Geflügelpest-Ausbruch Behörden rätseln über Herkunft von H5N8-Viren

Der Geflügelpest-Erreger H5N8 hält die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern in Atem. Wie das Virus aus Asien nach Deutschland gelangen konnte, ist völlig unklar. Vorsorgliche Keulungen sollen eine weitere Ausbreitung verhindern.

DPA

Hamburg - Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einem Putenmastbetrieb in Vorpommern suchen die Veterinärbehörden mit Hochdruck nach der Quelle der gefährlichen H5N8-Viren. Am Freitag habe die Auswertung von Proben begonnen, sagte Elke Reinking, Sprecherin des bundesweit zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems.

Die mehr als 30.000 Mastputen des Betriebes in Heinrichswalde wurden mittlerweile getötet. Bislang war der H5N8-Erreger nur aus Asien bekannt. In Südkorea zirkuliert er zwischen der Wildvogelpopulation und Nutzgeflügel. Dort wurden seit Anfang des Jahres nach Angaben des Instituts rund zwölf Millionen Tiere vorsorglich gekeult.

Eine Übertragung des Erregers durch Wildvögel erscheint den Forschern derzeit nicht schlüssig. Es habe aktuell keine Zugvogelbewegungen zwischen Südkorea und Deutschland gegeben, sagte Reinking. Gegen eine Übertragung durch Zugvögel spreche auch, dass keinerlei Nachweise des Erregers zwischen Asien und Mitteleuropa dokumentiert seien. "Bei dem H5N1-Erreger haben wir damals gesehen, wie er von Asien nach Europa gewandert ist." H5N1-Viren waren ab 1997 Auslöser der Vogelgrippe.

Eine Übertragung des H5N8-Erregers auf den Menschen sei bislang noch nicht beobachtet worden, auch nicht in Südkorea, sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter. Dennoch könne man sie nicht ausschließen, weshalb schnelle Schutzvorkehrungen getroffen werden müssten.

In Vorpommern werden nun Kotproben und Federn von Wildvögeln auf H5N8-Spuren getestet. Zudem sollen Anwohner befragt sowie Futtermittelwege und der Transport von Tieren und Waren geprüft werden. Auch mögliche Betriebe, die Kontakt zur Anlage in Heinrichswalde hatten, wollen die Behörden ermitteln.

Benachbarte Mastbetriebe unter Beobachtung

Nach der Tötung der Puten in Heinrichswalde sollten in einem Sperrbezirk von drei Kilometern mindestens tausend Hühner, Enten und Gänse von Privathaltern getötet werden, sagte Kreis-Amtstierarzt Holger Vogel. Die Tiere wurden mit Fahrzeugen abgeholt, an einer zentralen Stelle mit Gas getötet und auf Virenbefall untersucht. Das sei natürlich nicht einfach für die Halter. "Keiner meiner Mitarbeiter macht das gern", sagte Vogel. Aber: "Wenn wir jetzt den Schneeball nicht aufhalten, kann es eine Lawine werden, die das ganze Land überrollt."

Eine Entwarnung für umliegende Geflügelbetriebe kann nach Angaben der Behörden noch längere Zeit nicht gegeben werden. Die Inkubationszeit bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt sieben bis zehn Tage. In einem Unternehmen mit 115.000 Legehennen in knapp vier Kilometern Entfernung vom betroffenen Betrieb in Heinrichswalde wurden Proben genommen. Die Ergebnisse werden frühestens am Wochenende erwartet. Weitere 100.000 Masthähnchen stehen nahe Voigtsdorf im benachbarten Kreis Mecklenburgische Seenplatte.

Das Schweriner Agrarministerium mahnte Geflügelhalter überall, vor allem in der Nähe von Gewässern mit Wildvögeln, zu erhöhter Wachsamkeit. Eine entsprechende Liste der betroffenen Orte in Mecklenburg-Vorpommern werde erarbeitet.

Dazu läuft parallel auch die Bekämpfung von Ratten und Mäusen. So wurden Köder in dem Putenmastbetrieb ausgelegt, um die Nager zu fangen, zu töten und zu untersuchen. Dies sei nötig, um die Wege einer Viren-Übertragung zu erforschen und eine Weiterverbreitung durch Nagetiere zu vermeiden. Auch der Mist der Puten werde desinfiziert.

Gefahren für Verbraucher sehen die Behörden derzeit nicht. Es seien keine Tiere aus dem erkrankten Bestand geschlachtet worden und damit in die Nahrungskette gelangt.

Der deutsche Tierschutzbund macht die industrielle Tierhaltung für die Massentötung verantwortlich. Die Tiere hätten in den großen geschlossenen Ställen ein geschwächtes Immunsystem - Bedingungen, die die schnelle Ausbreitung des Virus befördern.

hda/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
p.donhauser, 07.11.2014
1. h5n8
behörden rätseln in 99,5 aller fälle.
Spiegelleserin57 07.11.2014
2. Massentierhaltung hat ihren Preis!!!
und dazu kommen die Antibiotikagaben die den Tieren zusätzlich zusetzen. Kein Wunder also das soetwas passiert. Wann kommt es endlich soweit dass diese Tiere ordentlich und artgerecht gehalten werden. Ich kenne kaum jemand der noch Geflügel aus diesen Massenhaltungen kauft.
Svante07 07.11.2014
3. Ja, aber
Zitat von Spiegelleserin57und dazu kommen die Antibiotikagaben die den Tieren zusätzlich zusetzen. Kein Wunder also das soetwas passiert. Wann kommt es endlich soweit dass diese Tiere ordentlich und artgerecht gehalten werden. Ich kenne kaum jemand der noch Geflügel aus diesen Massenhaltungen kauft.
Leider ist diese Massenware ja nicht deklariert. Eine Kennzeichnung wie bei Hühnereiern etwa fehlt. Die Lobby der Fleischindustrie hat hier ganze Arbeit geleistet. Die Politik versagt hier völlig.
hj.binder@t-online.de 07.11.2014
4. Putenfleisch
aus Ost-und Norddeutschen Landen einfach meiden, bis die Geflügelindustrie bankrott ist ...
constantinb@hotmail.com 07.11.2014
5.
Soll hier mal wieder eine neue "Epidemie" hochgeschrieben werden, mit der dann die Pharmakonzerne das überschüßige Tamiflu auf Steuerzahlerkosten los werden? SARS, EHEC , Vogelgrippe, nun H5N8?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.