Geografie-Posse Nicht-Insel empört Mexikaner

Das Schicksal einer Insel bewegt die Mexikaner. Eine Suchexpedition sollte nach einem Mini-Flecken namens Bermeja fahnden - fand aber nichts. Ist das auf Karten verzeichnete Eiland nur ein Phantom?

Strand am Golf von Mexiko (Archivbild aus dem August 2007): Keine Insel, nirgends
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Strand am Golf von Mexiko (Archivbild aus dem August 2007): Keine Insel, nirgends

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Mexiko-Stadt - An Ressourcen mangelte es weiß Gott nicht. Das multidisziplinäre Expertenteam mit Mitgliedern von sieben Universitäten war zu Wasser mit dem Forschungsschiff "Justo Sierra" unterwegs. Auch aus der Luft suchten die Forscher bei ausgedehnten Flügen, rundherum um die immer gleiche Position: 22 Grad, 33 Minuten Nord, 91 Grad, 22 Minuten West. Doch das Phantom blieb verschollen. Wie die Universität von Mexiko-Stadt (UNAM) am Mittwoch berichtete, konnte die eigens ausgesandte Suchexpedition keine Spur der Insel Bermeja im Golf von Mexiko finden.

Schon ein Schiff der mexikanischen Marine hatte im Jahr 1997 in den warmen Wassern vor dem Bundesstaat Yucatán nichts finden können. Dabei war Bermeja auf alten Karten klar und eindeutig eingezeichnet. Doch wie es scheint, ist das angeblich 80 Quadratkilometer große Eiland ein Phantom. Ein Parlamentsausschuss hatte die Forscher im vergangenen November beauftragt, die Frage ihrer Existenz zu klären.

Es ging darum herauszufinden, ob die äußeren Grenzen der mexikanischen 200-Seemeilen-Zone (370 Kilometer) richtig festgelegt sind. Einige Parlamentarier wie der Senator Alberto Coppola von der christdemokratischen Partido Acción Nacional argumentierten, dass die Existenz von Bermeja dafür wichtig wäre - weil schließlich auch die Gewässer in der Umgebung der Insel zu Mexiko gehören würden. Wenn das Eiland aber nicht existiert, dann sind küstennäher gelegene Eilande wie die Alacranes-Inseln oder das Eiland Cayo Arenas die Referenzpunkte. Mexiko und die USA haben ihre Grenze in dem Gebiet eigentlich in zwei Abkommen, geschlossen 1978 und 2000, festgelegt. Coppola argwöhnt aber, dass dabei nicht alles mit rechten Dingen zuging.

Dabei sind die aktuellen völkerrechtlichen Regelungen durchaus vorteilhaft für Mexiko: Das Land hatte im Dezember 2007 bei der Uno einen Antrag auf zusätzliche Gebiete im Golf von Mexiko gestellt. Entscheidendes Gremium dafür ist die Festlandsockelgrenzkommission, die auch bei der Aufteilung der Arktis eine wichtige Rolle spielt. Und deren Experten hatten Ende März dieses Jahres zugestimmt, dass Mexiko die Gebiete des sogenannten westlichen Polygons zugesprochen bekommt. Das Areal liegt an der Grenze zu den Gewässern der USA - und damit deutlich weiter draußen im Meer als die Phantominsel Bermeja.

Trotzdem ist nun in Medienberichten zu lesen, dass die Nicht-Existenz des Eilands den mexikanischen Gebietsanspruch schmälern würde - und damit auch den Ölreichtum des Landes. Doch daran dürfte kaum etwas dran sein, schließlich sind Mexikos Gewässer in diesem Bereich längst festgelegt. Lediglich für einen anderen Bereich, das sogenannte östliche Polygon, arbeitet die Regierung noch an einem Gebietsantrag. Hier spielt aber keine Rolle, ob die Phantominsel existiert oder nicht.

"Kein Hinweis darauf, dass dort eine Insel gewesen ist"

In Mexiko hatte es Vermutungen gegeben, das Eiland könnte wegen des Klimawandels inzwischen im Meer versunken sein. Und noch weit aberwitzigere Theorien kursierten, so beschuldigten einige Kommentatoren den US-Geheimdienst CIA, er habe die Insel einfach die Luft gesprengt. So hätten die Spione die Vorherrschaft der USA in der ölreichen Region sichern wollen.

Die mexikanische Meeresforscherin Leticia Rosales Hoz hält dagegen, man habe an den Koordinaten der vermeintlichen Insel nichts gefunden als sedimentbedeckten Tiefseeboden. Vor Überresten einer Insel keine Spur. Und auch der deutsche Meeresforscher Hans-Werner Schenke vom Alfred-Wegner-Institut (AWI) in Bremerhaven bestätigt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Wenn man sich die aktuellsten Meereskarten und Schwerefelddaten der Erde ansieht, dann gibt es keinen Hinweis darauf, dass dort jemals eine Insel gewesen ist." Mexikanische Kollegen vom Nationalen Vermessungsinstitut Mexikos hätten ihm erklärt, vermutlich beruhe die Existenz der Insel auf den alten Karten schlicht auf einer Verwechslung.

Mit Material von AFP



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