Hundekopie aus dem Labor Firma will geklonte Haustiere verkaufen

Ist dein Hund alt und gebrechlich? Dann lass ihn einfach klonen und nimm die jüngere Kopie! So könnte der Werbeslogan einer koreanischen Biotechnologie-Firma heißen. Sie will Hunde klonen - und die Kopien verkaufen.

Channel4/ Nick Angel

Die Firma Sooam Biotech will alternde Hunde klonen und den Service an Tierfreunde verkaufen, berichten englische Medien. Die erste Haustier-Kopie ist bereits entstanden und wartet auf seine Einfuhr nach Großbritannien.

Die Besitzerin des Tieres hatte die Klonkopie gewonnen. Erzeugt wurde der Welpe mit dem Namen Mini-Winnie aus Hautzellen des zwölfjährigen Dackels der Frau. Die Zellen wurden zurückentwickelt, umprogrammiert und in Eizellen einer Spenderhündin eingeschleust. Zukünftig soll der Service pro Exemplar 60.000 Pfund, umgerechnet knapp 73.000 Euro, kosten, berichtet der "Guardian".

Jeder Klon ein Individuum

Der Genetiker Robin Lovell-Badge vom National Institut of Medical Research in London hält nichts von dem Klonangebot und bezeichnete es der Zeitung gegenüber als "absolute Geldverschwendung". Gleich aus mehreren Gründen - von ethischen und wohl auch rechtlichen Schwierigkeiten abgesehen - erscheint es wenig sinnvoll, ein geliebtes, aber altes Haustier durch Klonen gewissermaßen wieder zu erschaffen.

"Du hast in etwa die gleiche Chance, dein Lieblingstier im Tierheim wiederzufinden, wie es durch Klonen herzustellen", so Lovell-Badge weiter. Bei einem Hund aus dem Tierheim sei die Wahrscheinlichkeit sogar größer, dass er die Erwartungen erfülle.

Der Grund: Zum einen sind es nicht nur Gene, die den Charakter bestimmen. Auch die Erziehung, Ernährung und viele andere Umstände beeinflussen die Entwicklung. Dusko Ilic, Stammzellforscher am King's College London, sagt laut "Guardian": "Mit der Zeit werden die Unterschiede zwischen beiden Hunden immer größer werden - besonders bezogen auf die Persönlichkeit." Zum anderen leiden geklonte Tiere überdurchschnittlich häufig an Krankheiten und haben eine geringere Lebenserwartung. Klonschaf Dolly etwa starb im Alter von sieben Jahren.

Mammuts, Hunde, Menschenzellen

Forschungsleiter der Firma Sooam Biotech ist ausgerechnet der südkoreanische Forscher Hwang Woo Suk. Er war Mittelpunkt einer der größten Forschungsskandale der vergangenen Jahre. 2004 hatte er behauptet, erstmals Stammzelllinien aus einem geklonten menschlichen Embryo entwickelt zu haben. 2005 musste er zugeben, für seine Forschung Eizellen seiner Mitarbeiterinnen genutzt zu haben. 2006 schließlich wurde seine gesamte Stammzellforschung für nichtig erklärt und der Forscher 2009 von einem Gericht verurteilt, Forschungsgelder veruntreut zu haben. Später machte Hwang vor allem Schlagzeilen, als er ankündigte, Mammuts klonen zu wollen.

Auch dem ersten geklonten Hund, Snuppy, half Hwang 2005 - damals noch an der Seoul University - zum Leben. Die Ergebnisse dieser Forschung gelten als korrekt. Allerdings brauchten die Forscher eine Vielzahl von Versuchen, bis Snuppy auf der Welt war. Es handelt sich um einen Afghanischen Windhund, der aus Hautzellen aus dem Ohr seines Vaters gezüchtet wurde. Insgesamt 1095 Embryonen mit dessen Erbinformation hatten die Forscher 123 Hündinnen eingesetzt. Drei Hundedamen wurden schwanger, allerdings ist Snuppy der einzige Welpe, der überlebte. Sooam Biotech hat bislang mindestens 19 Hunde geklont.

Als erstes Tier wurde 1996 Klonschaf Dolly vorgestellt. Es folgte eine ganze Reihe weiterer Lebewesen: Darunter die erste Maus 1997, eine Ziege, ein Schwein, Kaninchen, eine Hauskatze und ein Hauspferd. 2007 berichteten Stammzellforscher einen Rhesusaffen geklont zu haben.

Medizinischer Durchbruch

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
egon_kallinski 10.04.2014
1. warum...
... sollten die Koreaner das nicht machen? Mit Elektronikprodukten machen sie's ja auch.
Stabhalter 10.04.2014
2. genau
Zitat von sysopChannel4/ Nick AngelIst dein Hund alt und gebrechlich? Dann lass ihn einfach klonen und nimm die jüngere Kopie! So könnte der Werbeslogan einer koreanischen Biotechnologie-Firma heißen. Sie will Hunde klonen - und die Kopien verkaufen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/geklonter-hund-koreanische-firma-will-dackelklone-verkaufen-a-963584.html
nichts ist unmöglich bei der Betrügerbande in Fernost.
alternativloser_user 10.04.2014
3.
Hehe, scheint so als würde der Film "The 6. Day" grad Realität werden ;) Evtl. sollte diese Firma aufpassen, nicht aus Versehen Arnold Schwarzenegger zu klonen ...
pünktchen06 10.04.2014
4. Kein Verständnis
Wenn die Leute nichts Besseres mit ihrem Geld anzufangen wissen... Ich kann dem nichts abgewinnen. Wir haben immer Hunde und gerade vor knapp zwei Wochen unsere Hündin begraben müssen. Das ist traurig, aber keinesfalls möchte ich eine Kopie - von keinem unserer Hunde. Jedes Tier war bzw. ist ein Unikat, im Aussehen und im Verhalten. Und genau so behalte ich jedes Tier in Erinnerung. Deshalb hat auch jeder Hund einen anderen Namen. Ich fände es schlimm, einen Hund um mich zu haben, der genau so aussieht wie sein Vorgänger.
lachina 10.04.2014
5. Beim Klonen ist soviel zu bedenken....
sehr alt werden die Hunde wohl nicht werden! Sie stammen ja aus Klonmaterial, das schon einige Jahre gelebt hat und irgendwo existiert so eine Art Zeitschaltuhr, die wir noch nicht kennen, die aber weiterläuft. Außerdem ist es soooo dekadent. Die Tierheime sind voller Tiere, die ein Zuhause suchen. So ein Klontier ist so teuer, damit kann ich 730 Hunde in gute Hände vermitteln.
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