von 22.000 Kilometern gerade einmal 46 Tage. Drei Vögel brachten es zwischen den Brutperioden sogar auf zwei Erdumrundungen.

Dabei will die aktuelle Studie mehr als nur Flugmeilen zählen. Zum ersten Mal wissen die Forscher nun im Detail, wo sich die bedrohten Tiere die meiste Zeit des Jahres aufhalten. "Jetzt können wir endlich die Regierungen und Fischereikommissionen darüber informieren, wie sie die Vögel besser schützen können", sagt John Croxall.

Denn besonders durch die Langleinen-Fischerei sterben jedes Jahr unzählige Albatrosse; mittlerweile stehen 19 der 21 bekannten Arten auf der Roten Liste. Croxall hofft nun, Schutzzonen für die Vögel einrichten zu können, deren zeitliche und räumliche Grenzen auf den neuen Erkenntnissen zu den Flugrouten basieren. Dadurch könnte sich die Zahl der getöteten Albatrosse, so die Hoffnung des britischen Forschers, um 75 bis 95 Prozent reduzieren lassen.



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