Krebse: Riechen mit miesem Geruchssinn

Einsiedlerkrebse sind nahezu perfekt an das Leben an Land angepasst - nur ihr Geruchssinn ist unterentwickelt. Um sich riechend orientieren zu können, halten sich die Tiere an einem geeigneten Ort auf.

Einsiedlerkrebse: Riechorgane an den Antennen Zur Großansicht
MPI chem. Ökol./Katrin Groh

Einsiedlerkrebse: Riechorgane an den Antennen

Jena - Erwachsene Einsiedlerkrebse leben seit 20 Millionen Jahren auf dem Land. Trotzdem ist ihr Geruchssinn für das Leben dort vergleichsweise schlecht ausgebildet. Insekten, die sich evolutionär ähnlich entwickelt haben, nehmen an Land wesentlich mehr Gerüche wahr.

Jetzt konnten Forscher klären, wie Krebse ihre Behinderung kompensieren: Demnach nehmen Einsiedlerkrebse Geruchsstoffe umso stärker wahr, je höher die Luftfeuchtigkeit in ihrer Umgebung ist. Auch deshalb halten sich die Tiere immer nahe am Wasser auf.

Der Geruchssinn von Krebstieren und Insekten hat sich ähnlich entwickelt: Genau wie Insekten haben an Land lebende Krebse im Laufe der Evolution neue Riechorgane an ihren Antennen ausgebildet, über die sie Duftstoffe in der Luft erkennen. Doch während etwa Fruchtfliegen ganz unterschiedliche Moleküle in der Luft aufspüren, erkennen Einsiedlerkrebse nur wenige Duftstoffe.

Organische Säuren, Amine oder Seewasser etwa können sie riechen; das aber auch nur bei hoher Luftfeuchtigkeit, wie Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society Biological Sciences" berichten.

Küstennähe bevorzugt

In einer Reihe von Experimenten untersuchten die Forscher um Anna-Sara Krång die Reaktion der Tiere auf Gerüche und testeten, wie stark die Nervenbahnen in ihren Antennen auf unterschiedliche Stoffe reagieren. Am besten erkennen Einsiedlerkrebse wasserlösliche Duftstoffe, wie Säuren, Aldehyde und Amine, deren Wirkung in feuchter Luft verstärkt wird. Dann reagierten die Nervenbahnen der Tiere drei- bis zehnfach stärker. Fruchtfliegen antworten dagegen unabhängig vom Grad der Luftfeuchte.

Das Ergebnis des Experiments liefert den Forschern Hinweise auf den Mechanismus, über den die Riechorgane der Krebse Moleküle erkennen: Bereits in anderen Krebsarten haben Wissenschaftler sogenannte ionotrope Rezeptoren gefunden. Sie sind evolutionär älter als die Rezeptoren, die Insekten und auch uns Menschen einen umfangreichen und empfindlichen Geruchssinn verleihen. Zwar können die Tiere ihren Geruchssinn dank kleiner genetischer Anpassungen an Land einsetzen, doch ist das Riechvermögen unterentwickelt.

Das Ergebnis liefert außerdem eine Erklärung, warum sich Einsiedlerkrebse bevorzugt in Küstenähe aufhalten: Offenbar tun sie dies nicht nur, um einen kurzen Weg zum Meer zu haben, wo sie sich paaren, sondern auch, um ihren Geruchssinn bestmöglich nutzen und sich damit orientieren zu können.

jme/idw

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