Gentechnisch veränderter Mais: Forscher finden mögliche Schäden bei Ratten

Der Streit um die Sicherheit von gentechnisch verändertem Mais geht in eine neue Runde: Französische Forscher wollen in einer Studie an Ratten Hinweise auf Toxizität gefunden haben. Danach soll der Mais vor allem Leber und Nieren schädigen. Die Studie ist jedoch wissenschaftlich umstritten.

Gentechnisch veränderter Mais: Schäden an Leber und Nieren bei Ratten? Zur Großansicht
DPA

Gentechnisch veränderter Mais: Schäden an Leber und Nieren bei Ratten?

Ist genetisch veränderter Mais sicher oder nicht? Eine neue Auswertung von lange Zeit unter Verschluss gehaltenen Daten kann diese Frage nun auch nicht abschließend beantworten.

Französische Wissenschaftler um Gilles-Eric Séralini von der Universität in Caen haben nun Ergebnisse einer Studie ausgewertet, in der drei verschiedene gentechnisch veränderte Maissorten des Saatgut-Herstellers Monsanto an Ratten verfüttert worden waren. Anschließend wurden die Tiere genau untersucht. Die Wissenschaftler sind auch Mitglieder von Criigen, einer französischen Non-Profit-Vereinigung, die nach eigener Auskunft unter anderem genetisch veränderte Organismen wissenschaftlich unabhängig untersuchen will.

Die Auswertung wurde im Fachmagazin " International Journal of Biological Sciences" veröffentlicht. Die Versuche selbst wurden schon in den Jahren 2000 und 2001 im Auftrag von Monsanto durchgeführt. Auf Druck des Schwedischen Agrarministeriums und von Greenpeace-Anwälten wurden die Daten nun öffentlich gemacht, wie die Forscher schreiben.

Im Einzelnen wurden bei den Versuchen die Monsanto-Maissorten MON810, MON863 und NK603 untersucht. Je 400 Ratten bekamen jede Maissorte 90 Tage lang zu fressen, anschließend wurden mehrere Organwerte anhand von Urin- und Blutuntersuchungen bestimmt - einmal nach fünf Wochen und dann nochmal nach 14 Wochen.

Studie nach Meinung der Forscher zu kurz

NK603 ist ein sogenannter Roundup-Mais. Er wurde gentechnisch immunisiert gegen ein bestimmtes Herbizid, das Monsanto mit dem Mais im Doppelpack verkauft. MON810 und MON863 hingegen wurden veränderte Varianten von Proteinen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis eingeschleust. Die Proteine sind für Insekten giftig, bei MON810 handelt es sich um Protein Cry1Ab und bei MON863 um Cry3Bb1.

Das Ergebnis der Auswertung: Die Forscher fanden Veränderungen in den Organen der Ratten, vor allem in den Nieren und der Leber. Dennoch wollen sie nicht von einem Beweis für Toxizität sprechen, sondern nur von Hinweisen. Séralini und seine Kollegen bemängeln, dass der Fütterungsversuch nicht lange genug dauerte, um Toxizität nachzuweisen oder möglicherweise krebserregende Eigenschaften der Maissorten. Zudem seien die Versuche nur einmal und an einer einzigen Säugetier-Art durchgeführt worden.

Monsanto hat eine Gegendarstellung zu der Studie veröffentlicht, worin der Konzern den Forschern methodische Mängel in ihrer Auswertung vorwirft.

EFSA bewertet Genmais als unbedenklich

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Maissorten bereits vor einigen Jahren wissenschaftlich bewertet - unter anderem auch auf Basis der nun von Séralini neu analysierten Rattenversuche. Die EFSA kommt zu einem anderen Ergebnis als die französischen Forscher: MON810 sei "im Hinblick auf potentielle Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier genauso sicher wie sein herkömmliches Pendant", heißt es in der wissenschaftlichen Bewertung auf den Seiten der EFSA. Die Behörde begründet das unter anderem folgendermaßen: "Das Cry1Ab-Protein zeigt keine Homologie mit bekannten, für Menschen und andere Säugetiere toxischen Proteinen und/oder Allergenen. Außerdem wird dieses Protein unter simulierten Magenbedingungen rasch abgebaut."

Ähnlich lautet das Urteil über die Kreuzung der Maissorten MON863 und NK603: Die vorliegenden Daten würden die von den Mitgliedstaaten aufgeworfenen offenen Fragen beantworten. Der Mais habe im Rahmen der vorgesehenen Anwendung keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder auf die Umwelt.

So wird der Streit um den Genmais wohl noch weiter gehen, auch in Deutschland. Das Bundesverbraucherministerium hatte MON810 für sicher befunden und den Anbau 2005 erlaubt. Im Frühjahr 2009 stoppte die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner den Anbau des umstrittenen Genmaises. Daraufhin hatte der Konzern Monsanto Klage eingelegt.

lub

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. "Genmais"
Celegorm 26.01.2010
Wieso verwenden eigentlich vorgebliche seriöse Medien solche Unsinnswörter wie "Genmais"? Der Begriff ergibt schlichtweg keinen Sinn, da kein Mais ohne Gene existiert, logischerweise. Wenn man also schon eine kernige Bezeichnung sucht, wieso nicht einfach "Gentech-Mais"? Ähnlich verhält es sich mit dieser völligen Pauschalisierung. Die Studie hat sich schliesslich mit drei spezifischen Sorten befasst, ein Rückschluss auf gentechnisch veränderten Mais im Generellen ist dadurch natürlich nicht möglich und entsprechende Aussagen in dem Artikel unhaltbar. Zumal da der fehlende Zusammenhang ja eigentlich offensichtlich ist: Gentechnik ist lediglich eine technische Methode, kann also per se keine bestimmten Auswirkungen haben, diese können nur in Bezug zu der konkreten Veränderung stehen. Weshalb der "Gentech-Mais" für sich auch keine spezifische Wirkung oder sonstige Attribute haben kann, sondern halt nur die jeweiligen existierenden Sorten. Kurzum: Das sprachliche Niveau des Artikels ist einer Rubrik "Wissenschaft" nicht würdig. Das ist maximal tumbes Boulevard-Niveau, insofern sollte man das Ganze vielleicht besser zu "Panorama" verschieben..
2. flüssiger als flüssig = überflüssig
sic tacuisses 26.01.2010
.....zu keiner Zeit habe irgendeine Gefahr für die Bevölkerung bestanden...............
3. Verschwörungstheoriengeblubber
feeII 26.01.2010
Das ganze ist eine Ente die bei Weitergen (http://www.scienceblogs.de/weitergen/2010/01/transgener-mais-und-das-organversagen-bei-criigen.php) schon umfassend aufgedeckt wurde. Auf den Panikmacheversuch aufzuspringen finde ich bedenklich und zeugt von Wissenschaftsignoranz!
4. Ein insgesamt widerwärtiges Spiel
Jordan Sokoł 26.01.2010
Zitat von sysopDer Streit um die Sicherheit von gentechnisch verändertem Mais geht in eine neue Runde: Französische Forscher wollen in einer Studie an Ratten Hinweise auf Toxizität gefunden haben, vor allem Leber und Nieren sollen betroffen sein. Die Studie ist jedoch wissenschaftlich umstritten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,674189,00.html
Mir fällt auf, daß sich "Das Spiel" immer wieder wiederholt. Hier eine genmanipulierte Maissorte oder ein mit neuen Wirkstoffen angereichertes Arzneimittel mit auffällig unzureichend unterlegten Wirkungsnachweisen. - Dort Ex- pertisen von unabhängigen Forschern. Die Herstellerseite preist ihre Produkte hinsichtlich des Gefährdungspotentials für die Verbraucher als uneinge-schränkt ausreichend getestet an und verwirft das Gegen- teil andeutende Testergebnisse generell als unzureichend. Der Verbraucher ist der Tragik hilfslos ausgeliefert, weil beide ein Stück weit recht haben. - Hersteller beschän- ken den notwendigen Forschungsumfang aus Kostenoptimie- rungsgründen; unabhängigen Testern sind aus ähnlichen Gründen breiter angelegte Testfolgen unmöglich. Vor der Markteinführung scheitert ein Zusammentreffen an der Geheimnistuerei der Hersteller; nach der Markteinfüh- rung wird sich wegen der befürchteten Verluste unerbitt- lich bekriegt. Auf der Strecke bleibt z. B. der Landwirt, der seine Kühe über einen längeren Zeitraum mit genmanipulierten Mais gefüttert hat und ein objektiv feststellbares Dahinsiechen seines Tierbestandes beobachtet. Auf der Strecke bleiben Produzenten und Verbraucher natür-licher Nahrungs- und Genußmittel, die sich auf den letzt- lich alles ausgleichenden Evolutionsprozeß allen Essbaren verlassen. Vor diesem Hintergrund ist die Großzügigkeit Brüssels schlicht unverständlich. - Da die EU-Mitgliedsstaaten nach wie vor die exekutive Hoheit besitzen, sollten sie darauf achten, daß genmanipulierte Produkte ihren Märkten solange ferngehalten werden, bis deren Unbedenk- lichkeit ohne wenn und aber nachgewiesen ist. - Nach dem Verursacherprinzip hat der Hersteller einen solchen Nachweis zu führen. Das Nachweisverfahren hat der Staat festzulegen. Jordan Sokoł
5. Toxizitaet
pu_king81 26.01.2010
Liegt es nun an der Technologie oder doch eher am Herbizid bzw. Insektizid? Klaert mich doch bitte auf! P.S.: Gabs eigentlich auch ne Vergleichsgruppe welche mit BIO-Mais entsprechend gefuettert wurde? Falls nicht so hat die Studie ueberhaupt keine Aussagekraft!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Gen-Food
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 75 Kommentare
  • Zur Startseite
Die wichtigsten Punkte zum Genmais
MON 810
Die gentechnisch veränderte Maissorte MON 810 des US-Herstellers Monsanto, ist seit 1998 in der EU zugelassen. Sie ist bisher einzige kommerziell angebaute transgene Pflanze in Europa. Österreich, Frankreich, Ungarn, Luxemburg, Griechenland haben den Anbau verboten. In Deutschland ist MON 810 seit 2005 erlaubt. Zwei Jahre später war die Aussaat dann schon einmal gestoppt worden. Im Dezember 2007 legte Monsanto aber einen Plan zur allgemeinen Überwachung des Anbaus vor, woraufhin der Anbau wieder zugelassen wurde.

Der Anbau in Deutschland
In Deutschland umfasst die Anbaufläche von MON 810 nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace 3668 Hektar. Das entspricht 0,18 Prozent der gesamten Maisanbaufläche. Die Aussaat von MON 810 sollte vor allem in Ostdeutschland erfolgen.

Die Genveränderung
Durch eine Genveränderung sollen Maispflanzen wie die der Sorte MON 810 eine höhere Resistenz gegenüber Schädlingen wie dem Maiszünsler erhalten. Grundlage dafür ist ein Gen, das ein für den Maiszünsler giftiges Protein des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis codiert. Durch dieses sogenannte Bt-Toxin wird die Pflanze gegen die Schädlingslarven resistent. Der Befall durch ausgewachsene Tiere wird allerdings nicht verhindert.
Der Schädling
Der Maiszünsler ist ein kleiner Schmetterling mit einer Flügelspannweite von bis zu 35 Millimetern. Er ernährt sich von Mais, Kartoffeln, Hirse, Beifuß und anderen Pflanzen. Wissenschaftler unterscheiden zwei Rassen ("E" und "Z"). Für den Mais gefährlich ist vor allem die Rasse "Z", die zunächst vor allem in Süddeutschland für Probleme im Maisanbau sorgte. Mittlerweile hat sich das Verbreitungsgebiet des Schädlings auch nach Norden ausgebreitet. Gegen den Maiszünsler ist in Deutschland ein einziges Insektizid zugelassen. Gentechnisch veränderter Mais wie MON 810 soll die Resistenz der Maispflanzen gegen den Schädling erhöhen.