Geoforschung Diamant-Atlas verrät Glitzerschätze in der Tiefe

Sie zählen zu den wertvollsten Mineralen überhaupt - jetzt haben Forscher ein Modell entwickelt, mit dem sie die Lage zukünftiger Diamantvorkommen vorhersagen können. Besonders attraktiv: Nord- und Westafrika.

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Diamanten faszinieren nicht nur, weil sie zu Brillanten geschliffen werden können, geheimnisvoll funkeln und das härteste Mineral sind. Vor allem ihre Seltenheit macht sie begehrt - und teuer. Deswegen fahnden Schürfkonzerne weltweit nach neuen Vorkommen.

Bei ihrer Suche bekommen die Unternehmen nun Hilfe von der Wissenschaft, auch wenn sie dafür sehr langfristig planen müssen.

Denn Diamanten gelangen bei Explosionen an die Erdoberfläche - wenn Magma, das zahllose Edelsteine enthält, aus dem Boden schießt. Die Geschosse werden von Gas in die Höhe getrieben, genauso wie von Menschen konstruierte Raketen.

Zwar wurde die Entstehung eines Diamantschatzes noch nie direkt beobachtet. Allerdings zeigen geologische Ablagerungen, wie sich die Vorkommen bilden: Diamanten stecken meist in mächtigen Säulen aus Magmagestein, sogenannten Kimberlit-Schloten. Forscher schließen daraus, dass die Bodenschätze bei kleinen vulkanischen Explosionen entstanden sind: Kommt Magma in großer Tiefe mit Wasser in Kontakt, kann es mit Diamanten im Gepäck aus dem Boden schießen - so die Theorie.

Bislang glaubten Wissenschaftler, solche Schlote aus flüssigem Gestein könnten überall aus der Erde platzen. Doch nun können Geoforscher die Regionen eingrenzen - und vorhersagen, wo die nächsten lukrativen Magmaraketen zu erwarten sind.

Das Team um Trond Torsvik von der Universität Oslo und Bernhard Steinberger vom Geoforschungszentrum Potsdam hat Gebiete identifiziert, wo solche Explosionen zu erwarten sind. Dafür haben sie die Verschiebung der Erdplatten rekonstruiert. Das Modell haben sie im Wissenschaftsblatt "Nature" vorgestellt.

Die Forscher konnten damit zeigen, dass Diamanten an den immer gleichen Orten aus der Tiefe steigen. Die Erdplatten driften über sie hinweg. So kommen im Laufe der Erdgeschichte immer wieder andere Kontinente in den Genuss der Diamantlieferung aus der Tiefe.

Schweißbrenner unter Afrika

Derzeit liegen Afrika und der Pazifik über den Edelstein-Spendern: Unter beiden Regionen befindet sich mehr Magma als anderswo. Die Beobachtung von Erdbebenwellen hilft bei der Suche. Sie verlangsamen sich in diesen Regionen in der Tiefe - ein klarer Hinweis auf geschmolzenes Gestein.

An den Rändern dieser Magmazonen in rund 2900 Kilometern Tiefe steigt das flüssige Gestein in Säulen auf. Wie Kerzen auf einem Geburtstagskuchen umsäumen die Schlote die Magmaquelle.

Unter der Erdoberfläche wirkt das Magma dann wie ein Schweißbrenner: Es schneidet Löcher in die Gesteinskruste der sich darüber bewegenden Kontinentalplatten, Vulkane entstehen.

Diese Magmaschlote werden allerdings nur zu Diamantschleudern, wenn dicke Erdkruste sie zunächst blockierte, erklärt Steinberger. Vor allem unter alten Kontinenten, sogenannten Kratonen, können sich Diamanten im Magma anreichern. Damit es zur Edelsteinförderung kommt, muss sich der Untergrund zudem extrem aufheizen. Es dürfen also keine Vulkane in der Nähe sein, die Hitze kontinuierlich ableiten.

Diamant-Explosionen jederzeit möglich

Die Geoforscher um Torsvik und Steinberger konnten die Entstehung der meisten Diamantreservoire erklären, indem sie die Bewegungen der Erdplatten zurückverfolgten. Demnach waren meist Magma-Schneidbrenner unter dem heutigen Afrika für die Bildung der Lagerstätten verantwortlich (siehe Karten oben).

Dieselbe Magmaquelle liefert aber auch die Vorkommen, die heute in Südamerika gefunden werden. Eine Folge der Plattenverschiebung, denn vor Jahrmillionen driftete Südamerika über die Region, wo heute Afrika liegt.

Ähnliches passiert auch in andere Regionen. Die Magmaschlote unter dem Pazifik etwa erzeugten die reichhaltigen Diamantvorräte in Kanada: Das Land schob sich vor mehr als 500 Millionen Jahren über die pazifische Magmazone.

Aus Satellitenmessungen der Plattenbewegungen ließe sich ableiten, wo künftige Diamantvorräte entstünden, sagt Steinberger. "Als größter Favorit gelten Nordafrika und Westafrika", so der Geoforscher. Dort könnten jederzeit Magmageschosse mit Diamanten aus dem Boden emporsteigen.

Südafrika jedoch, wo die größten Vorkommen liegen, habe sich von den Magmaschloten mittlerweile zu weit entfernt und ist vom Nachschub an wertvollem Magma abgeschnitten. In einigen Millionen Jahren werden der Studie zufolge auch Nordaustralien und der Westen Südamerikas mit Diamanten aus der Tiefe beliefert. Beide Kontinente, sagt Steinberger, bewegten sich unaufhaltsam in Richtung der pazifischen Magmaschlote.

Ob das den heutigen Diamantsuchern weiterhilft, ist allerdings fraglich. Dafür müssten sie schon sehr weit in die Zukunft planen.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
grippingeye 15.07.2010
1. Diamanten wären eigentlich billig und sind nicht selten
Ein seeeehr langer und ausführlicher Artikel über das Diamanten-Kartell, die erfolgreichste Werbekampagne der Welt und warum es fast unmöglich ist als Privatmensch Diamantschmuck wieder zu verkaufen: http://www.theatlantic.com/magazine/archive/1982/02/have-you-ever-tried-to-sell-a-diamond/4575/2/
Ben Major 15.07.2010
2. Ramsch
Diamanten sind völlig überbewertet, nur weil De Beers den Markt beherrscht, sind die Preise so hoch. Für meinen Geschmack taugen als Schmuck auch viel billigere Steine und Diamanten zur Industrie- Nutzung lassen sich billiger herstellen als aus dem Boden kratzen.
...ergo sum, 15.07.2010
3. ...
Zitat von Ben MajorDiamanten sind völlig überbewertet, nur weil De Beers den Markt beherrscht, sind die Preise so hoch. Für meinen Geschmack taugen als Schmuck auch viel billigere Steine und Diamanten zur Industrie- Nutzung lassen sich billiger herstellen als aus dem Boden kratzen.
Diamanten sind wesentlich zahlreicher vorhanden als viele andere "alte"Edelsteine. Nur werden sie künstlich teuer gehalten um die Preise schießen zu lassen, - seit Jahrzehnten. In Edelsteinqualität sind Rubine, Smaragde, Turmaline, Saphire, Opale, Perlen und viele ander Edelsteine wesentlich ! seltener als jeder Diamant. Es ist dasselbe wie mit dem Goldpreis, - besonders im Moment. Gold gibt es noch immer ausreichend, aber es wird eben auch als Wertanlage außerhalb von Schmuck genutzt (seit Jahrtausenden sozusagen mit zunhemender Tendenz) und DAS macht es derartig teuer. Platin kommt seltener vor, aber sehr viele Metalle die zur Fertigung von z.B. Elektronik gebraucht werden sind wirklich sehr !!! selten, - aber den Afrikanern leichter abzuschwatzen und somit noch billig zu haben. Hinzu kommen bei Steinen u.a. Dingen eben nicht ! nur die künstliche Verknappung, sondern auch die Tatsache das ohne kartelle möglichst Viele als Zwischenstationen daran gut und heftig mitverdienen wollen. Es macht einen gewaltigen Unterschied ob man z.B. einen Opal von einem Edelsteinschleifer kauft der selbst direkten Zugang zu Rohopalen hat, also diese bei den Schürfern zu angemessenen Preisen (Australien) und in guter Qualität aufkauft, sie zuhause selber schleift und dann geschliffen und poliert anbietet, man sich diesen Stein dort kauft und ggf. dann von einem versierten Goldschmied fassen läßt - oder ob man sich einen fertig gefaßten Anhänger oder Ring mit einem Opal kauft. Dazwischen liegen in Qualität und Preis oftmals Welten. Tja, nur um sich eben nicht auf dieses Spiel einlassen zu müssen bedarf es als Kunden u.a. eben auch vieler ausreichend Kenntnisse und eine Handvoll vertrauenswürdiger Ansprechpartner. Der "Rest" zahlt eben massiv drauf dabei und unterstützt damit die Kartelle und bestätigt sie damit in ihrem Tun.
...ergo sum, 15.07.2010
4. ...
Zitat von Ben MajorDiamanten sind völlig überbewertet, nur weil De Beers den Markt beherrscht, sind die Preise so hoch. Für meinen Geschmack taugen als Schmuck auch viel billigere Steine und Diamanten zur Industrie- Nutzung lassen sich billiger herstellen als aus dem Boden kratzen.
Überbewertet in jeder Hinsicht. Wer noch niemals einen mittelgrünen augenreinen Turmalin mit wenigstens 5 ct gesehen hat, wer noch niemals einen leuchtend tiefblauen Saphir in den Händen hielt, noch niemals einen schönen schwarzen Opal mit einmaligem Feuer in allen Farben, keine dunkelgrüne Perle mit einem rosa schimmerndem Lüster ... der weiß nichts, gar nichts über Edelsteine. Ein dunkelkarmesinroter Rubin, - ein Feuer das man niemals vergißt. ect.pp. Diamanten sind ganz nett, ich habe sie bisher immer geschenkt bekommen / geerbt, aber Farbsteine ... das ist Rausch der Sinne, das ist Staunen ... man kann es nicht beschreiben. Es hat mit angeben nichts zu tun, eventuell mal etwas mit positiv bzw. interessant auffallen wollen, mit beneidet werden wollen nicht ! - vor allem hat es mit eigenem Genuß und Faszination ganz viel zu tun. Wunder dieser Erde, Wunder der darin schlummernden Kräfte über Jahrmillionen, das Zusammenwirken unterschiedlicher Grundlagen ... eine Farbreise in die Vergangenheit der Erde mit ganz viel Dankbarkeit es sehen zu dürfen und zu besitzen. DAS ist für mich der Grund Steine zu kaufen. Der beste Grund, finde ich.
k1ck4ss 16.07.2010
5. ahwas
Zitat von ...ergo sumÜberbewertet in jeder Hinsicht. Wer noch niemals einen mittelgrünen augenreinen Turmalin mit wenigstens 5 ct gesehen hat, wer noch niemals einen leuchtend tiefblauen Saphir in den Händen hielt, noch niemals einen schönen schwarzen Opal mit einmaligem Feuer in allen Farben, keine dunkelgrüne Perle mit einem rosa schimmerndem Lüster ... der weiß nichts, gar nichts über Edelsteine. Ein dunkelkarmesinroter Rubin, - ein Feuer das man niemals vergißt. ect.pp. Diamanten sind ganz nett, ich habe sie bisher immer geschenkt bekommen / geerbt, aber Farbsteine ... das ist Rausch der Sinne, das ist Staunen ... man kann es nicht beschreiben. Es hat mit angeben nichts zu tun, eventuell mal etwas mit positiv bzw. interessant auffallen wollen, mit beneidet werden wollen nicht ! - vor allem hat es mit eigenem Genuß und Faszination ganz viel zu tun. Wunder dieser Erde, Wunder der darin schlummernden Kräfte über Jahrmillionen, das Zusammenwirken unterschiedlicher Grundlagen ... eine Farbreise in die Vergangenheit der Erde mit ganz viel Dankbarkeit es sehen zu dürfen und zu besitzen. DAS ist für mich der Grund Steine zu kaufen. Der beste Grund, finde ich.
sehr nett, wie sie das hindichten, sie haben also von all diesen steinen und perlen jeweils 1 stueck pro auspraegung um sich nach feierabend daran daheim zu ergoetzen und erfreuen? ein rosenliebhaber zuechtet rosen, viele sorten wenn er kann und sie kaufen sich die steine (mind. 5 karat) der farbe wegen und der jahrmillionen die darin eingeschlossen sind? oder erben diese hin und wieder? das finde ich toll. ich denke, der alleinige antrieb diese zu besitzen liegt im eingebauten prestige (=hoher preis, seltenheit), das war's. wenn alle kieselsteine dieser welt diamanten waeren, wuerde keiner mehr sich fuer diese interessieren, sie vermutlich auch nicht. vermutlich wuerde man kieselsteine dann zur verlobung schenken.
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