Genanalyse Schwarze Schafe sterben früher

Auf einem schottischen Archipel gibt es immer weniger dunkle Schafe - obwohl sie gegenüber ihren hellen Artgenossen körperlich im Vorteil sind. Forscher haben nun eine Erklärung für das seltsame Phänomen gefunden: in den Genen der Tiere.


Die urtümlichen Soay-Schafe leben ausschließlich auf dem St.-Kilda-Archipel nordwestlich der schottischen Küste und haben sich seit rund 4000 Jahren ungestört entwickelt. Es gibt sowohl Tiere mit hellem als auch mit dunklem Fell. Doch in der Population geschieht etwas Verblüffendes: Aus ungeklärter Ursache wurden die dunklen Exemplare in den vergangenen mindestens 20 Jahren immer seltener, obwohl sie stets größer und kräftiger sind als ihre hellbraunen Artgenossen. Den klassischen Vererbungsregeln zufolge müssten die schwarzen Schafe eigentlich ihre helleren Geschwister verdrängen, weil sie besser angepasst sind.

Helles und dunkles Soay-Schaf: Gen für Fellfarbe beeinflusst Fitness
Ian Stevenson

Helles und dunkles Soay-Schaf: Gen für Fellfarbe beeinflusst Fitness

Mit einem Massen-Gentest bei mehr als 2500 Schafen haben britische Forscher nun das Rätsel um das mysteriöse Verschwinden dunkler Tiere gelöst. Das Gen, das die dunkle Fellfarbe bei den Soay-Schafen bestimmt, ist demnach untrennbar mit anderen Erbanlagen verknüpft, die den dunklen Tieren eine schlechtere Gesundheit bescheren. Das berichten John Slate und seine Kollegen von der University of Sheffield im Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 319, S. 318).

Die von den Forschern entdeckte Genkopplung betrifft Bereiche im Erbgut, die mit der Fellfarbe zusammenhängen, sich jedoch auch nachteilig auf die Fortpflanzungs- und Überlebensrate auswirken. Dunkle Schafe sind demnach also zwar größer, leben jedoch kürzer und pflanzen sich weniger erfolgreich fort als helle Tiere. Deshalb sinke ihr Anteil in einer Herde, schreiben die Wissenschaftler.

Auch wenn bestimmte Eigenschaften wie etwa die Fellfarbe nur von einem einzigen Gen abhängen, könne doch die Vererbung dieser Information ein komplizierter genetischer Prozess sein, erklären die Forscher. Die natürliche Auslese wirke sich nicht nur auf die sichtbaren Merkmale aus, sondern betreffe auch diejenigen Gene, die den entsprechenden Eigenschaften zugrunde liegen.

Das Phänomen der Genkopplung gelte jedoch nicht für schwarze Schafe generell, betonte Slate. Die dunkle Fellfarbe anderer Schafrassen habe eine andere genetische Basis als das dunkle Fell der Soay-Schafe.

hda/ddp/dpa



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