Gestrandeter Pottwal Aus Moby Dick soll Diesel werden

25 Tonnen Gewicht, die Hälfte davon Fett: Ein in Belgien gestrandeter Pottwal soll industriell genutzt werden. Der Meeressäuger kann genug Biodiesel liefern, um 14 Familien ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

DPA

Knokke - Was stellt man mit einem gestrandeten Wal an? Ein auf organische Abfälle spezialisierter Energiehersteller im belgischen Ostende präsentiert jetzt eine pragmatische Lösung: Aus dem in dieser Woche am Strand des Seebads Knokke-Heist gestrandeten Pottwal soll Biosprit gewonnen werden.

Das rund 13 Meter lange und fast 25 Tonnen schwere Tier besteht zur Hälfte aus Fett. Dies soll erst geschmolzen und gereinigt werden. Danach will das Unternehmen das Material zu Biokraftstoff raffinieren. Die Firma ist auf die Verwertung von Schlachtabfällen und Tierfäkalien spezialisiert. Der tote Wal soll so 50.000 Kilowattstunden Strom liefern - laut der belgischen Nachrichtenagentur Belga genug, um 14 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen.

Dass Menschen den Tran von Pottwalen nutzen, ist keineswegs eine neue Idee. Walfänger töteten die Meeresriesen im 18. und frühen 20. Jahrhundert vor allem wegen ihres Fetts, aus dem unter anderem Lampenöl hergestellt wurde. Durch die massive Jagd brachen die Bestände zusammen. Noch heute gilt der Pottwal laut der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation als bedroht.

Teile kommen ins Museum

Den ganzen Donnerstag lang waren Wissenschaftler und Zivilschutz damit beschäftigt, das Teofiel getaufte Tier vom Strand zu holen. Forscher der Universität Gent wollen Kiefer, Schädel und Teile vom Rückgrat des Wals untersuchen. Später sollen konservierte Stücke ins Museum wandern.

Wissenschaftler haben den Pottwal auf ein Alter von zehn Jahren geschätzt. Als er strandete, lebte er noch. Mehrere hundert Schaulustige verfolgten bei Minustemperaturen und scharfem Wind seinen Todeskampf. "Es ist traurig, solch ein Schauspiel zu sehen", sagte Jerome Van Mechelen, einer der Passanten. Es wurde darüber spekuliert, ob der Wal von einem Schiff gerammt oder schon zuvor krank gewesen sei. Aber noch ist unklar, warum das Tier strandete.

An der Küste der Nordsee stranden Wale eher selten, da das Meer für sie eigentlich zu flach ist. An der belgischen Küste kam es laut dem Institut für Naturwissenschaften zufolge 1994 und 2004 zu Walstrandungen. Zuletzt war im November 2011 ein Pottwal vor der Nordsee-Insel Pellworm gestrandet.

wbr/dpa/AFP



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insgesamt 16 Beiträge
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Waldesmeister 10.02.2012
1.
Zitat von sysopDPA25 Tonnen Gewicht, die Hälfte davon Fett: Ein in Belgien gestrandeter Pottwal soll industriell genutzt werden. Der Meeressäuger kann genug Biodiesel liefern, um 14 Familien ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,814561,00.html
Naja. Warum auch nicht? Irgendwo muss der Kadaver ja sowieso hin. Und ob man ihn jetzt mit noch mehr Energieaufwand irgendwo in Einzelteilen in einer Kadaver-Beseitigungsanlage verbrennt oder ob man den Kadaver noch sinnvoll nutzen sollte, ist eigentlich leicht zu beantworten. Und Nein! Ich bin nicht dafür, dass man das auch mit Menschen macht.
schon,aber 10.02.2012
2. zzzz
Zitat von sysopDPA25 Tonnen Gewicht, die Hälfte davon Fett: Ein in Belgien gestrandeter Pottwal soll industriell genutzt werden. Der Meeressäuger kann genug Biodiesel liefern, um 14 Familien ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,814561,00.html
Wal zu Diesel – warum nicht? Immer noch besser als diese unsägliche Vermaisung der Landschaft für Biodiesel. Deutschland sollte eine Walfangflotte aufbauen.
Atheist_Crusader 10.02.2012
3.
Ich seh schon die ersten Proteststürme. Wenn das nächste mal eine Rettung verschlampt wurde, dann kann das ab sofort ja natürlich nur aus wirtschaftlichen Motiven passiert sein, um das Tier denn verwerten zu können...
hiraganaboy 10.02.2012
4. Edo-Zeit
Ich weiss nicht mehr genau, welches Dorf es gewesen ist und in welchem Buch ich es las, aber wenn in einer japanischen Küstensiedlung während der Edo-Zeit (1600-1867) ein Wal strandete oder erlegt wurde, bedeutete es ein zweijähriges Auskommen für die anliegende Bewohnerschaft. Was Japan heute macht ist ein anderer Schuh. Da es um Wale als politische Ressource.
dorpf 10.02.2012
5. blabla
Zitat von schon,aberWal zu Diesel – warum nicht? Immer noch besser als diese unsägliche Vermaisung der Landschaft für Biodiesel. Deutschland sollte eine Walfangflotte aufbauen.
Der Mais landet hauptsächlich in Biogasanlagen zur Wärme und Stromproduktion und dient weniger als Zusatz in Biokraftstoffen. Hier eher Rapsöl und Palmöl. Für einige Dekaden hält unsere Natur einen verstärkt monokulturellen Anbau aus. Bin mir sicher, dass wir in einigen Jahren wieder andere Energiepflanzen nutzen werden. Das Gejammere über die "Vermaisung" hat doch so gut wie immer persönliche und optische Beweggründe. Daher wurde auch vor einigen Jahren der ach so schön blühene Rapsanbau von der Bevölkerung nicht so kritisch gesehen. Vor ca. 150 Jahren wurde in Teilen Baden-Württembergs ausschließlich Dinkel angebaut. Sehr extensiv. Spätfolgen ?
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