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Theorie zur Strandung: Pottwale schwammen Tintenfischen hinterher

Gestrandete Pottwale: Tintenfischknochen im Walmagen Fotos
DPA

Innerhalb weniger Wochen sind Dutzende Pottwale an der Nordseeküste gestrandet. Nun kommen Wissenschaftler der Ursache auf die Spur. Demnach könnten Kalmare die Tiere fehlgeleitet haben.

Bei der Analyse des Mageninhalts von 13 an der Nordseeküste verendeten Pottwalen haben Kieler Meeresforscher 110.490 Tintenfisch-Schnäbel entdeckt. Das sind die unverdaulichen Ober- und Unterkiefer von Kalmaren, der Lieblingsspeise der Pottwale.

Heftige Stürme im Nordostatlantik könnten die Wale im Januar in die Nordsee verleitet haben, glaubt Meeresbiologe Uwe Piatkowski vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. "Die Stürme haben Wassermassen nach Süden getrieben und damit unter Umständen auch die Beute der Wale - die Kalmare." Denen schwammen die Wale dann offenbar hinterher.

In den flachen Gewässern der Nordsee gerieten die Meeressäuger dann in Gefahr. "Wenn es flacher wird als 50 Meter, bekommen die Pottwale Probleme mit ihrem Sonarsystem", sagt der Meeresbiologe. In der Folge drangen sie immer weiter in die südliche Nordsee vor und strandeten im Wattenmeer.

Seit Anfang des Jahres sind nach Angaben der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer rund 30 Jungwale in der südlichen Nordsee verendet, darunter alleine 13 an der schleswig-holsteinischen Küste. Aber auch in Niedersachsen, den Niederlanden, in Großbritannien und in Frankreich verendeten Pottwale.

Gut genährt

Zuvor waren Fischernetze in den Mägen einiger Exemplare gefunden worden. Diese hatten laut Experten aber nicht zum Tod der Tiere geführt. Nach Angaben von Piatkowski waren die gestrandeten Tiere fit und gut genährt. Aus dem Magen eines Wales holten die Forscher beispielsweise Schnäbel von 21.000 Tintenfischen, berichtet Piatkowski. Das entspreche der Biomasse von etwa 4,2 Tonnen Tintenfisch.

Vier Tintenfischarten fanden die Forscher besonders häufig: "95 Prozent des Mageninhalts gehen auf den Nordischen Köderkalmar und den Europäischen Flugkalmar zurück", sagt Piatkowski. Beide kommen hauptsächlich in der Norwegischen See, im Barentssee und den Gewässern bei Island vor, dem Hauptweidegebiet junger Pottwal-Bullen.

Außerdem entdeckten die Forscher in den Mägen der Wale zahlreiche Fischknochen, etwa vom Seeteufel oder Kabeljau.

Meeresforscher Piatkowski geht davon aus, dass die im Januar entdeckte erste Gruppe der verendeten Wale bereits in der Norwegischen See ihre letzte Mahlzeit hatte. Die Anfang Februar gestrandeten Wale hätten sich dagegen wahrscheinlich etwas länger in der Nordsee aufgehalten, bevor sie gestrandet sind: "Wir haben in den Mägen teilweise Sand und Schlick aus dem Wattenmeer gefunden", sagt er. Vermutlich hätten die Tiere ihren Kopf in den sandigen Untergrund gerammt, um Beute aufzuscheuchen.

Die Kosten für die Bergung und Entsorgung der Wale werden nach Angaben des Umweltministeriums in Kiel zwischen Bund und Land aufgeteilt. "Uns ist wichtig, so viel wie möglich über die Tiere herauszufinden - und wenn möglich darüber, woran sie gestorben sind", sagt Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

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jme/dpa

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