Gestrandete Meeressäuger: Sonar könnte Wale zu schnell auftauchen lassen

Warum verenden so häufig Schnabelwale an Stränden? Forscher glauben, dass der extrem hohe Stickstoffgehalt im Blut dafür verantwortlich sein könnte. Aufgeschreckt von Sonargeräten tauchen sie plötzlich auf - mit fatalen Folgen für ihren Körper.

Honolulu - Schnabelwale bekommen die Taucherkrankheit, wenn sie zu schnell an die Meeresoberfläche schwimmen - etwa, wenn sie vom Sonar von Marineschiffen erschreckt wurden. Diese These wird von einer neuen Studie untermauert, die in dieser Woche von der US-Fachzeitschrift "Respiratory Physiology and Neurobiology" online veröffentlicht wurde. Die Studie könnte Forschern helfen zu verstehen, warum Schnabelwale stärker unter dem Einsatz von Sonar zu leiden scheinen als andere Meeressäuger.

In Australien gestrandete Schnabelwale (Archivfoto): Zu viel Stickstoff im Blut?
AP

In Australien gestrandete Schnabelwale (Archivfoto): Zu viel Stickstoff im Blut?

Die neuen Erkenntnisse lieferten weitere Hinweise darauf, dass Schnabelwale, die nach Sonareinsätzen der Marine tot aufgefunden wurden, vermutlich die Dekompressionskrankheit hatten, erklärte der Marinebiologe Robin Baird, einer der Autoren des Berichts. Untersucht wurden drei Arten aus der Familie der Schnabelwale, zwei in hawaiianischen Gewässern und eine vor Nova Scotia in Kanada.

In der Studie kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Tiere wegen eines extrem hohen Stickstoffgehalts in ihrem Blut besonders anfällig für die Taucherkrankheit sind. Schnabelwale tauchen regelmäßig über lange Zeitabschnitte in bis zu 1.500 Meter Tiefe. Durch den hohen Druck wird im Blut der Stickstoff aus der Atemluft gelöst und reichert sich auch in den Körpergeweben an. Taucht ein Tier zu schnell auf, bildet der Stickstoff aufgrund des raschen Druckabfalls im Blut und im Gewebe kleine Bläschen, was zur Dekompressionskrankheit führt. Die Folge sind Schmerzen aufgrund von Gewebeverletzungen bis hin zu Lähmungen und Embolien in schweren Fällen. Auch menschliche Taucher können beim zu schnellen Auftauchen Dekompressionskrankheit bekommen.

Seit 1960 wurden laut einer Studie aus dem Jahr 2006 weltweit insgesamt 41 Massenstrandungen von Cuvier-Schnabelwalen verzeichnet. Einige fielen mit Sonarübungen der Marine zusammen, so etwa 1996 in Griechenland, 2000 auf den Bahamas und 2002 auf den Kanaren.

Die US-Marine setzt Sonar zum Aufspüren von U-Booten ein. Sie hat sich zu einigen Maßnahmen zum Schutz der Wale bereit erklärt, die Umweltschützern aber nicht weit genug gehen. Die Marine dringt nun auf weitere Forschung auf dem Gebiet und hat dafür 26 Millionen Dollar (18,4 Millionen Euro) über die kommenden fünf Jahre bereitgestellt. Auch die neue Studie wurde teilweise von ihr finanziert.

Audrey McAvoy, AP

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