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Gesundheit und Erderwärmung: Weißes Haus schwächt Klimawandel-Bericht ab

Wie sehr macht der Klimawandel krank? Das hat die US-Gesundheitsbehörde CDC untersucht. Der Report gefiel dem Weißen Haus offenbar nicht - er wurde drastisch gekürzt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bush-Regierung versucht, Einfluss auf Berichte von Klimaforschern zu nehmen.

Washington - Vor einer Senatsanhörung über die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels hat die US-Regierung den Bericht der Direktorin des Center for Disease Control (CDC) drastisch gekürzt. So wurden vor der Anhörung von Julie Gerberding am Dienstag im Senat konkrete Informationen über mögliche Krankheiten aus dem Dokument gestrichen, wie ein CDC-Mitarbeiter berichtete.

Warten auf den Regen (Archivbild): Der Klimawandel betrifft nicht nur die Natur, sondern auch die Gesundheit des Menschen
REUTERS

Warten auf den Regen (Archivbild): Der Klimawandel betrifft nicht nur die Natur, sondern auch die Gesundheit des Menschen

Gerberding hatte dem Ausschuss berichtet, mit welchen medizinischen Konsequenzen bei einer weiter fortschreitenden globalen Erwärmung zu rechnen ist. Die Direktorin der Gesundheitsbehörde sagte, es sei damit zu rechnen, dass der Klimawandel "eine große Bandbreite von Wirkungen auf die Gesundheit der Amerikaner haben werde". Zur Art der Krankheiten nannte Gerberding aber keine Details.

Weil das CDC eine Einrichtung des Gesundheitsministeriums ist, wurde der Bericht vorher der Kontrollbehörde des Weißen Hauses vorgelegt, dem Office of Management and Budget (OMB). Es ist üblich, dass das Weiße Haus die vorbereiteten Dokumente für Anhörungen im Kongress redigiert. Dass der Bericht der CDC-Direktorin von 16 auf vier Seiten gekürzt worden sei, habe jedoch Erstaunen hervorgerufen, verlautete aus Kreisen der Behörde. "Der Bericht wurde ausgeweidet", meinte ein offizieller Mitarbeiter des CDC, der anonym bleiben wollte.

Berichte sollen nationalen Prioritäten entsprechen

CDC-Sprecher Tom Skinner hingegen versuchte die Kürzungen des Weißen Hauses herunterzuspielen. Gerberdings Erscheinen vor dem Senatsausschuss sei "sehr produktiv" gewesen. Sie habe alle Punkte, die sie habe ansprechen wollen, genannt. "Was gesagt werden musste, ist unserer Ansicht nach gesagt worden", sagte Skinner.

"Wir spekulieren und kommentieren nichts, was sich im vorläufigen Stadium befindet", sagte Sean Kevelighan, Sprecher der Kontrollbehörde OMB. Das OMB prüfe bei Berichten stets, ob diese den Prioritäten der Regierung entsprächen. Das Weiße Haus selbst wies Vorwürfe, den Bericht abgeschwächt zu haben, zurück: Man habe nur versucht eine ausgewogene Sicht des Klima-Themas herzustellen.

Während der Anhörung kamen offenbar trotzdem aus dem ursprünglichen Bericht gestrichene Passagen zur Sprache. Jedenfalls erstellte die Vorsitzende des Umweltausschusses, die demokratische Senatorin Barbara Boxer, eine Liste möglicher Gesundheitsprobleme, die durch ansteigende Temperaturen und Meeresspiegel auftreten können. Sie beinhaltet:

  • Herzversagen aufgrund von Hitzestress
  • eine Zunahme von Verletzungen und Todesfällen durch Wetterextreme wie Hurrikane, Atemwegserkrankungen durch hitzebedingte Luftverschmutzung
  • eine Zunahme von Infektionen durch Hantaviren und Krankheiten wie Cholera und Malaria
  • eine Zunahme von Depression und Post-traumatischem Stress.

"Dies sind die potentiellen Dinge, die man erwarten kann", antwortete Gerberding, als sie nach den Krankheiten aus dieser Liste gefragt wurde. Senatorin Boxer forderte die Regierung auf, den vollständigen Bericht der Expertin freizugeben. "Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, alle Fakten über die ernste Bedrohung durch die globale Erwärmung zu erfahren", sagte die Politikerin.

Die Regierung Bush sah sich bereits früher mit dem Vorwurf konfrontiert, Druck auf Wissenschaftler auszuüben, um Aussagen zum Ausmaß der Bedrohung durch den Klimawandel abzuschwächen. Ende vergangenen Jahres hatten 10.000 Forscher, darunter mehr als 50 Nobelpreisträger und Berater ehemaliger US-Regierungen, eine Liste unterzeichnet, die zahlreiche Fälle von Einflussnahme und Zensur durch das Weiße Haus dokumentierte..

lub/AP

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