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Gestörte CO2-Aufnahme: Ozeane als Kohlendioxid-Speicher offenbar überlastet

Die Weltmeere haben während des gesamten Industriezeitalters massiv vom Menschen freigesetztes CO2 gespeichert - insgesamt 140 Milliarden Tonnen. Das belegen neue Rechnungen. Doch der segensreiche Mechanismus scheint zu schwächeln.

Indischer Ozean (La Réunion, 2007): "Maßlosen Hunger auf fossile Brennstoffe bremsen" Zur Großansicht
AFP

Indischer Ozean (La Réunion, 2007): "Maßlosen Hunger auf fossile Brennstoffe bremsen"

London - In den Wochen vor dem Klimagipfel in Kopenhagen räumen die großen Wissenschaftsmagazine Klimaforschern besonders viel Platz ein. Eine ganze Fülle interessanter Paper wird in diesen Tagen veröffentlicht, zum Beispiel zur globalen Kohlenstoffbilanz. Ein Artikel in "Nature" (Band 462, S. 346) legt nun nahe, dass die Ozeane als Kohlendioxid-Speicher überlastet sein könnten. Darauf hatte bereits ein am Mittwoch veröffentlichter Artikel in "Nature Geoscience" hingedeutet.

Eine Wissenschaftlergruppe um Samar Khatiwala von der Columbia University in New schreibt, dass der prozentuale Anteil an CO2 sinkt, der durch die Weltmeere aus der Atmosphäre entfernt wird. "Wir können uns auf die Speicherfunktion von Meer und Land in Zukunft nicht mehr so verlassen wie in der Vergangenheit und müssen unseren maßlosen Hunger auf fossile Brennstoffe bremsen", warnt Khatiwala.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler ein Modell entwickelt, mit dem sich der Anteil des vom Menschen verursachten Kohlendioxids in den Ozeanen rückwirkend für die Zeit seit der industriellen Revolution berechnen lässt. Für ihre Kalkulationen von 1765 bis heute mussten die Wissenschaftler eine Vielzahl von Daten zusammentragen, unter anderem zu Temperatur, Salzgehalt und Meeresströmungen.

Ozeane nehmen nicht überall gleich viel CO2 auf

Die Forscher fanden heraus, dass rund 40 Prozent des Kohlendioxids vom Südpolarmeer absorbiert wird. Das liegt daran, dass sich das Gas im kalten Wasser besonders gut löst - ein Effekt, der die Polarmeere auch besonders anfällig für die Ozeanversauerung macht (siehe auch Fotostrecke links). Durch die Meeresströmungen wird das aufgenommene Kohlendioxid weiter verteilt. Entsprechend kommt es in verschiedenen Gegenden auch zu unterschiedlichen CO2-Konzentrationen.

Die CO2-Aufnahme der Ozeane sei seit den fünfziger Jahren des Vergangenen Jahrhunderts dramatisch angestiegen, heißt es in der Studie - wegen der stetig steigenden Emissionen der Menschheit. In den vergangenen Jahrzehnten habe die Aufnahme von Kohlendioxid in den Weltmeeren allerdings leicht abgenommen.

Basierend auf diesen Ergebnissen und dem CO2-Gehalt der Atmosphäre ermittelten die Wissenschaftler auch, wie viel Klimagas von CO2-Senken an Land aufgenommen wurde. Das Ergebnis: Bis 1940 wurde von den Landmassen mehr Kohlendioxid abgegeben als sie aufnahmen. Brandrodung für die Gewinnung von Ackerland und die Verwendung von Holz als Heizmittel waren hierfür die Hauptgründe. Nach 1940 kehrte sich das Verhältnis jedoch um. Das führen die Forscher nicht nur auf das gesteigerte Umweltbewusstsein zurück: "Das zusätzliche Kohlendioxid in der Atmosphäre könnte wie zusätzlicher Dünger wirken", spekuliert Ko-Autor Timothy Hall.

chs/ddp/dpa

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Forum - Was bringt der Klimagipfel in Kopenhagen?
insgesamt 4342 Beiträge
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1. Was bringt der Klimagipfel?
yubi 28.10.2009
Er bringt viel inhaltsloses Geschwätz, vollmundige (und windelweiche) Absichtserklärungen, Forderungen an "die Anderen", endlich auch etwas zu tun (bevor man selber was tut), .... Gut, daß die mal wieder drüber gesprochen haben ..... Ausser Spesen wieder nichts gewesen, und .... dann bis zum nächsten mal.
2.
Maschinchen, 28.10.2009
Bleiben seitens der EU finanzielle Zusagen für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern weiterhin aus, wird es schwer, diese mit ins Boot zu holen. Meiner Ansicht nach ist es ohnehin utopisch, das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Klimaschützer werden sich zunehmend mit dem ungeliebten Wort adaptation anfreunden müssen.
3.
Edgar, 28.10.2009
Wird wohl auf die übliche Verzögerunstaktik hinaus laufen, Aussitzen, bis die Klimahysterie vorbei ist, bis da hin Valium verteilen. Gut so! Wird nämlich trotzdem noch viel zu viel Geld sinnlos verbrannt. Deutschland wird wohl leider wieder als letzter Staat merken, dass die Party vorbei ist, und brav 'Vorbild' spielen.
4. Atomkraft
Internetnutzer 28.10.2009
Alle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung. Bis an die Unterlippe verschuldet wollen sie dann finanzielle Zusagen an Drittländer geben? Und an den ganzen Klimaquatsch glauben die meisten sowieso nicht, es ist aber so spekulativ die Welt zu retten, da muß man doch bei sein. Ein Riesenhumbug, wie im alten Rom: Brot und Spiele. Danach: Außer Spesen nichts gewesen. Ich hatte das schon mal gesagt: Wenn die Malediven wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen, dann sollen sie ihren Flughafen dicht machen, das wäre ein echtes Zeichen, daß sie verstanden haben.
5.
Maschinchen, 28.10.2009
Zitat von InternetnutzerAlle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung. Bis an die Unterlippe verschuldet wollen sie dann finanzielle Zusagen an Drittländer geben? Und an den ganzen Klimaquatsch glauben die meisten sowieso nicht, es ist aber so spekulativ die Welt zu retten, da muß man doch bei sein. Ein Riesenhumbug, wie im alten Rom: Brot und Spiele. Danach: Außer Spesen nichts gewesen. Ich hatte das schon mal gesagt: Wenn die Malediven wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen, dann sollen sie ihren Flughafen dicht machen, das wäre ein echtes Zeichen, daß sie verstanden haben.
Nun, was schlagen Sie vor? Anreise im Schlauchboot, Übernachtung auf dem Campingplatz?
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Wie funktionieren natürliche Kohlenstoffsenken?
Wälder
Wenn Bäume wachsen, dann nehmen sie über die Photosynthese Kohlendioxid auf. Je natürlicher die Wälder dabei sprießen, desto mehr CO2 kann gebunden werden. Den Kohlenstoff speichern die Pflanzen zum Beispiel in ihrem Holz oder in den Wurzeln. Wenn die Bäume absterben und verrotten - oder wenn sie verbrennen -, dann wird das CO2 wieder frei. Die Wälder sind also nur ein CO2-Zwischenlager. Wenn sich aber die Waldgebiete auf ehemals landwirtschaftliche Flächen ausdehnen - wie zumindest an einigen Stellen der Nordhalbkugel - dann ergibt sich eine positive Klimawirkung.
Böden
Auch Böden binden große Mengen Treibhausgase. Der Permafrost in den arktischen Regionen schließt zum Beispiel seit der Eiszeit große Mengen Kohlenstoff aus nicht vollständig verrotteten Pflanzen ein. Auch in Mooren lagern große Mengen Kohlenstoff. Wenn der Permafrost taut oder die Moore trocken fallen, dann können Kohlenstoffquellen entstehen.
Ozeane
Die Weltmeere sind die wichtigste Kohlenstoffsenke des Planeten. Aus der Atmosphäre gelangt das CO2 in das Meerwasser. Dort löst es sich, weil seine Konzentration im Wasser niedriger ist als in der Luft. Durch Meeresströmungen gelangt ein Teil des CO2-reicheren Wassers in die Tiefsee, wo es Hunderte von Jahren verbleiben kann. Auch organische Sedimente am Ozeanboden können große Mengen Kohlenstoff speichern. Die zunehmende Aufnahme von CO2 macht das Ozeanwasser allerdings auch immer saurer, was zum Problem für Schalentiere und Korallen werden kann - denn deren kalkhaltige Schalen werden durch die entstandene Kohlensäure im Wasser aufgelöst.

Fotostrecke
Ozeanversauerung: Stress für polare Meeresbewohner

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