Genvergleich Kleine Hunde stammen von Wölfen aus Mesopotamien ab

Die Urahnen aller kleinen Hunderassen lebten im Nahen Osten. Das haben Forscher bei genetischen Untersuchungen von Wölfen aus der Region festgestellt. Geringer Körperwuchs könnte für die Tiere damals sogar von Vorteil gewesen sein.

Verkleideter Chihuahua (Archivbild): Urahnen aus dem Land zwischen Euphrat und Tigris
REUTERS

Verkleideter Chihuahua (Archivbild): Urahnen aus dem Land zwischen Euphrat und Tigris


London - Schon seit dem 11. Jahrtausend vor Christus siedeln Menschen in Mesopotamien, dem Gebiet zwischen Euphrat und Tigris. Bis 9000 vor Christus prägte sich eine der frühesten Formen von Landwirtschaft aus. Die Bewohner betrieben Ackerbau und domestizierten viele Tiere. Archäologische Ausgrabungen belegen dies auch für Hunde: Die ältesten Funde von Skeletten sind über 12.000 Jahre alt.

In Belgien, Deutschland und im Westen Russlands wurden jedoch noch ältere Hundefossilien entdeckt. Doch diese Tiere lebten vor 13.000 bis 31.000 Jahren und waren bedeutend größer als ihre Artgenossen im Nahen Osten. Deshalb gab es schon länger die Hypothese, dass kleinere Hunde wahrscheinlich von Wölfen aus dem Nahen Osten abstammen.

Melissa Gray und Robert Wayne von der University of California in Los Angeles haben dies nun mit einer aufwendigen Genanalyse bestätigt. Bei den kleinen Hunden waren schon in früheren Studien bestimmte Varianten des Gens IGF1 entdeckt worden, die bei größeren domestizierten Hunden und ihren wilden Verwandten nur in wenigen Fällen nachzuweisen war. Die Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass eine ähnliche IGF1-Variante wie bei den kleinen Haustieren jedoch bei nahöstlichen Wolfspopulationen zu finden ist.

Verkleinerungstendenz auch bei Ziegen und Schweinen

Die im Nahen Osten lebenden Wolfspopulationen verfügen zwar nicht über dieselbe Variante des Gens IGF1 wie kleine Hunde, doch über sehr ähnliche Basenpaar-Variationen, schreiben die Forscher im Fachmagazin "BMC Biology". Sie gehen daher davon aus, dass die kleinen Hunde mit einem Körpergewicht zwischen 9 und 30 Kilogramm - wie Boston- und Norfolk-Terrier, Pekinese oder Chihuahua - ursprünglich von diesen Wölfen abstammen.

Die Menschen im Nahen Osten werden Wölfe domestiziert haben, die dann die spezielle Genmutation entwickelten. Die Verkleinerungstendenz bei domestizierten Arten ist generell ein bekannter Effekt: So wurden auch Schweine, Ziegen und Rinder kleiner, nachdem sie zu Nutztieren wurden.

Die Sequenzierung der Gene zeigte außerdem, dass die Genmutation, die die kleine Körpergröße bei Hunden auslöst, erst nach der ersten Domestizierung von Wölfen auftrat. Weil aber alle kleinen Hunde die Variante im Gen IGF1 besitzen, tauchte sie wohl zu Beginn ihrer Entwicklung auf, schreiben die Forscher. "Der kleine Körperbau könnte in eng zusammenlebenden landwirtschaftlichen Gesellschaften sehr willkommen gewesen sein, wo Hunde wohl zum Teil in den Hütten oder in umzäunten Vorhöfen lebten", erklärt Gray.

hda/ddp



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