Genforschung: Wie sich Bettwanzen vor Pestiziden schützen

Wenn sich Bettwanzen in einem Haus festsetzen, sind sie nur schwer zu vertreiben. Die Plagegeister sind gegen viele Pestizide immun. Genetiker haben jetzt ihr Erbgut untersucht, damit sie besser bekämpft werden können.

Bettwanze: Die Blutsauger breiten sich wieder aus Zur Großansicht
DPA / Harvard University / CDC / Piotr Naskrecki

Bettwanze: Die Blutsauger breiten sich wieder aus

New York, Vancouver, Paris - in vielen Städten breiten sich Bettwanzen wieder aus. Die millimetergroßen Insekten sind ausgesprochen lästig: Tagsüber verkriechen sie sich in kleinsten Ritzen und Spalten. Nachts krabbeln sie aus ihren Verstecken, bohren ihre Rüssel durch die Haut ihres menschlichen Opfers und saugen Blut. Wer von Bettwanzen heimgesucht wurde, erwacht mit kleinen, extrem juckenden roten Flecken.

Mehrere Jahrzehnte schien es, als wären die Parasiten ausgerottet. Doch jetzt befinden sie sich wieder auf dem Vormarsch: Der internationale Handel und der Tourismus helfen den Tierchen, sich weltweit auszubreiten. Zudem überstehen sie den Einsatz zahlreicher Insektenschutzmittel. Experten vermuten, dass Substanzen wie das über Jahre breit angewendete DDT die Parasiten in Schach gehalten hat - aber das ist aus gutem Grund inzwischen verboten, zum Beispiel weil es sich in der Muttermilch anreichert.

Jetzt haben Wissenschaftler das Erbgut der Bettwanze untersucht, um herauszufinden, was die Tierchen unempfindlich gegen verschiedene Pestizide, allen voran sogenannte Pyrethroide, macht.

Zwei Bettwanzen-Stämme verglichen

Die Forscher um Omprakash Mittapalli vom Ohio Agricultural Research and Development Center in Wooster analysierten dafür zwei Bettwanzen-Stämme: einen aus dem Labor, der keine Pestizide verträgt, sowie einen aus einer Wohnung in Ohio, der bereits Insektizideinsätze überstanden hatte.

Die Genetiker erstellten dabei einer Liste sogenannter "Expressed Sequence Tags", die zeigen, welche Gene gerade in einer Zelle aktiv sind. Laut ihrem im Fachmagazin "Plos One" veröffentlichten Aufsatz haben sie 35.646 Expressed Sequence Tags ermittelt - davor seien von der Bettwanze nur 2000 bekannt gewesen.

Von anderen Insekten weiß man, dass bestimmte Gruppen von Enzymen - Cytochrome P450 und die Glutathiontransferasen - es den Tieren ermöglichen, die für sie giftigen Substanzen loszuwerden. Gene, die dafür sorgen, dass diese Enzyme in einer Zelle gebildet werden, hatten die Wissenschaftler daher besonders im Blick. Tatsächlich stellten die Forscher fest, dass diese Gene bei den Pestizid-resistenten Bettwanzen aktiver waren als beim Labor-Stamm, sie die Substanzen also in größerer Menge produzierten.

"Bisher nimmt man an, dass Bettwanzen durch Punktmutationen Resistenzen gegen Pestizide entwickelt haben", sagt Mittapalli. Die Ergebnisse würden aber darauf hindeuten, dass auch veränderte Genaktivitäten dazu beitragen.

Sobald man die Mechanismen, mit denen die Bettwanze den Pestiziden entgeht, besser versteht, könnte man auch effektivere Mittel gegen sie entwickeln, hoffen die Forscher.

wbr

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1. Viel zu kompliziert
Naturhuf 20.01.2011
Wieso nicht Borsalz? Habe ich bestens gegen Flöhe eingesezt. Bis jetzt habe ich noch keinen Report gesehen, der das zumindest ansprach!
2. Resistenzen
ephas@t-online.de 20.01.2011
Zum Verschwinden der Bettwanzen gibt es noch eine weitere These, nämlich die weltweit unaufhaltsame Zunahme der Schaben in diesen Jahren. Die Kakerlaken fressen gerne Bettwanzen und ihre Eier. Zur Rückkehr der Bettwanzen gibt es sogar mindestens zwei Alternativ-Theorien. Die Schaben verschwanden erst vor wenigen Jahren aus den Ritzen, mit der Einführung hochwirksamer Köderverfahren. Entsprechend nehmen die Bettwanzen zu. Von anderen wird das Ende der Großraum- und Flächenbehandlung gegen Schaben für die Zunahme der Bettwanzen verantwortlich gemacht. Ab der 10. - 15. Anwendung eines jeden Wirkstoffs muß mit Resistenz gerechnet werden. Die Resistenzbildung wird durch den Mißbrauch von Pestiziden beschleunigt. Spätestens seit Global 2000 (1980) kann keiner mehr sagen, er hätte das nicht gewußt. Bettwanzen haben bis zu 10 Generationen pro Jahr. Das hängt hauptsächlich von der Temperatur ab. Entwicklungsstopp ist bei etwa 13°c. Es ist also eine Frage der Zeit, bei jedem Gift; Grund genug, mal in eine andere Richtung zu schauen, auch aus Kostengründen. Zum Schutz vor Bettwanzen gibt es viele Möglichkeiten. Das beginnt mit kompetenter Aufklärung über die Biologie dieser Schädlinge. Vorsorge und Wachsamkeit, Früherkennung vorher bzw. flankierende Maßnahmen, Erfolgskontrolle und laufende Überwachung nach der Bekämpfung sind Hausaufgaben für die Eigenverantwortung Gestochener. Alle sind für die nachhaltige Abwehr der Plagegeister unerlässlich. Ein weiteres Essential ist die Zeit: Je länger die Blutsauger Zeit hatten, sich ungestört zu entwickeln, desto schwerer wird es, sie wieder los zu werden. Sofortige Behandlung ist daher angesagt Wer Resistenzen vermeiden helfen will, muß den Gifteinsatz auf die Fälle beschränken, in denen es keine Alternative gibt. Von einer solchen sparsamen Verwendung der für Notfälle lebensnotwendigen Wirkstoffe sind wir in der Praxis der Schädlingsbekämpfung insbesondere in Deutschland noch Lichtjahre entfernt, obwohl das Knowhow und die Konzepte international längst vorhanden sind. Chemische Schädlingsbekämpfung ist unbedingt den Fachunternehmen zu überlassen; Referenzen verlangen! Bettwanzen vollständig zu erwischen ist eher Kunst als Frage des richtigen Mittels, denn sie leben tief in den Ritzen versteckt. Bei vielen „Resistenzen“ dürfte es sich in Wirklichkeit um Behandlungsfehler handeln. @naturhuf: Borsalz wirkt nur als Frassgift. Da Bettwanzen und ihre Kinder nur Blut saugen, geht es ihnen buchstäblich am A*** vorbei. Das ist bei Flöhen anders. Deren Kinder fressen Schmutz. Soweit ich weiß, ist es nur noch für den Holzschutz zugelassen
3. klar, einfach weiter drauf schlagen
Growling Mad Scientist 20.01.2011
Zitat von sysopWenn sich Bettwanzen in einem Haus festsetzen, sind sie nur schwer zu vertreiben. Die Plagegeister sind gegen viele Pestizide immun. Genetiker haben jetzt ihr Erbgut untersucht, damit sie besser bekämpft werden können. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,740569,00.html
Damit die Biester auch dagegen wieder resistent werden. Für mich sieht die Logik ganz einfach aus. In unseren Betten stellen wir Menschen eine riesige Nahrungsquelle für die verschiedensten Insekten dar. Und die Natur findet einen Weg sich diese Nahrungsquelle zu nutze zu machen. Und wenn wir die Bettwanzen erfolgreich ausgerottet haben, kommt garantiert die nächste Plage... die wir wahrscheinlich auch noch selbst ausgelöst haben und wieder mit der Wissenschaft bekämpfen um weitere Plagen zu haben... irgendwie drehe ich mich im Kreis.
4. Doch, doch!
Naturhuf 21.01.2011
Zitat von ephas@t-online.deZum Verschwinden der Bettwanzen gibt es noch eine weitere These, nämlich die weltweit unaufhaltsame Zunahme der Schaben in diesen Jahren. Die Kakerlaken fressen gerne Bettwanzen und ihre Eier. Zur Rückkehr der Bettwanzen gibt es sogar mindestens zwei Alternativ-Theorien. Die Schaben verschwanden erst vor wenigen Jahren aus den Ritzen, mit der Einführung hochwirksamer Köderverfahren. Entsprechend nehmen die Bettwanzen zu. Von anderen wird das Ende der Großraum- und Flächenbehandlung gegen Schaben für die Zunahme der Bettwanzen verantwortlich gemacht. Ab der 10. - 15. Anwendung eines jeden Wirkstoffs muß mit Resistenz gerechnet werden. Die Resistenzbildung wird durch den Mißbrauch von Pestiziden beschleunigt. Spätestens seit Global 2000 (1980) kann keiner mehr sagen, er hätte das nicht gewußt. Bettwanzen haben bis zu 10 Generationen pro Jahr. Das hängt hauptsächlich von der Temperatur ab. Entwicklungsstopp ist bei etwa 13°c. Es ist also eine Frage der Zeit, bei jedem Gift; Grund genug, mal in eine andere Richtung zu schauen, auch aus Kostengründen. Zum Schutz vor Bettwanzen gibt es viele Möglichkeiten. Das beginnt mit kompetenter Aufklärung über die Biologie dieser Schädlinge. Vorsorge und Wachsamkeit, Früherkennung vorher bzw. flankierende Maßnahmen, Erfolgskontrolle und laufende Überwachung nach der Bekämpfung sind Hausaufgaben für die Eigenverantwortung Gestochener. Alle sind für die nachhaltige Abwehr der Plagegeister unerlässlich. Ein weiteres Essential ist die Zeit: Je länger die Blutsauger Zeit hatten, sich ungestört zu entwickeln, desto schwerer wird es, sie wieder los zu werden. Sofortige Behandlung ist daher angesagt Wer Resistenzen vermeiden helfen will, muß den Gifteinsatz auf die Fälle beschränken, in denen es keine Alternative gibt. Von einer solchen sparsamen Verwendung der für Notfälle lebensnotwendigen Wirkstoffe sind wir in der Praxis der Schädlingsbekämpfung insbesondere in Deutschland noch Lichtjahre entfernt, obwohl das Knowhow und die Konzepte international längst vorhanden sind. Chemische Schädlingsbekämpfung ist unbedingt den Fachunternehmen zu überlassen; Referenzen verlangen! Bettwanzen vollständig zu erwischen ist eher Kunst als Frage des richtigen Mittels, denn sie leben tief in den Ritzen versteckt. Bei vielen „Resistenzen“ dürfte es sich in Wirklichkeit um Behandlungsfehler handeln. @naturhuf: Borsalz wirkt nur als Frassgift. Da Bettwanzen und ihre Kinder nur Blut saugen, geht es ihnen buchstäblich am A*** vorbei. Das ist bei Flöhen anders. Deren Kinder fressen Schmutz. Soweit ich weiß, ist es nur noch für den Holzschutz zugelassen
Doch , doch, das hilft, denn es trocknet auch das Ektokelett aus :-) Oder Kieselerde - wäre auch einen Versuch wert!
5. Bor
Ishibashi 21.01.2011
Zitat von NaturhufWieso nicht Borsalz? Habe ich bestens gegen Flöhe eingesezt. Bis jetzt habe ich noch keinen Report gesehen, der das zumindest ansprach!
Weil Borverbindungen inzwischen als beim Menschen krebseregend eingestuft sind.
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