Gestrandeter Wal Kanadisches Dorf versucht, Kadaver zu verkaufen

Gestrandete Wale sterben oft - dann müssen die gewaltigen Kadaver aufwendig entsorgt werden. Ein Dorf in Kanada wollte nun einen toten Wal auf Ebay verkaufen - und bekam prompt Ärger mit dem Auktionshaus.

Gestrandeter Pottwal (Belgien, Februar 2012): Aufwendige Entsorgung
DPA

Gestrandeter Pottwal (Belgien, Februar 2012): Aufwendige Entsorgung


Es ist noch nicht allzu lange her, da galt ein gestrandeter Wal als Glücksfall. Sofern das Tier nicht schon verwest war, versorgte sein Fleisch ein ganzes Dorf. Heutzutage sorgt eine Strandung vor allem für mediale Aufmerksamkeit - und hohe Kosten, falls es nicht gelingt, die Meeresriesen zurück in tiefes Wasser zu bugsieren.

Weil das Geld für die Beseitigung eines toten Pottwals fehlte, hat ein kanadisches Fischerdorf nun versucht, den angeschwemmten Kadaver über das Internet-Auktionshaus Ebay zu verkaufen. Bis Montagmittag (Ortszeit) erzielte die Gemeinde St. George in Neufundland Dutzende Gebote, das höchste davon lag bei 2000 Dollar (1442 Euro). Doch als das ungewöhnliche Angebot Schlagzeilen machte, stoppte Ebay die Versteigerung. Wie ein Mitarbeiter sagte, verstieß sie gegen die Regeln des Auktionshauses, wonach Tiere weder tot noch lebendig verkauft werden dürfen.

Der Zwölf-Meter-Wal war vor einer Woche tot angespült worden. Das 1000-Einwohner-Dorf hat nach eigenen Angaben nicht die Mittel, um den verwesenden Kadaver zu beseitigen. Die kanadische Fischereibehörde lehnte es ab, der Gemeinde dabei zu helfen. Der Gemeinderat votierte darauf wegen der befürchteten Geruchsbelästigung durch die Verwesung am Sonntag dafür, den Wal im Internet zu versteigern.

Die Bundesbehörden hätten "dem Dorf keine Hilfe angeboten", sagte Bürgermeister Peter Fenwick. "Sie sagten nur, 'Ihr müsst ihn loswerden', weshalb wir uns entschieden haben, ihn auf Ebay einzustellen." Man würde den Kadaver auch verschenken, solange der neue Besitzer die Verantwortung dafür übernimmt, den Wal wegzuschaffen.

Auch die kanadischen Bundesbehörden wiesen Bürgermeister Fenwick inzwischen darauf hin, dass der Verkauf illegal sei. "Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir prüfen müssen, ob es irgendein Schlupfloch in den Bestimmungen gibt." Er wolle gegen kein Gesetz verstoßen und den Wal illegal verkaufen. "Wir haben keine große Wahl, denn wenn er hier bleibt und verrottet, wird das ein furchtbarer Gestank."

Fotostrecke

3  Bilder
Neufundland: Kanadisches Dorf fürchtet explodierenden Wal
Zwei andere Dörfer in Neufundland kämpfen mit ähnlichen Problemen, nachdem zwei auf der Liste der gefährdeten Arten stehende Blauwale bei ihnen angespült wurden. Einer von ihnen blähte sich durch die Verwesung auf, weshalb die Bewohner des Dorfes Trout River eine Explosion befürchten. Ein Museum in Ontario will nun Forscher schicken, um die Wal-Kadaver zu bergen. Sie sollen künftig in der Forschungssammlung des Museums Wissenschaftlern zur Verfügung stehen.

hda/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
götterbote2012 06.05.2014
1. Seltsam
Die Japaner müssten sich doch darum reißen, diesen Wal umsonst zu bekommen. Schließlich schlachten die doch im Namen der Wissenschaft jedes Jahr tausende Wale ab, um diese "zu erforschen". Hier hätten sie ein Exemplar, dass nicht mal mehr wegschwimmen könnte.
iesmael 06.05.2014
2. ein fischerdorf kann einen wal nicht entsorgen???
Zitat von sysopDPAGestrandete Wale sterben oft - dann müssen die gewaltigen Kadaver aufwendig entsorgt werden. Ein Dorf in Kanada wollte nun einen toten Wal auf eBay verkaufen - und bekam prompt Ärger mit dem Auktionshaus. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/gestrandeter-wal-kanadisches-dorf-versucht-kadaver-zu-verkaufen-a-967758.html
... was haben die denn bitte für boote, nur kaputte? Seil an schwanz, ein zwei boote dran und ab aufs meer, wal öffnen und ab auf den grund damit, sollten sich doch genug aasfresser drüber freuen
bilang 06.05.2014
3.
Zitat von götterbote2012Die Japaner müssten sich doch darum reißen, diesen Wal umsonst zu bekommen. Schließlich schlachten die doch im Namen der Wissenschaft jedes Jahr tausende Wale ab, um diese "zu erforschen". Hier hätten sie ein Exemplar, dass nicht mal mehr wegschwimmen könnte.
Tun sie nicht.
Butenkieler 06.05.2014
4. 200 Tonnen
es benötigt einen Schlepper wie diesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Nordic_(Schiff) um einen ca. 200 Tonnen schweren Wal vom Ufer aus ins Meer zu ziehen. Fischerboote haben da keine Chance. Für mich ist ist die Äußerung von ismael unqualifiziert.
lexik 06.05.2014
5. Mittel
"Das 1000-Einwohner-Dorf hat nach eigenen Angaben nicht die Mittel, um den verwesenden Kadaver zu beseitigen." Ich bin nicht sicher, aber für mich klingt das, als würde denen ihre eigene Bürokratie im Weg stehen. Bei 1000 Einwohnern sind doch bestimmt ein paar kräftige Kerle dabei, die ein paar scharfe Küchenmesser ihr Eigen nennen können. Unmittelbar nach Einsetzen des Todes ran, Fleisch klein schneiden, auf die paar hundert Kühlschränke und Gefriertruhen im Dorf verteilen, weitere Proben auf Krankheiten testen lassen, den Rest verbrennen und wenn die Tests negativ ausfallen - Guten Appetit! Es muss doch möglich sein, ein paar freiwillige Helfer in einem 1000-Einwohner zu mobilisieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.