Geophysik Chile droht ein weiteres schweres Beben

Hunderte Tote, verwüstete Städte: Das Erdbeben, das Chile im Februar 2010 getroffen hat, war eines der heftigsten in der Geschichte der Messungen. Doch die immensen Spannungen im Untergrund haben sich dabei nicht abgebaut, wie Forscher jetzt warnen. Der Region drohe ein weiteres Starkbeben.

Science / AAAS

Am 27. Februar 2010 erschütterte ein verheerendes Erdbeben Chile. Der Erdstoß, dessen Epizentrum im Pazifik nordöstlich der Stadt Concepción lag, löste einen Tsunami aus, der weite Küstenstriche sowie die Juan-Fernández-Inseln gut 600 Kilometer vor der Küste Südamerikas verwüstete. Erdbeben und Flutwelle kosteten mindestens 700 Menschen das Leben und richteten Schäden in Höhe von rund 22 Milliarden Euro an. Die Stärke des Bebens lag bei 8,8 - damit war es das fünftstärkste, das je gemessen wurde. Küstenbereiche hoben oder senkten sich um mehrere Meter, sogar die Erdachse wurde von dem Beben beeinflusst.

Jetzt warnen Geoforscher unter Leitung von Stefano Lorito vom nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie in Rom, dass die Region keineswegs zur Ruhe gekommen ist, es könnte ein weiteres schweres Beben drohen.

In der Region vor der chilenischen Küste schiebt sich der Pazifikboden unter den südamerikanischen Kontinent - mit einer Geschwindigkeit von rund 6,8 Zentimeter pro Jahr. Dadurch bauen sich im Untergrund immense Spannungen auf, die sich immer wieder in tektonischen Beben entladen. Bereits 1835 wurde der Naturforscher Charles Darwin Zeuge eines schweren Erdstoßes in der Region und berichtete über die schweren Schäden in Concepción; im 20. Jahrhundert ereigneten sich vier stärkere Beben.

Die Wissenschaftler wollten ermitteln, ob der Erdstoß vor einem Jahr die Spannungen im Untergrund tatsächlich so verringert hat, so dass erst einmal keine weiteren Beben drohen. Dafür werteten sie unter anderem Satellitendaten aus. Doch in ihrem Bericht im Fachmagazin "Nature Geoscience" geben sie keine Entwarnung.

Zwar hätten sich einige Bereiche tief in der Erde um bis zu 20 Meter bewegt. Doch ein Areal, das auch als "Darwin-Kluft" bezeichnet wird, habe sich kaum verändert - hier könnten sich die Spannungen sogar erhöht haben. Das Beben von 2010 könne daher das Risiko einer neuen Erschütterung vergrößert haben, schreiben die Wissenschaftler.

wbr/dpa/reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.