Gemeinsam müde: Menschliches Gähnen steckt Hunde an

Gähnen ist ansteckend - allerdings nicht nur unter Menschen und Affen. Forscher haben jetzt erstmals experimentell bewiesen, dass auch Hunde mitgähnen, wenn sie einen müden Menschen beobachten. Verfügen die Vierbeiner über ein einfaches Einfühlungsvermögen?

Menschen tun es, Affen auch: Mit ihrem Gähnen stecken sie ihre Artgenossen an. Kaum fängt einer in der Runde an, folgen meist auch die anderen. Forscher vermuten, dass die Natur diesen Mechanismus erfunden hat, um das soziale Leben in Einklang zu bringen - da es ein evolutionärer Vorteil sein kann, wenn die Mitglieder einer Gruppe in etwa zur gleichen Zeit schlafen.

Gähnender Hund: Vierbeiner lassen sich vom menschlichen Gähnen anstecken
Corbis

Gähnender Hund: Vierbeiner lassen sich vom menschlichen Gähnen anstecken

Doch jetzt haben britische Wissenschaftler im Experiment gezeigt, dass auch Hunde sich vom Gähnen der Menschen anstecken lassen. Das Team um den Psychologen Atsushi Senju ließ einen Menschen in Gegenwart eines Hundes laut gähnen. 21 von 29 der Vierbeiner gähnten im Experiment dann ebenfalls, schreiben die Forscher in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Damit wirke das menschliche Gähnen auf Hunde sogar noch ansteckender als auf den Menschen selbst. Denn während die Mitgähnquote unter den Hunden im Experiment 72 Prozent betrug, liege sie bei Menschen üblicherweise nur bei 45 bis 60 Prozent, bei Schimpansen gar nur bei 33 Prozent.

Senju und seine Kollegen schließen aus ihren Ergebnissen, dass Hunde über eine grundlegende Form von Empathie verfügen müssen, um menschliche Handlungen deuten zu können. Denn bisherige Studien haben das Gähnen durchaus in einen Zusammenhang mit dem menschlichen Einfühlungsvermögen gebracht. In Experimenten hatte sich herausgestellt, dass Menschen, die sich nur schwer in andere hineinversetzen können, auch schwierig mit Gähnen anzustecken sind.

Bekannt war bisher bereits, dass Hunde gut soziale und kommunikative Hinweise von Menschen wie Blicke oder Fingerzeige verstehen können. Wie sich ihr Einfühlungsvermögen entwickelt haben könnte, ist noch nicht geklärt. Denkbar sei eine evolutionäre Anpassung der Hunde an die Menschen, meinen Senju und seine Kollegen. Das Gähnen könnte aber auch ein erlerntes Verhalten sein, etwa wenn ein Hund einen Menschen wiederholt beim Gähnen beobachtet hat.

mbe/ddp/dpa

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