Geringe Sonnenaktivität Äußere Atmosphärenschichten sind geschrumpft

Eine der äußersten Schichten der Erdatmosphäre hat stark an Ausdehnung eingebüßt - weil die Sonne in den vergangenen Jahren ungewöhnlich ruhig war. Das Problem des Weltraumschrotts wird so verstärkt. Für Betreiber aktiver Satelliten gibt es hingegen gute Nachrichten.

Erdatmosphäre von der ISS gesehen: Rückgang durch geringe Sonnenaktivität
REUTERS

Erdatmosphäre von der ISS gesehen: Rückgang durch geringe Sonnenaktivität


Washington - Dort draußen könnte schon längst kein Mensch mehr atmen - schließlich käme zum Beispiel niemand auf die Idee, ohne Anzug vor die Tür der Internationalen Raumstation (ISS) zu treten. Und doch gibt es auch in 90 bis 480 Kilometern Höhe noch dünne Reste unserer Atmosphäre - auch wenn die Luft in der sogenannten Thermosphäre millionenfach dünner ist als am Boden.

Weil die Sonne bis vor kurzem verblüffend ruhig war, ist die zweitoberste Schicht der Erdatmosphäre in den vergangenen Jahren merklich geschrumpft. Das berichten Wissenschaftler um Thomas Woods von der University of Colorado in Boulder im Fachmagazin "Geophysical Research Letters".

Demnach war die Energieemission der Sonne von 2007 bis 2009 ungewöhnlich schwach. Weil vergleichsweise wenige UV-Strahlen sie erreichten, kühlte die Thermosphäre ab - und zog sich zusammen. Der Rückgang habe bis zu 30 Prozent betragen, so die Forscher. Das sei mehr gewesen als beim letzten Sonnenminimum - und mehr als irgendwann sonst in der mehr als 40-jährigen Geschichte der Raumfahrt. Computersimulationen hätten gezeigt, dass für den Rückgang vor allem die geringe Sonnenaktivität verantwortlich sei - und weniger das Treibhausgas CO2, das auch einen Beitrag zu Schrumpfen der äußeren Atmosphärenschichten leistet.

Praktische Bedeutung hat die Beobachtung für den Satelliten-Betrieb und die Internationale Raumstation. Das liegt daran, dass die künstlichen Himmelskörper durch eine kleinere Thermosphäre weniger Widerstand spüren - und deswegen länger ohne Kurskorrektur im Orbit kreisen können. Das spart wertvollen Treibstoff und kann die Betriebszeit verlängern. Einen Haken hat die Sache allerdings auch: Gefährlicher Weltraummüll bleibt ebenfalls länger in der Erdumlaufbahn.

Die Sonnenaktivität schwankt in einem Elf-Jahres-Rhythmus, was sich an der Zahl der Sonnenflecken ablesen lässt. Von 2007 bis 2009 gab es fast keine Sonnenflecken oder Sonnenstürme. Auf die Temperatur auf der Erdoberfläche hatte das aber offenbar keinen Einfluss: 2009 war das fünftwärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Inzwischen legt die Aktivität der Sonne wieder langsam zu: Anfang des Monats etwa gab es zwei mächtige Eruptionen, die Plasmastürme durchs All schickten.

chs/apn

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