Genvergleich Die Hauskatze kommt aus Nahost

Die Urahnen aller heute lebenden Hauskatzen lebten im Nahen Osten - und wurden dort wahrscheinlich auch domestiziert. Ein Vergleich mit dem Erbmaterial wilder Katzen ergab, dass die Hauskatzen von mindestens fünf Urmüttern abstammen.


Bereits seit Tausenden von Jahren leben Katzen und Menschen zusammen. Der ältesten Spuren dieser Verbindung sind 9500 Jahre alt und stammt aus Zypern. Wo die Hauskatze jedoch ursprünglich herkam, war bislang unklar, da ihre Evolution nur schwer nachvollziehbar ist. Schuld ist zum einen die große Ähnlichkeit der verschiedenen Unterarten der Wildkatze Felis silvestris. Andererseits wurden die Unterarten häufig miteinander gekreuzt und so die genetischen Spuren der Katzenurahnen verwischt.

Ein internationales Forscherteam hat nun das Erbgut von knapp 1000 Katzen miteinander verglichen - darunter verwilderte und gezüchtete Hauskatzen, europäische Wildkatzen, Falbkatzen aus Afrika, Steppenkatzen aus Zentralasien und chinesische Wüstenkatzen. Dank der aufwendigen Genanalyse konnten die Wissenschaftler die Herkunft der Hauskatze klären: Die wilden Vorfahren aller Hauskatzen wurden im Nahen Osten domestiziert und verbreiteten sich von dort aus über die Welt, berichten Carlos Driscoll vom Laboratory of Genomic Diversity in Frederick (US-Staat Maryland) und seine Kollegen im Magazin "Science" (Online-Vorabveröffentlichung).

Wie die Ergebnisse zeigen, ähnelt das Erbgut der Hauskatzen am stärksten dem der Wildkatzen, die heute noch in den Wüsten Israels, Saudi-Arabiens und anderen Ländern des Nahen Ostens leben. Die Wissenschaftler hatten insgesamt 15 wilde Tiere aus der Region mituntersucht. Zudem konnten die Forscher fünf mütterliche Abstammungslinien für die Hauskatzen identifizieren, was nahelegt, dass sie auf mindestens fünf Urmütter zurückgehen.

Gene erzählen Geschichte der Tiere

Dank der immer ausgefeilteren Methoden der Genanalyse konnten Wissenschaftler in den vergangenen Monaten erstaunlich weit in die Entwicklungsgeschichte verschiedener Tierarten zurückblicken. So zeigte eine Untersuchung, dass die Polynesier und nicht etwa europäische Kolonialherren das Haushuhn nach Amerika gebracht haben. Die Erkenntnis, dass Säugetiere vor 65 Millionen Jahren nicht vom Sauriersterben profitierten, geht ebenfalls auf Genanalysen zurück. Eine andere Studie zeigte, warum kleine Hunde klein und große groß sind.

Die untersuchten Wildkatzen ließen sich auf Basis der betrachteten genetischen Marker in sechs Gruppen einteilen, schreibt Driscolls Team: eine europäische, eine zentralasiatische, eine nahöstliche, eine südafrikanische, eine chinesische und die Gruppe der Sandkatzen, die jedoch zu einer anderen Art gehören. Alle untersuchten Hauskatzen gehörten in die Gruppe der Wildkatzen aus dem Nahen Osten, deren Abstammungslinie bereits über 100.000 Jahre alt ist. Diese Ähnlichkeit lege nahe, dass die Vorfahren der Hauskatzen aus der Region des sogenannten fruchtbaren Halbmonds im Norden der arabischen Halbinsel stammen, schreiben die Forscher.

Im Gegensatz zu anderen Haustieren wurden die Katzen von Anfang an wohl nicht als Nutztiere gehalten, sondern eher als nützliche Mitbewohner betrachtet. Zurück geht diese Wohngemeinschaft offenbar auf die ersten Bauern im fruchtbaren Halbmond: Deren Getreidelager zogen die Nagetiere aus der Umgebung an, die wiederum die wilden Katzen zu den Höfen lockten. Deren nützliche Fähigkeit, die lästigen Nager zu dezimieren, brachte der gängigen Theorie zufolge die Menschen dazu, die Katzen zu zähmen - so dass sie sich schließlich über die ganze Welt ausbreiten konnten.

hda/ddp



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