Gefräßige Pandabären Forscher knacken Rätsel der Bambus-Verdauung

Pandas haben einen Bärenhunger: Bis zu zwölf Kilogramm Bambus verdrücken die Tiere täglich. Doch ihr Erbgut sowie ihr Darm ist für die Verdauung der harten Pflanzenstoffe gar nicht geeignet. Jetzt haben Forscher das Rätsel gelöst: Winzige Helferlein übernehmen offenbar die Arbeit.

Panda im Washingtoner Zoo: Bambus ist nur schwer verdaulich
AFP

Panda im Washingtoner Zoo: Bambus ist nur schwer verdaulich


Lange Zeit war es Forschern ein Rätsel, wie Pandabären die Unmengen von Bambus verdauen, die sie täglich futtern. Ein ausgewachsener Großer Panda (Ailuropoda melanoleuca) verschlingt bis zu zwölf Kilogramm davon. Doch eigentlich sind die Verdauungsorgane der Pandas für den Abbau dieser schwer verdaulichen Nahrung überhaupt nicht ausgelegt: Ihnen fehlt beispielsweise der lange Darmtrakt, der typisch ist für Pflanzenfresser. Darin können die harten Pflanzenstoffe lange genug verweilen, um in Nährstoffe zerlegt zu werden.

Auch die Entzifferung des Panda-Genoms brachte zunächst keine Erkenntnisse: Zwar besitzen die Tiere alle Gene, die für den enzymatischen Abbau von Fleisch nötig sind - Gene für die Verdauung pflanzlicher Nahrung waren aber bisher Fehlanzeige.

Doch schließlich brachte eine weitere Genanalyse Forscher doch noch auf die Spur: Wie Lifeng Zhu vom Institut für Zoologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und seine Mitarbeiter jetzt im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, übernehmen offenbar Bakterien im Darm einen Großteil der Verdauungsarbeit.

Die Biologen fahndeten in Stuhlproben wildlebender und gefangener Pandabären nach Gensequenzen, die auf die Anwesenheit von Zellulose-abbauenden Bakterien im Darm hinweisen könnten. Dabei wurden sie fündig: Im Darm der Tiere leben Bakterien, die jene Enzyme produzieren, die die Zellulose der pflanzlichen Zellwände knacken können: Sogenannte Clostridium-Bakterien. Zudem fanden die Forscher auch Spuren solcher Zellulose-spaltenden Enzyme.

Im Vergleich mit anderen Pflanzenfressern sei der Anteil dieser Enzyme jedoch eher gering. Dies erkläre vermutlich, warum Pandabären schlechte Futterverwerter sind: Nur etwa 17 Prozent der aufgenommen Pflanzennahrung verdauen die Tiere auch. Neben den Darmbakterien trügen andere Anpassungen - etwa die starken Mahlzähne oder der massive Schädel mit den ausgeprägten Kaumuskeln - dazu bei, dass die Pandabären trotz ihres Fleischfresser-Verdauungsapparats von pflanzlicher Nahrung leben könnten.

Erst Ende August hatten Forscher auf der Jahrestagung der Amerikanischen Chemiker-Gesellschaft in Denver Experimente mit Bakterien vorgestellt, die sie aus Panda-Kot gewonnen hatten. Diese könnten aus Gras und Holzschnitzeln Biosprit produzieren. Sie seien wahrscheinlich sogar besser für diese Produktion geeignet als Bakterien, die den Termiten bei der Verdauung helfen, sagte Ashli Brown von der Mississippi State University.

cib/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Epic Fail 18.10.2011
1. .
Warum kann man sich zu diesem Artikel hier äußern aber nicht zu dem Mist der in dem Artikel über das Schlangsnfossil steht? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,792192,00.html
donfuan, 18.10.2011
2. .
Zitat von sysopPandas haben einen*Bärenhunger: Bis zu zwölf Kilogramm Bambus verdrücken die Tiere täglich. Doch ihr Erbgut sowie ihr Darm ist für die Verdauung der harten Pflanzenstoffe gar nicht geeignet. Jetzt haben Forscher das Rätsel gelöst: Winzige Helferlein übernehmen offenbar die Arbeit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,792299,00.html
Ein Blick auf http://de.wikipedia.org/wiki/Darmflora hätte genügt, um die Frage zu beantworten... Denn, O Wunder: auch beim Menschen gibt das Genom nicht die Verdauung her, die wir benötigen. Wer hätte gedacht, dass Bakterien hier die Lösung sein könnten? *sigh*
Dumme Fragen 18.10.2011
3. Und damit kommt man in PNAS???
Also, einen Test, ob im Kot Bakterien vorhanden sind, die Zellulose abbauen können, kann man auch leichter haben, da muss man nicht lange nach den entsprechenden Genen fahnden...
hansulrich47 18.10.2011
4. Völlig richtig, aber
Zitat von Dumme FragenAlso, einen Test, ob im Kot Bakterien vorhanden sind, die Zellulose abbauen können, kann man auch leichter haben, da muss man nicht lange nach den entsprechenden Genen fahnden...
erstens sind solche Tests 'in' und zweitens war vermutlich zuviel Geld zum Forschen da! Heute ist das wichtigste Problem der Forscher ja nicht mehr, wichtige Fragen zu beantworten, sondern ein möglichst komplizieres Verfahren für etwas völlig Unwichtiges zu finden. Denn andernfalls gibt es keine dicke Dissertationen!!
cassandros 18.10.2011
5. P-anda N-ascht A-m S-tengel
Zitat von Dumme FragenAlso, einen Test, ob im Kot Bakterien vorhanden sind, die Zellulose abbauen können, kann man auch leichter haben, da muss man nicht lange nach den entsprechenden Genen fahnden...
Da muss ich allerdings - mit einem gewissen Kopfschütteln- zustimmen. Für PNAS ist das wirklich ein bißchen dünn. Vielleicht haben die Chinesen ja das Blatt aufgekauft? ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.