Wilderei in Südafrika Jeden Tag sterben drei Nashörner

Es ist ein trauriger Rekord: Im Jahr 2013 wurden in Südafrika mindestens 1004 Nashörner durch Wilddiebe getötet - eineinhalb Mal so viele wie im Vorjahr. Umweltschützer sind alarmiert: Wenn nicht bald gehandelt wird, sterben mehr Tiere als geboren werden.

AP / South African Communication and Liaison Services

Die Zahlen, die die südafrikanische Regierung am Freitag veröffentlichte, übertreffen alle schlimmsten Befürchtungen: Mindestens 1004 Nashörner wurden im vergangenen Jahr in dem Land durch Wilderer getötet, meldet das zuständige Amt für Umweltschutz. Im Durchschnitt wurden in Südafrika 2013 an jedem Tag drei Tiere getötet - der schlimmste Wert, den es jemals gab.

Die Zahl der gewilderten Tiere ist eineinhalb Mal so hoch wie im Jahr 2012, damals starben 668 Nashörner durch Wilderer. Die Population nähere sich immer mehr einem kritischen Wert, waren Experten: Bald würden mehr Tiere getötet, als durch Geburten wieder hinzukommen.

"2014 muss eine Zäsur darstellen", fordert Tom Milliken von der Naturschutzorganisation "Traffic". Südafrika und das Nachbarland Mosambik, das vielen Wilderern als Rückzugsort dient, müssten ihre Vorkehrungen verstärken, die Verbrechen endlich zu stoppen.

Schmutziges Geschäft in Millionenhöhe

Wilderer machen enorme Gewinne mit dem Verkauf der Hörner der Tiere. Hinter den einzelnen Tötungen stehen längst gut organisierte Banden, es gehe um Geschäfte im Wert von mehreren hundert Millionen Euro, berichtete Jason Bell, Südafrika-Direktor der Naturschutzorganisation IFAW.

Hintergrund der verbotenen Jagd ist der Konsumhunger wachsender Mittelschichten in Asien. Einer von der Naturschutzorganisation WWF finanzierten Studie zufolge ist in Vietnam noch immer die Nachfrage für Nashorn weit höher als das Angebot - trotz des horrenden Preises von 50.000 Euro für ein Kilogramm verarbeitetes Nashornpulver. Wilderer bekommen nach Erkenntnissen südafrikanischer Experten maximal 3000 Euro für ein ganzes Horn - was für viele bitterarme Afrikaner ein Vermögen ist.

Hauptabnehmer von Nashorn sind Länder wie Vietnam, Laos oder Thailand. Gerade diese Staaten seien zu passiv im Kampf gegen den illegalen Handel, kritisiert Milliken von "Traffic". Elfenbein, Rhinozeros-Horn oder Löwenknochen seien in Asien begehrte Zutaten für Medikamente und Potenzmittel. Die strengen Vorgaben des Washingtoner Artenschutzabkommens würden so ausgehebelt.

Wilderei bedrohe langfristig ernsthaft die Bestände der etwa 450.000 Elefanten und 25.000 Nashörner Afrikas, warnen die Tierschützer. Inzwischen haben wegen der brisanten Lage Interpol und die für organisierte Kriminalität zuständige Uno-Organisation Unodoc eine gemeinsame Einsatzgruppe gegen Wilderer gebildet.

Prinz Charles lädt zum Gipfel

Die Tierschützer von "Traffic" hoffen nun auf die Internationale Konferenz über den Handel mit Wildtieren, die am 14. Februar in London beginnt. Erwartet werden Staats-und Außenminister aus rund 50 Ländern, darunter auch Abgesandte der Länder, die für den illegalen Handel und die Tötung der Tiere mitverantwortlich sind. Prinz Charles und der britische Premierminister David Cameron hatten das Treffen angesetzt, eine Erklärung für mehr politisches Engagement für den Tierschutz soll das Ergebnis sein.

Eine koordinierte globale Antwort und eine entsprechende finanzielle Ausstattung der entsprechenden Institutionen in den einzelnen Ländern könne helfen, dem illegalen Handel mit Wildtieren wirksam zu entgegen, sagt Milliken. Auch könnten in vielen Ländern die Strafen für Wilderei deutlich verschärft werden.

Denn betroffen sind nicht nur Nashörner. Auch für Elefanten war 2013 wieder einmal kein gutes Jahr: Die Zahl der in Afrika gewilderten Tiere ist erneut gestiegen. Geschätzt 30.000 Elefanten wurden wegen ihres Elfenbeins getötet.

nik



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Seite 1
Atheist_Crusader 17.01.2014
1.
Zitat von sysopAP / South African Communication and Liaison ServicesEs ist ein trauriger Rekord: Im Jahr 2013 wurden in Südafrika mindestens 1004 Nashörner durch Wilddiebe getötet - eineinhalb Mal so viele wie im Vorjahr. Umweltschützer sind alarmiert: Wenn nicht bald gehandelt wird, sterben mehr Tiere, als geboren werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/getoetete-nashoerner-wilderei-in-suedafrika-auch-neuem-hoechststand-a-944114.html
Was auch kaum Jemand mitbekommen hat: Elefanten sind seit gut 120 Jahren dabei, sich hin zu weniger Stoßzähnen zu entwickeln. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Anteil von (afrikanischen) Elefanten mit kleinen oder gar keinen Stoßzähnen von 8-9% auf fast 20% verdoppelt. Natürliche Selektion am Arbeiten: die Elefanten mit den größten Stoßzähnen werden öfter getötet, können also weniger Nachwuchs zeugen. Würde mich nicht überraschen, wenn es bei den Rhinozerossen eine ähnliche Entwicklung gibt. Die Löwen dürften allerdings weniger gute Karten haben - denen kann man die Qualität ihrer Knochen nicht ansehen, ohne sie zu töten.
neanderspezi 17.01.2014
2. Ohne das Prinzip Hand wäscht Hand würde die Wilderei auffliegen
Es genügt eben nicht, wenn Rangers nur pro forma durchs Gelände hecheln und Naturschutzorganisationen und ihrer Regierung als Placebo scheinbare Tüchtigkeit mit dem Aufspüren der Kadaver vorführen. Zwingend notwendig wäre es eigentlich vor dem Abschuss von Nashörnern und Elefanten Wilderer aufgespürt und gestellt zu haben und wenn das zu schwierig ist, wenigstens auf den Handel acht zu geben. Da mit den gefragten Teilen dieser Tiere ein lukratives Geschäft gemacht wird, sind zunächst Wilderer und ihre Geschäftspartner bei gesteigerter Aufmerksamkeit, zumindest wenn der Handel über die Bühne geht eher aufzuspüren, wenn in eine derartige Organisation, die dahinter stehen muss, ein paar geschickt getarnte Undercover- Wilderer oder Aufkäufer eingeschleust würden. Eine verbotene Organisation lässt sich gewöhnlich nur dann sorgenlos betreiben, wenn ordentlich geschmiert wird und wenn die Geschmierten dicht halten, wobei das Handaufhalten leider oft auch in höchsten Ämtern praktiziert wird. Die Tiere haben vielleicht eben immer noch eine völlig unzureichende Lobby.
neanderspezi 17.01.2014
3. Ohne das Prinzip Hand wäscht Hand hätte die Wilderei einen viel schwereren Stand
Es genügt eben nicht, wenn Rangerposten stark unterbesetzt sind und trotz aller Anstrengungen den Naturschutzorganisationen und ihrer Regierung als Beweis ihrer Tüchtigkeit nur das Aufspüren der Kadaver vorführen können. Zwingend notwendig wäre es eigentlich vor dem Abschuss von Nashörnern und Elefanten Wilderer aufgespürt und gestellt zu haben und wenn das offensichtlich zu schwierig ist, wenigstens mehr auf den Handel acht geben zu können. Da mit den gefragten Teilen dieser Tiere ein lukratives Geschäft gemacht wird, sind zunächst Wilderer und ihre Geschäftspartner, zumindest wenn der Handel über die Bühne geht eher aufzuspüren, besonders wenn in eine derartige Organisation, die dahinter stehen muss, ein paar geschickt getarnte Undercover- Wilderer oder Aufkäufer eingeschleust würden. Eine verbotene Organisation lässt sich gewöhnlich nur dann sorgenlos betreiben, wenn ordentlich geschmiert wird und wenn die Geschmierten dicht halten, wobei das Handaufhalten leider oft auch in gewissen Ämtern praktiziert wird. Die Tiere haben vielleicht eben immer noch eine völlig überforderte Lobby.
nurmeinemeinung 17.01.2014
4.
Tja, man versucht ja gerade zwanghaft durch Todesdrohungen 350.000 $ für den Nashornschutz zu verhindern. Den gutmenschelnden Naturschützern ist eben ein altes Nashorn mehr Wert wie eine Familie. Menschen gibt es ja auch genug. Die Wilderer kann man nicht mi Gewalt abhalten Dafür sind die Gewinne zu hoch und die Flächen zu groß. Die einzige Möglichkeit die dortigen Tiere zu schützen, ist es die Bevölkerung auf andere Art und Weise die Nashörner zu Geld zu machen. Wenn man durch Jagd die nötigen Gelder in die Gegend bringt dann werden die Leute den Wilderern die Unterstützung entziehen und selber auch nicht mehr wildern gehen. Aber wir sind natürlich auf unseren Sofas sehr bequem und können von hier aus sehr leicht der dortigen Bevölkerung die Nutzung der Ressourcen verbieten wollen. Aber das wird nicht klappen. Wir kümmern uns ja auch nur um unsere Natur wo es uns gefällt. Zeigen Sie einem der Wilderer mal einen europäischen Bauernhof oder Schlachthof. Wie wir mit unseren Tieren umgehen ist unter aller Kanone und wird sicherlich Ekel bei diesen Leuten hervorrufen. So hat jeder eine Schattenseiten.
herkurius 17.01.2014
5. Nashörner retten
Die Nashörner werden ja wegen des Aberglaubens getötet, ihr Horn (identisch mit dem Material abgeschnittener Fingernägel) sei medizinisch wirksam. Vielleicht hilft es schon, die abgrundtiefe Dummheit als auch die Impotenz der Männer in den Abnehmerländern zu bekämpfen.
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