Gesundheitsgefahr: Ozonwerte weltweit rasant gestiegen

Die Ozonkonzentration hat sich in den vergangenen Jahren stetig erhöht und stellt eine zunehmende Gesundheitsgefahr dar, warnen Forscher. In Europa sollen mehr als 20.000 Menschen pro Jahr an den Folgen der Ozonbelastung sterben. Diese Zahl könnte künftig noch steigen.

Um sechs Prozent pro Jahr sind die bodennahen Ozonhintergrundwerte in der nördlichen Hemisphäre seit 1980 gestiegen. Damit liegen sie nun auf einem Niveau, auf dem sie nicht nur an Tagen mit Spitzenwerten, sondern alltäglich einen schädlichen Einfluss auf die Gesundheit und Umwelt haben, heißt es in einem Bericht der britischen Wissenschaftsakademie Royal Society.

Waldbrände auf Rhodos (Juli 2008): Industrieabgase und Rauch in Flammen stehender Bäume fördert die Ozonbildung
DPA

Waldbrände auf Rhodos (Juli 2008): Industrieabgase und Rauch in Flammen stehender Bäume fördert die Ozonbildung

In Europa sterben der Studie zufolge rund 21.400 Menschen pro Jahr an den Folgen der Ozonbelastung. Allein in Großbritannien könne sich die Zahl der Ozontoten bis 2020 noch um 51 Prozent auf knapp 2400 erhöhen. Dabei ist der Kampf gegen das giftige Gas nach Angaben der Wissenschaftler doppelt schwierig, da sich der Klimawandel und steigende Ozonwerte gegenseitig fördern.

Ozon besteht aus drei Sauerstoffatomen und entsteht aus einer Reaktion von Sonnenlicht mit Industrie- oder natürlichen Gasen. Dazu gehören zum Beispiel Autoabgase oder der Rauch von Waldbränden. Folgen der bodennahen Ozonbelastung sind vor allem Atemwegprobleme. Besonders Kinder und alte Menschen sind betroffen.

Das Gas schade nicht nur den Menschen, sondern auch der Landwirtschaft, da Ozon den Ertrag unter anderem von Weizen, Reis und Soja mindere, heißt es in der Studie. Im Jahr 2000 kostete die Ozonbelastung die EU-Landwirtschaft demnach rund 6,7 Milliarden Euro. Vor allem in schnell wachsenden Regionen in Südasien und Indien könne die Ozonbelastung zu Ernteausfällen führen und die Nahrungsversorgung gefährden.

Die Forscher mahnen zu globalen Maßnahmen. "Ozon ist ein Weltreisender und einer der durchdringendsten Luftschadstoffe", betonte der Vorsitzende der Ozon-Arbeitsgruppe der Royal Society, David Fowler. "Die Wettersysteme und Jetstreams transportieren Ozon und die Schadstoffe, die zu seiner Entstehung führen, oft weit von der Quelle weg." Nationale und regionale Kontrollen der Ozonwerte seien daher nicht ausreichend, um die Gesundheit der Menschen und die Umwelt zu schützen. So fördere etwa der wachsende internationale Schiffsverkehr die Luftverschmutzung, der Sektor habe aber derzeit mangelhafte Emissionskontrollen.

In Europa erwarten die Wissenschaftler künftig mehr Tage mit Ozonspitzenwerten, da der Klimawandel mehr Hitzewellen und Trockenheit bringen kann. Die globale Erwärmung fördert die Bildung von Ozon, gleichzeitig ist Ozon nach Kohlendioxid und Methan das drittwichtigste Treibhausgas.

Während Ozon in Bodennähe ein gefährliches Gift darstellt, ist es in großen Höhen ein Segen. Die Ozonschicht in mehr als 20 Kilometern Höhe ist lebenswichtig, weil sie die Erde vor schädlicher Ultraviolettstrahlung der Sonne schützt.

hda/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite