Geoengineering Mineral Olivin könnte große Mengen CO2 binden

Was tun, wenn die Temperaturen steigen? Deutsche Forscher haben jetzt eine wenig bekannte Option untersucht: das Mineral Olivin. In Wasser aufgelöst, bindet es Kohlendioxid und wirkt sogar gegen die Ozeanversauerung.

ddp

Gezielte Manipulationen des Klimas gelten als allerletzter Notnagel im Kampf gegen steigende Temperaturen. Ideen für Geoengineering gibt es viele - aber seriös erforscht sind sie bislang kaum. Kritisiert wird Geoengineering auch deshalb, weil es die Bereitschaft verringern könnte, CO2-Emissionen zu senken.

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung haben nun untersucht, ob das Mineral Olivin eines Tages genutzt werden könnte, um den Klimawandel zu begrenzen. Olivin ist ein silikathaltiges, aber kohlenstofffreies Mineral. Mit etwa 90 Prozent Anteil ist es Hauptbestandteil von Dunit, einem weit verbreiteten Gestein.

Wenn das Mineral chemisch verwittert, wird CO2 der Atmosphäre entzogen. Das Treibhausgas reagiert dabei zusammen mit Regenwasser zu Kohlensäure. Diese greift das Olivin an. Die Reaktionsprodukte sind Kieselsäure, Magnesiumionen und Bikarbonat, die in Wasser gelöst sind. Die gelösten Stoffe würden mit den Flüssen ins Meer gelangen.

In einer Modellrechnung haben Peter Köhler und seine Kollegen untersucht, welchen Effekt eine künstliche Beschleunigung der Olivin-Verwitterung hat. Für jede Tonne CO2, die aus der Atmosphäre gebunden wird, müsste etwa eine Tonne Olivin in Wasser gelöst werden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Unbekannte Nebenwirkungen

"Die Olivin-Verwitterung an Land könnte eine Methode zur Verlagerung atmosphärischen Kohlendioxids in den Ozean sein", sagt Köhler. Eine beschleunigte Verwitterung des Minerals würde jedoch auch den pH-Wert in Flüssen erhöhen, warnt der Forscher. Welche Folgen dies für die Ökosysteme habe, müsse noch untersucht werden. Positiv sei jedoch, dass die gelösten, ins Meer gespülten Stoffe der Ozeanversauerung entgegen wirkten.

Das CO2-Problem der Menschheit wird sich mit Olivin aber wahrscheinlich nicht lösen lassen. Mit der beschleunigten Verwitterung ließe sich maximal ein Zehntel des Kohlendioxids binden, das von der Menschheit derzeit ausgestoßen wird. "Mit der vorgeschlagenen Methode erscheint es daher nicht möglich, heutige und zukünftige Treibhausgasemissionen zu neutralisieren", sagt Köhler. Die Methode könne aber in Verbindung mit anderen Methoden einen Beitrag zur Stabilisierung und Reduktion der atmosphärischen CO2-Konzentration liefern.

Für ein Geoengineering mit Olivin müssten große Mengen des Minerals abgebaut, transportiert und gemahlen werden, schreiben die Forscher. Die benötigte Menge liege in der Größenordnung des heutigen weltweiten Kohleabbaus.

Die Studie verstehen die Wissenschaftler als wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung: "Das Alfred-Wegener-Institut hat weder die Absicht noch ein Interesse daran, mit dieser Studie den Weg für den kommerziellen Einsatz von Geoengineering-Maßnahmen zu ebnen", sagte Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts. Es gehe darum, die Effektivität und die Risken von Geoengineering-Maßnahmen auf Umwelt und Biodiversität besser beurteilen zu können.

2009 hatten Forscher des AWI eine andere Geonegineering-Technik untersucht: die Eisendüngung des Meeres, um das Algenwachstum zu fördern. Das Experiment im Südatlantik war auf Kritik bei Umweltschützern gestoßen. Die Ergebnisse des Versuchs waren enttäuschend. Die Algen holten nur wenig CO2 aus der Atmosphäre.

hda

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