Geografie Straßen zerstückeln fast die ganze Welt

Flächen, die wenigstens einen Kilometer von Straßen entfernt liegen, werden weniger. In Deutschland gibt es fast keine mehr.

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Für den Menschen sind Straßen Verbindungen - für die Natur jedoch Einschnitte. Zwar machen Gebiete ohne Verkehrswege nach einer Hochrechnung von Forschern noch rund 80 Prozent der Landfläche auf der Erde aus, sie sind aber stark zerstückelt.

Als "frei von Wegen" wurden dabei nur Flächen definiert, die mindestens einen Kilometer von Straßen, aber auch kleineren Forstwegen entfernt lagen. Ein zwischen zwei Verkehrsachsen liegender zwei Kilometer breiter Wald wurde somit zum Beispiel nicht erfasst.

In der Summe kam das Forscherteam um Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde auf 600.000 abseits von Straßen liegende Landstücke weltweit - in Deutschland seien es höchstens einige wenige.

Pufferzonen

Etwa die Hälfte der Flächen sei kleiner als ein Quadratkilometer, weitere 30 Prozent kleiner als fünf Quadratkilometer, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science". Nur sieben Prozent der wegfreien Areale haben demnach eine Größe von mehr als hundert Quadratkilometern.

Die Forscher heben hervor, dass die Auswirkungen einer Straße nicht auf die Straßenfläche beschränkt sind: "Zu den direkten und indirekten Umwelteinflüssen gehören Entwaldung und Zersplitterung, chemische Verschmutzung, Lärmbelästigung, erhöhte Tiersterblichkeit aufgrund von Autounfällen und die Erleichterung von biologischen Invasionen." Die Erkenntnis ergab sich aus 282 wissenschaftlichen Untersuchungen über den räumlichen Einfluss von Straßen.

Grönland und Antarktis außen vor

Die Auswirkungen einer Straße seien in einem Streifen von einem Kilometer entlang jeder Straßenseite am größten, so die Wissenschaftler. Deshalb bezeichnen die Forscher nur die Areale als frei von Straßen, die jenseits dieser Pufferzone liegen.

Ibisch und Kollegen stützten sich dabei auf die weltweiten Straßenverzeichnisse Open Street Map und Global Roads Open Access Data Set (gROADS). Grönland und die Antarktis blieben wegen ihrer großen Eisflächen bei den Berechnungen außen vor.

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Die Forscher entwickelten einen Bewertungsindex für die straßenfreien Gebiete, der sich aus ihrer Größe, dem Grad seiner Vernetzung und einem Index für die Funktion des Ökosystems zusammensetzt. Dabei stellten sie fest, dass etwa ein Drittel der straßenfreien Areale nur wenige ökologische Funktionen und geringe biologische Vielfalt aufweisen. Sie sind beispielsweise sehr klein oder liegen in Wüstenregionen. Auch steht der Erhalt straßenfreier Gebiete im Konflikt mit den "Zielen für nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen, etwa der Bekämpfung des Hungers und der Ungleichheit in der Welt.

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Aus der neuen Weltkarte ergibt sich auch, dass nur 9,3 Prozent der straßenfreien Flächen in einem Natur- oder Landschaftsschutzgebiet liegen. Die Forscher plädieren deshalb dafür, straßenfreie Gebiete bei der geplanten Ausweitung der Schutzgebiete von derzeit 14,2 auf 17 Prozent besonders zu berücksichtigen. Auch befürworten sie das Sperren von Straßen, um größere Gebiete ohne Wege zu schaffen.

Deutschlands verkehrsarmer Nordosten

"Die Karte macht auf das globale Problem aufmerksam", sagt Till Hopf, Naturschutzexperte des Naturschutzbundes (Nabu). Wegen des kleinen Maßstabs sei die Karte für Europa allerdings wenig aussagekräftig.

Dass Gebiete ganz ohne Straßen in Deutschland kaum vorhanden sind, weist das Bundesamt für Naturschutz in einer aktuellen Karte "unzerschnittene verkehrsarme Gebiete" aus.

Dabei werden Straßen mit weniger als tausend Fahrzeugen pro Tag als "verkehrsarm" bezeichnet. Die Gebiete liegen hauptsächlich im Nordosten Deutschlands.

Von Stefan Parsch,dpa/boj

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