Gen-Analyse: Mutation lässt Tiger weiß werden

Weiße Tiger (Archivbild): Veränderung am Gen SLC45A2 Zur Großansicht
DPA / Chimelong Safari Park

Weiße Tiger (Archivbild): Veränderung am Gen SLC45A2

Sie waren die Stars in der Show von Siegfried und Roy, in freier Natur kommen weiße Tiger nicht vor. Sie werden vom Menschen gezüchtet - und zwar zumeist untereinander. Ihre Gesundheitsprobleme sind die Folge dieser Inzucht, eine Farb-Mutation ist daran unschuldig.

Die weißen Tiger sind eine sehr seltene Variante des Bengal-Tigers, der auch Königstiger genannt wird. Ihr Fell ist weiß - und nicht orange. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass der Austausch eines einzigen DNA-Bausteins für die fehlende Färbung verantwortlich ist. Die Mutation betreffe ausschließlich die Pigmentierung; die Tiere seien ansonsten gesund und überlebensfähig, schreiben Forscher aus China und Südkorea im Fachjournal "Current Biology". Die Raubkatzen sollten nicht länger als Kuriosität ausschließlich untereinander gezüchtet, sondern als bewahrenswerter Teil der Natur behandelt werden.

Erste Berichte von weißen Tigern gehen auf das 16. Jahrhundert zurück. Das letzte freilebende Exemplar wurde 1958 erlegt. Heute leben die seltenen Tiere nur noch in Zoos oder in Shows, wie einst in der von Siegfried und Roy in Las Vegas. Die meisten - vielleicht sogar alle - der heute lebenden Tiere sind Nachkommen eines männlichen Tigers. Der wurde 1951 in Indien gefangen und zur Zucht eingesetzt.

Unter den Tieren kommt es häufig zu gesundheitlichen Problemen, wie Totgeburten, frühzeitigem Tod oder Missbildungen. Dass diese Probleme eine Folge der anhaltenden Inzucht und nicht der Mutation sind, zeigten die Forscher um Xiao Xu vom College of Life Sciences in Peking nun in ihrer Untersuchung. Sie hatten mit drei Tigern - zwei weißen und einem orangenen - insgesamt 13 Jungtiere gezeugt und dann das Erbgut aller 16 Tiger untersucht.

Weiße Tiger lebten Jahrhunderte in freier Wildbahn

Dabei entdeckten sie die entscheidende Veränderung in einem SLC45A2 genannten Gen. In diesem Pigment-Gen ist ein einzelner Baustein gegen einen anderen ausgetauscht. Dadurch wird die Produktion bestimmter - aber nicht aller - Farbpigmente beeinträchtigt. Das erklärt auch, warum die weißen Tiger dunkle Streifen tragen.

Die Tiere sind nämlich keine vollständigen Albinos. Weiße Tiger haben blaue Augen, eine rosa Nase und rosa Ballen unter den Tatzen. Die genetische Veränderung, die zu dem weißen Fell führt, wird rezessiv vererbt: Sowohl Vater als auch Mutter müssen die Veränderung besitzen, damit sie beim Nachwuchs zum Tragen kommen kann.

An exakt gleicher Position im Erbgut hatten Forscher beim Menschen schon einmal eine Mutation entdeckt. Der Patient, ein Deutscher, hatte helle Haut und dunkle Haare. Auch von einigen Tieren kennt man Farbvarianten, die auf dieses Gen zurückgehen. Die Experten folgern aus ihrer Untersuchung - und der Tatsache, dass in freier Wildbahn früher gesunde, ausgewachsene Tiger gefangen wurden - dass die Mutation nur die Pigmentierung betrifft und keine negativen Folgen hat.

Obwohl die genetische Veränderung bei den Bengal-Tigern sehr selten sei, habe sie viele Jahrhunderte in freier Wildbahn bestanden, schreiben die Forscher. Sie solle als Teil der genetischen Vielfalt angesehen werden, die es zu erhalten gelte. Die gesundheitlichen Probleme, unter denen die weißen Tigern heute litten, habe sehr wahrscheinlich der Mensch durch die anhaltende Inzucht provoziert.

chs/dpa

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